Frage von An am 19.03.10

Gewerbeanmeldung, aber welche Folgen?

Hallo!

Ich würde gerne ein Gewerbe anmelden, aber zur Zeit bin ich etwas verunsichert, was das für Folgen für mich haben könnte.

Zu meiner Situation:

Ich habe ein Hobby bei dem ich etwas von Hand modelliere. Irgandwann habe ich eines meiner "Werke" mal aus Spaß bei Ebay reingesetzt und es hat regen Anklang gefunden, was mich natürlich gefreut hat.

Auch wenn viele "Künstler" aus diesem Bereich ihre hergestellten Sachen als Privat verkaufen, wollte ich keinen weiteren Gegenstand einstellen ohne mich da vorher zu informieren, was meine Pflichten sind. Ich bin zuerst davon ausgegangen, dass es eine Freiberufliche Tätigkeit als Künstler ist und bin frohen Mutes zum Finanzamt gegangen.

Das Finanzamt hat mir den Zahn dann aber gezogen und meinte, es wäre eine Gewerbe. (Ich hatte ein Exemplar meiner Arbeit mitgenommen und die waren begeistert und fanden es eindeutig als Kunst, aber eben nicht in der Finanzwelt, denn dann hätte ich ein Kunststudium abschließen müssen).

So weit so gut, also Gewerbe und damit ein Gewerbe anmelden. Das Finanzamt sagte mir: einfach ein Gewerbe anmelden, Buch führen und 1 x im Jahr bei der Steuererklärung mit angeben. Die IHK und die Krankenkassen würden benachrichtigt und würden mir noch einen Fragebogen schicken. Auf meine Frage nach den Pflichten eines gewerblichen Verkäufers wurde gesagt, dass ich mir darum keine Gedanken machen müsse. Also war ich immer noch frohen Mutes.

Ich ging zum Steuerberater, der mir abriet, weil es ein Rattenschwanz hinter sich herziehen würde.

Locker lassen wollte ich aber noch nicht und rief bei meiner Krankenkasse an. Die meinten, ich darf im Monat bis zu 365 Euro verdienen ohne mich selbst versichern zu müssen.

Dann rief ich bei der IHK an um mich ganz kurz beraten zu lassen. Der Mitarbeiter war mir aber leider ganz und gar nicht wohl gesonnen und erklärte mir, dass er keine Lust habe 1000 Leuten am Tag eine Sonderbehandlung in Form einer Beratung zukommen zu lassen und dass es ja mein Versäumnis gewesen sei, wenn ich nicht zum Existenzgründerseminar gekommen wäre. Zum einen wusste ich ja nicht, dass es ein solches Seminar gab, zum anderen war mein Anliegen erst jetzt aktuell.

Und ein anderer Punkt: Ich möchte ja nicht wirklich eine Existenz gründen, ich würde nur gerne ein paar meiner Sachen verkaufen ohne evtl. irgendetwas an dem Fiskus vorbeizuschleusen.

Aber wie dem auch sei, ich habe keine wirklichen Informationen bekommen können, welche Kosten auf mich zukommen würden. Laut Aussage des Mitarbeiters sei es dabei völlig unerheblich ob ich 1 Euro oder 1 Mio. Euro damit machen würde.

Völlig deprimiert setzte ich mich vor den PC und versuchte Infos zu bekommen, aber so wirklich wissen, was für Konsequenzen eine Gewerbeanmeldung für mich haben würde, weiß ich leider noch nicht.

Klar ist:

- Gewerbeanmeldung (20 Euro)

- Krankenkasse (bis 365 Euro alles im grünen Bereich)

- Finanzamt Buchführung: Einnahmen - Ausgaben bei Steuererklärung angeben

Unklar:

- welche Kosten für IHK

- Rentenverischerung

- Rechte / Pflichten als Gewerblicher (ich kann doch nicht einen Anwalt beauftragen, der mir AGBs etc. erstellt / prüft, dann müsste ich für die nächsten 3 Jahre für diese Rechnung basteln - mal abgesehen von den evtl. sonstigen rechtlichen Konsequenzen?)

Ich bin Student, mein Mann verdient Geld. Bei meinem 400 Euro Job vor einiger Zeit gab es mit niemandem Probleme, aber nun...

Ich bin ziemlich deprimiert. Warum wird es einem nur so schwer gemacht? Oder habe ich mich an falschen Stellen informiert? Oder bin ich zu vorsichtig und mache mir zu viele Gedanken?

Im Prinzip geht es mir ja nur darum, dass ich mich mit meinen Aktionen finanziell oder gar rechtlich nicht schädige, weil ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Denn das ist es nicht wert, da ich bestimmt damit kein Millionär werde und zum anderen es eigentlich mein Hobby ist und auch bleiben soll.

Ich hoffe, mir wird mein langer Beitrag nicht übel genommen.

Aber vielleicht kann mir jemand einen kleinen Denkanstoß oder einen kleinen Tipp geben. Würde mich wirklich sehr freuen.

Liebe Grüße

Sammi

Antwort von

Hallo Sammi, ....

.... danke für Deinen schönen Beitrag. Es hat mich wirklich gefreut zu lesen, wie sehr Du Dich bemüht hast, Dich mit so ziemlich allem auseinanderzusetzen. Ich finde, Du hast alles richtig gemacht, - dickes Kompliment. Da könnten sich viele der Möchte-gern-Gründer eine gewaltige Scheibe abschneiden.

Zunächst - deprimiert! Nein, das musst Du nicht sein. Du siehst doch. Du hast viele Kontakte geknüpft und vieles von verschiedenen Seiten her betrachtet. Alles was Du so geschrieben hast ist okay. Das was Du mit "klar" umschreibst ist perfekt analysiert.

Deine Erfahrungen mit der IHK stecke einfach einmal weg. Sie wollen auch ihre Seminare verkaufen und versuchen ein- bis zweimal im Jahr ein breit gefächertes Angebot zu platzieren. Mit ihren Startercentern stehen sie sehr wohl auch für Einzelgespräche zur Verfügung. Da hattest Du an diesem Tag nur mal Pech gehabt und einen Mitarbeiter mit einem schlechten Tag erwischt. Das kommt vor. Auf der anderen Seite hast Du Kontakt mit dem Finanzamt und dem Steuerberater aufgenommen. Alles das ist perfekt.

So habe ich es in vielen Passagen auch in dem Existenzgründungsratgeber "Fakten & Grundsätzliches" 2. Auflage - ISBN 978-3-938684-07-8 beschrieben bzw. deren Folgebänden. Kannst ja mal bei Gelegenheit unter www.uvis-verlag.de/uv5100.htm in den Inhaltsverzeichnissen nachschlagen.

Zu den unklaren Positionen:
Kosten IHK: Frage doch dort einfach noch einmal nach. Diese haben einen einkommensunabhänigen Mindestbeitrag, der regional unterschiedlich ist und für Existenzgründer sogar bis zu drei Jahre freigestellt werden kann. Erkundige Dich einfach einmal, - ich kenne eine Größenordnung von 150,-- Euro per anno.
Rentenversicherung: Da gehe am besten einmal hin und mache einen Termin auch für ein Beratungsgespräch. Bei dieser Gelegenheit kannst Du auch gleich bisherige Zeiten (Studium oder sonstiges) prüfen lassen, vielleicht sogar mit Deinem Mann. Wäre also auch kein Problem.

Rechte/Pflichten als Gewerblicher: Hilfe, nein ich will Dir ja nicht den Mut nehmen. Der Bürokratismus in Deutschland ist zwar frappierend und man muss sich schon fragen, wer überall noch von einem Geld haben will. Soweit Du Handel betreibst bis Du sogar verpflichtet nach der Verpackungsordnung Dich an Recyclingsystemen zu beteiligen, ohne Rücksicht darauf wieviel Verpackungen Du überhaupt im Jahr benötigst. Das soll Dich jetzt aber nicht verunsichern. Auch Dein Beispiel mit dem AGB-Regeln ist absolut richtig eingeschätzt. Aber irgendwo muss man schon die Kirche im Dorf lassen.

Ich denke einfach einmal Du probierst es mit Einzelstücken mal als Privatfrau, setzt etwas in eBay ... und verkaufst es als privat. Solltest Du mehr als fünf oder zehn Stücke an Mann oder Frau bringen und der Erlös über ein paar 100,-- Euro hinausreichen. Dann fängst Du einfach mal an Dein Gewerbe anzumelden. Solange darf das ruhig als Hobby angesehen werden.

Wird eine Dauerhaftigkeit und Erwerbsabsicht dann aber erkennbar (nicht bei Einzelstücken) dann fährt Du so fort, wie Du es bisher recherchiert hast. Mache Dich weiterhin kundig, beschaffe Dir Literatur, recherchiere im Internet, versuche in Foren Netzwerke aufzutun, Partner zu finden mit denen Du Dich zusammentun und auch über Gründerthemen sprechen kannst. Hier vielleicht noch ein weiterer Literaturtipp für diese Phase "Existenzgründung - Netzwerke & Partnerschaften" - ISBN 978-3-938684-04-7 - Inhaltsverzeichnis unter dem gleichen Link wie oben. Hier werden viele Anlaufstellen bundesweit genannt, die Existenzgründern unter die Arme greifen und viele sogar kostenfrei.

Ich denke, das ist ein Weg auf dem Du weiterhin unverkrampft in die Selbständigkeit kommen kanst, ob im kleinen oder vielleicht im größeren Stil. Wer weiß, vielleicht werden Deine Produkte doch ein künftiger Renner.

Alles erdenklich Gute

Jürgen Arnold BDU/CMC

- www.uvis.de -

Antwort von

Hallo Jürgen Arnold!

Vielen lieben Dank für Deine ausführliche Antwort und für Deine Tipps und natürlich für Deine Literaturangaben.

Dank Deiner Hilfe, weiß ich jetzt, wie und wo ich mich weiter schlau machen kann und wie die nächsten Schritte auszusehen haben.

Und ich habe wieder eine kleine Portion Mut dazugewonnen wink

Vielen, vielen lieben Dank

Sammi

Antwort von

na dann ist ja alles paletti, oder?

zurück
Sind Sie der geborene Unternehmer? Machen Sie jetzt den Test!