Frage von Weg am 12.07.09

Darf das Finanzamt vorschreiben, wie ich meine Tätigkeit ausüben soll?

Hallo,

hoffentlich kann mir jemand helfen bzw. mir raten, wie ich mich weiter verhalten soll:

Ich bin ganztags in einem „Brotberuf“ tätig, aus dem ich bisher meinen Lebensunterhalt bestritten habe. Da mich dieser Beruf nicht ausfüllt, habe ich 2006 Gewerbe angemeldet, und zwar einen Lektoratservice (Lektorate und Seminare etc.) und einen Schmuckhandel (auch mit Edelmetallen).

Ich habe für beide Tätigkeiten eine Website online gestellt und Werbung gemacht.

2006 bis 2008 ließen sich zwar mit dem Lektorat Einkünfte erzielen, doch es gelang mir nicht, Schmuck zu verkaufen. Ich habe beiden Jahren Verlust ausweisen müssen (als Kleinunternehmerin), der auch vom Finanzamt bei derSteuererklärung anerkannt wurde.

Als sich in 2008 keine Änderung abzeichnete (ich möchte irgendwann einmal meinen Brotberuf nur noch halbtags ausüben, um meinen Lebensunterhalt aus dem Gewerbe zu bestreiten), habe ich einige Änderungen vorgenommen:

Ich habe u.a. die Websites von einem Webdesigner überarbeiten lassen und für den Schmuckshop, bei dem man bisher umständlich via E-Mail oder Fax bestellen musste, einen richtigen Online-Shop einrichten lassen, so dass man nun bequem per Mouseklick bestellen kann. Ich habe außerdem Flyer gedruckt und verteilt – und noch einiges mehr.

Dadurch entstanden in 2008 natürlich noch wesentlich höhere Kosten, die in diesem Jahr wieder zu einem Verlust (höher als in den letzten beiden Jahren) führten.

Den Erfolg meiner Änderungen sehe ich nun erst in 2009 – ich werde wohl (wenn es weiterhin so gut läuft) Gewinn ausweisen!

Leider schrieb mir das Finanzamt bei der Einreichung der Steuererklärung für 2008, dass sie genaue Angaben haben wollen, was ich alles zur Gewinnerzielung tue. Das beantwortete ich ihnen ausführlich.

Ich sollte ferner die Bewirtungskosten-Nachweise einreichen. Auch das tat ich.

Nun schrieb mir das Finanzamt in seinem Steuerbescheid, dass nach Aktenlage nicht ersichtlich sei, dass sich in den nächsten Jahren ein Totalgewinn erzielen ließe (Aufwendungen sehr hoch, nur geringe Einnahmen). Die Fortführung ließe private Gründe vermuten, weil die Tätigkeit von völlig unwirtschaftlichen Verhalten geprägt sei. Insbesondere wurden meine Fahrtkosten (18 Fahrten im Jahr) und die Bewirtungen (33 im Jahr) genannt.

Diese Fahrten/Bewirtungen sind aber zur Kundenwerbung und zum Kundenerhalt für das Lektorat sehr wichtig. Die Autoren wollen mich oft vorher kennenlernen, bevor sie mir ihren Roman anvertrauen. Häufig gibt es nach dem Lektorat oder nach einem Seminar etc. noch Fragen, die im persönlichen Gespräch leichter zu klären sind als online oder am Telefon, weil dabei beide den Text vor sich haben müssen.

Ich habe auch nur Fahrten, die max. 1,5 Stunden von meinem Wohnort entfernt liegen (alles in der Stadt mache ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, für die ich keine Kosten angesetzt habe, da ich eine Monatsmarke habe). Alle Kunden, die weiter entfernt sind, vertröste ich schon immer auf Telefon und E-Mail.

Meine Frage ist, ob das Finanzamt mir auf diese Weise vorschreiben darf, wie ich meine Tätigkeit ausübe bzw. meine Kunden werbe und betreue.

Wie soll ich auf den Bescheid reagieren (die Widerspruchsfrist ist noch nicht abgelaufen)?

Kann es helfen, wenn ich darauf hinweise, dass ich 2009 voraussichtlich Gewinn mache?

Wenn ich weiterhin als „ Liebhaberei“ eingestuft bleibe, muss ich dann meine Einnahmen/Ausgaben nicht mehr melden?

Oder sucht sich das Finanzamt ganz geschickt nur die Jahre raus, in denen ich Gewinn mache und kassiert dann ab, während es in den anderen Jahren auf „ Liebhaberei“ entscheidet?

Ich würde mich über eine hilfreiche Antwort sehr freuen!

Viele Grüße,

Calla

Antwort von

Hi Calla,

schwieriger Fall. ob es sinnvoll ist und richtig, direkt auf Liebhaberei zu schließen, halte ich für fragwürdig. Es wurde ja bereits festgestellt, dass ein total Gewinn erwirtschaftet werden muss. Außerdem hat der BFH dazu entsprechend geurteilt, was sicher auch in die Waagschale geworfen werden muss.

www.gruenderlexikon.de/blog/2008/04/03/liebhaberei-erst-nach-funf-jahren/

Allerdings bin ich kein Steuerberater und daher nicht berechtigt, eine solche Beratung oder einen Rat diesbezüglich hier zu erteilen. Das würde ich ganz gern Steuerberater Kexel überlassen. Wenn er dazu nichts schreibt, wird dir wohl nichts anderes übrig bleiben, als den geschilderten Fall von einen Steuerberater in deiner Nähe prüfen zu lassen.

Meine Frage ist, ob das Finanzamt mir auf diese Weise vorschreiben darf, wie ich meine Tätigkeit ausübe bzw. meine Kunden werbe und betreue.



Sicher hat das Finanzamt schon einige Möglichkeiten, welche auch immer ausgeschöpft werden, so dass du ohne Steuerberater relativ schlechte Karten hast, dich gegen entsprechender Urteile oder Richtlinien zu wehren.

Wie soll ich auf den Bescheid reagieren (die Widerspruchsfrist ist noch nicht abgelaufen)?



wenn du alleine in diesem Fall weiter kämpfen möchtest, musst du in der gesetzlichen Frist reagieren. Die Möglichkeiten dazu sind verschieden. Wir haben in einer kleinen Folge einmal geschildert, was meinen dem Finanzamt gegenüber machen kann. Auch hier nochmals mein Rat, mache es nicht selbst, nutzte die Erfahrungen eines Steuerberaters. Das kostet zwar erstmal Geld, du bist jedoch auf der sicheren Seite und brauchst selbst nicht im Gesetzesdschungel nachschlagen.

So können Sie Ihre Steuerbescheide ändern

Antwort von

Hallo Torsten,

vielen Dank für Deine Antwort.

Kannst Du mir sagen, wie viel es kosten würde, einen Steuerberater zu Rate zu ziehen? Gibt es da feste Sätze?

Und kennst Du vielleicht einen guten Steuerberater im Raum München?

Viele Grüße,

Calla

Antwort von

Hi,

einfach unten rechts auf den Taschenrechner klicken, da kommt man direkt zu einem Gebührenrechner für Steuerberater. Die Firma berät auch online.

www.gruenderlexikon.de/steuerberatung.php

Antwort von

Hallo,

Sie hätten sich sehr viel Geld sparen können, wenn Sie sich vor Eröffnung Ihres Gewerbes steuerlichen Rat beim Fachmann eingeholt hätten, der hätte Sie dann auch laufend beraten und betreuen können. Dessen Kosten wären darüber hinaus auch steuerlich abzugsfähig gewesen. Im Nachhinein ist alles leider viel teurer - Guter Rat schont das Vermögen.

zurück
Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!