Frage von Sascha am 09.06.14

Als Strassenkünstler (Ballonkreationen) Reisegewerbekarte?

Hallo zusammen:

Ich hab eine Stunde beim Ordnungsamt gesessen: Zusammengefasst: 2 Personen vom Ordnungsamt mit 3 Meinungen die großteil abwichen, daher stell ich nun hier auch noch mal die Frage, in der Hoffnung eine etwas konkretere antwort zu erhalten.

 

Braucht man als  Künstler ( Ballonkreationen ) eine Reisegewerbekarte?

Konkretes Beispiel:

Stadtteilfest ( keine festgesetzte Veranstaltung ) auf einem Sonntag.

Ein ansässiger Laden bucht mich um für Kinder Ballontiere / Schwerter usw. zu machen.

Brauch ich dafür eine Reisegewerbekarte?

Gruß

Sascha

 

Antwort von

 

Diese Frage lässt sich in der Tat nicht so einfach und ohne weiteres mit ja oder nein beantworten, denn in der Frage sind gegensätzliche Argumente enthalten. Ich versuche das mal kurz zu erläutern:

 

 

 

Das Wort "Künstler" steht laut § 18 des Einkommensteuergesetzes für eine Berufsgruppe, die zu den Freiberuflern zählen. Damit sind alle Tätigkeiten, die der Künstler nachgeht, freiberufliche Einkünfte. Der Gewinn wird genauso ermittelt wie beim Gewerbetreibenden, der Freiberufler unterliegt jedoch nicht der Gewerbesteuer und der Gewerbeordnung. Demzufolge ist auch eine Reisegewerbekarte eigentlich nicht notwendig.

 

 

 

Die Reisegewerbekarte deutet auf ein Gewerbe hin, so dass die Anmeldung beim Gewerbeamt durchzuführen wäre. Und genau hier beißt sich das Wort Künstler mit Reisegewerbekarte. Der Künstler braucht kein Gewerbe anmelden die Reisegewerbekarte jedoch erfordert es.

 

 

 

Zu prüfen ist zunächst, ob Sie mit der beschriebenen Tätigkeit wirklich als Künstler auftreten können. Genau das macht das Finanzamt, daher kann ich Ihnen an dieser Stelle nur empfehlen, die Frage nicht dem Gewerbeamt zu stellen (die haben dahingehend ohnehin selten eine Ahnung) sondern Ihrem zuständigen Wohnsitz Finanzamt. Dort wird man sich sicherlich zunächst sträuben und darauf hinweisen, dass man nicht beratend tätig sein darf, wohl ist aber eine Auskunft zu erteilen, welche auch vom Finanzamt kostenpflichtig sein kann. Sie können sich also an dieser Stelle aussuchen, ob sie einen Steuerberater beauftragen oder das Finanzamt selbst befragen. Es wird im Endeffekt sicher ein paar Euro kosten, das sollte es ihnen aber im Vorfeld wert sein.

 

 

 

 

 

Mein Bauchgefühl sagt: es handelt sich hier nicht um eine künstlerische Tätigkeit, das ist aber nur mein Bauchgefühl, letztlich zählt die Entscheidung von Gerichten, welche bereits geurteilt haben oder das Gesetz.

 

 

 

 

 

Bedenken Sie bitte: Sie müssen die künstlerische Tätigkeit auch immer ausüben, nicht nur einmal kurzfristig, sondern das sollte der Schwerpunkt der künstlerischen und somit der freiberuflichen Arbeit sein. Wenn Sie nebenbei zum Beispiel noch kleine Stofftierchen verkaufen, ist das keine freiberufliche Tätigkeit mehr, sondern eine gewerbliche und sie hätten somit eine Mischtätigkeit, was nicht unbedingt förderlich für diesen Fall sein wird.

 

 

 

 

 

Dringende Bitte an Sie: gehen Sie zu einem Steuerberater und lassen Sie sich grundlegend beraten. Parallel dazu können Sie hier das Finanzamt konsultieren, um eine Auskunft zu erhalten.

 

 

 

 

 

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie das Ergebnis zu diesem Fall hier veröffentlichen können.

Hier noch einen Lesetipp zum Thema Freiberufler und Gewerbetreibende.

 

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