Am von Torsten in Urteile geschrieben
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Kleinunternehmerregelung

Vorbereitungshandlungen begründen Beginn der Kleinunternehmertätigkeit

Unternehmer die im Gründungsjahr zwar keine Umsätze haben, aber dennoch die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen wollen, können dies durch Vorbereitungshandlungen tun. Das sollte jedoch gut dokumentiert werden. Der Vorteil: Im darauffolgenden Jahr, indem die unternehmerische Tätigkeit so richtig startet, steht die Umsatzgrenze von 50.000 Euro zur Verfügung.

unternehmerische Vorbereitungen für die Existengründung
Vorbereitungen für die Gründung gelten als unternehmerische Tätigkeit. Auch hier kann schon die Kleinunternehmerregelung genutzt werden.
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Gotha, 17. August 2017 - Die Regelungen zur Inanspruchnahme des Kleinunternehmer-Status sind auf den ersten Blick recht einfach: Im vorangegangen Kalenderjahr darf der Umsatz des Unternehmers die Grenze von 17.500 Euro nicht übersteigen und im aktuellen Jahr voraussichtlich nicht über 50.000 Euro liegen. Trifft dies auf den Unternehmer zu, so kann der Kleinunternehmer seine Rechnungen ohne Umsatzsteuer ausweisen. Unternehmer im Gründungsjahr unterliegen einer anteiligen Umsatzgrenze von 17.500 Euro. Gründet beispielsweise ein Unternehmer sein Gewerbe oder freiberufliche Tätigkeit zum 01. Juli eines Jahres, so darf der Umsatz in diesem Jahr nicht über 8.750 Euro liegen (Hälfte von 17.500 Euro).

Die Folge ist, dass Gründer in diesem Fall benachteiligt sind, da für sie lediglich die Grenze von maximal 17.500 Euro im Gründungsjahr gilt. Für Unternehmer, die bereits eine Zeit am Markt sind, gilt die Grenze von 50.000 Euro im laufenden Jahr.

An dieser Stelle könnte die Frage entstehen, ab wann ein Existenzgründer als Kleinunternehmer gilt?!

Sind Vorbereitungshandlungen der Beginn der unternehmerischen Tätigkeit?

Erzielt ein Existenzgründer im Jahr der Gründung Einkünfte aus seiner unternehmerischen Tätigkeit (egal welche Höhe), ist die Sachlage klar, dass die unternehmerische Tätigkeit bereits begonnen hat. Wie sieht es aber aus, wenn er lediglich Vorbereitungen für sein Unternehmertum trifft?

In einem konkreten Fall musste das Finanzgericht Thüringen diese Sachlage beurteilen. A war 2015 Angestellter einer Privatklinik. Bereits in 2015 führte er mit seinem Arbeitgeber mehrere Besprechungen durch. A sollte ab 2016 Schulungen auf freiberuflicher Basis durchführen. Sie diskutierten in 2015 über verschiedene Details, u.a. auch die Ausgestaltung des Beratervertrags. Der Beratervertrag selbst datiert vom 04. Januar 2016. Rund 2 Wochen später fanden die ersten Schulungen statt. A erhielt in 2016 ein Honorar von 36.000 Euro. Umsatzsteuer wies er nicht aus.

Das zuständige Finanzamt verlangte daraufhin eine Nachversteuerung des Honorars mit 19% Umsatzsteuer. Die Behörde war der Meinung, dass die Kleinunternehmerregelung auf ihn nicht anwendbar sei, da er sein Unternehmen erst in 2016 gegründet habe und mit 36.000 Euro deutlich die 17.500 Euro-Grenze überschritt.

FG Thüringen gibt Gründer recht

Das Finanzgericht Thüringen stellte sich erfreulicherweise auf die Seite des Existenzgründers, indem es Vorbereitungshandlungen als unternehmerische Tätigkeit anerkannte. A konnte durch unterschriebene Gesprächsnotizen nachweisen, dass die unternehmerische Tätigkeit durch Vorbereitungshandlungen bereits in 2015 begann. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass A von der Kleinunternehmerregelung profitieren kann, da er weder im Gründungsjahr 2015 (keine Umsätze) noch im darauffolgenden Jahr 2016 (36.000 Euro Umsatz) die maßgeblichen Umsatzgrenzen überschritt. (FG Thüringen, Urteil vom 11. Januar 2017, 3 K 758/15)

Tipp: Vorbereitungen für die unternehmerische Tätigkeit gut dokumentieren und im nachfolgenden Jahr von der erhöhten Umsatzgrenze profitieren. Sollte es ähnlich laufen wie in diesem Fall bei A, so muss jedoch ab dem wiederum nächsten Jahr (bei A wäre das 2017) die Umsatzsteuer in voller Höhe abgeführt werden, auch wenn der Umsatz unter 17.500 Euro liegt.

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