Am von Ruben in Urteile geschrieben
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Nur bei drohendem Zusammenbruch

Unternehmer darf einmal genehmigten Urlaub nur in Extremsituation widerrufen

Ein Unternehmer, der einem Angestellten einmal Urlaub genehmigt hat, darf diesen nicht ohne Weiteres widerrufen. Der Arbeitnehmer darf den Urlaub antreten, ohne eine fristlose Kündigung befürchten zu müssen. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, in denen der Unternehmer einen genehmigten Urlaub widerrufen darf, so das Arbeitsgericht Frankfurt am Main.

Urlaub widerrufen
Als Unternehmer den wohlverdienten Urlaub des Angestellten widerrufen? Nur im Extremfall möglich.
© 12019 / pixabay.com

Frankfurt am Main, 13. Juli 2018 - In einer konkreten Situation hatte ein Unternehmer seinem Angestellten den Urlaub genehmigt. Später widerrief er diesen jedoch. Der Arbeitnehmer wiederum trat den Urlaub trotzdem an, da ihm bereits Kosten in Verbindung mit dem Urlaub entstanden sind. Daraufhin sprach der Unternehmer eine fristlose Kündigung aus. Der Angestellte wehrte sich durch eine Kündigungsschutzklage.

Der Unternehmer begründete den Widerruf damit, dass die Vertretung für den Urlaub nun anderweitig verplant wäre. Somit hätte er während des Urlaubs niemanden für diese Stelle.

Arbeitsgericht: Widerruf des Urlaubs nur in Extremsituation möglich

Die Richter des Arbeitsgericht Frankfurt am Main urteilten jedoch zugunsten des Arbeitnehmers. Ein einmal gewährter Urlaub kann nicht ohne Weiteres widerrufen werden, wie auch das Online Portal advopedia klar stellt.

Das Gericht erklärte die fristlose Kündigung für unwirksam. Dem Arbeitnehmer sei keinesfalls eigenmächtiger Urlaubsantritt vorzuwerfen. Ein gewährter Urlaub darf grundsätzlich nicht widerrufen werden.

Gründe für einseitigem Widerruf

Im Urteil 22 Ca 4283/05 nannten die Richter Gründe, wann ein Unternehmer den Urlaub einseitig widerrufen darf. Nämlich nur dann, wenn die Existenzgrundlage des Geschäfts auf dem Spiel steht. Mit anderen Worten: Würde durch den Urlaub der Zusammenbruch des Unternehmens drohen, dann darf der Urlaub einseitig vom Unternehmer widerrufen werden. Auf diese Ausnahme macht auch das Online Portal haufe.de aufmerksam. Im vorliegenden Fall war es jedoch ein organisatorisches Problem des Unternehmers, dass er keinen Ersatz als Urlaubsvertretung hatte.

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