Am von Torsten in Buchführung und Steuererklärung geschrieben und am 18.11.2019 um 14:37 aktualisiert
Abgrenzung

Geschäftsreise oder Privaturlaub, wann liegen Betriebsausgaben vor?

Bis vor einigen Jahren konnten die Kosten für eine Reise, die sowohl betrieblich als auch privat veranlasst war, überhaupt nicht als Betriebsausgaben angesetzt werden. Doch die Rechtsprechung des BFH änderte sich. Der Teil, der betrieblich veranlasst ist, darf angesetzt werden. Allerdings muss der Anteil der Reise zu mindestens 10 Prozent betrieblich veranlasst sein.

Palme am Strand
Kosten für den Urlaub als Betriebsausgaben ansetzen? So geht's!
© PublicDomainPictures / pixabay.com

Berlin, 31. Mai 2017 - Zwar können viele Termine per Telefon oder Internet geklärt werden, doch hin und wieder sind Geschäftsreisen für Unternehmer unumgänglich. Einige Selbstständige müssen auch Seminare oder Messen besuchen. Die Kosten dafür, dürfen sie zum großen Teil als Betriebsausgaben ansetzen (Was sind Betriebsausgaben?). Dabei gelten allerdings gewisse Grenzen.

Die Kosten für Flug, Übernachtung, Seminargebühren usw. dürfen in voller Höhe angesetzt werden. Für Essen und Trinken gelten geringe Verpflegungspauschalen, denn schließlich müsste der Unternehmer dafür auch bezahlen, wenn er z Hause wäre. Diese sind unter anderem abhängig vom Reiseland. In Deutschland dürfen Selbstständige pro kompletten Tag 24 Euro ansetzen. Am An- und Abreisetag sind es 12 Euro (gilt auch bei 1-tägigen Seminaren von mehr als 8 Stunden Abwesenheit).

Privaturlaub und Geschäftsreise zusammen

Immer mehr Unternehmer vermischen jedoch Geschäfts- und Privatreisen. Warum auch nicht? Wer ein Seminar am Gardasee besucht, könnte so kostengünstig ein paar Tage Urlaub anhängen. Früher ging die Rechtsprechung dahingehend, dass die Kosten dafür nicht als Betriebsausgaben geltend gemacht werden durften. Doch die Gerichte haben ihre Rechtsprechung in den vergangenen Jahren geändert.

BFH beschließt anteilige Aufteilung der Kosten

Mit Beschluss vom 21. September 2009 änderte der BFH seine Rechtsprechung dahingehend, dass die Kosten bei “gemischten” Reisen anteilig zu berücksichtigen seien. Das ist natürlich nur dann möglich, wenn es objektive Kriterien zur Abgrenzung gibt (BFH, Beschluss vom 21.September 2009, Az.: GrS 1/06).

Das Online Portal www.anwalt.de zeigt in einem Artikel einige Beispiele auf.

Ein Selbstständiger nimmt von Mittwoch bis Freitag an einem 3-tägigen Fachseminar teil. Weil er einmal dort ist, verlängert er den Aufenthalt um 2 weitere private Urlaubstage. Alle Aufwendungen, die direkt und nur in Verbindung mit dem Fachseminar standen, dürfen in voller Höhe angesetzt werden. Dazu würden zum Beispiel Seminargebühren und Übernachtungskosten gehören. Die Fahrtkosten dürfen anteilig als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. In dem Falle 3/5. 3 Tage waren betrieblich veranlasst und 2 Tage privat.

Aufwendungen müssen objektiv abgegrenzt werden

Der BFH entschied auch in einem anderen Fall darüber, dass die Kosten anteilig anzurechnen seien. Ein Arzt hatte am Gardasee ein Seminar besucht. Allerdings fanden nur am Morgen und späten Nachmittag Kurse statt. Tagsüber konnte er die Anlage für private Zwecke nutzen. Die Richter entschieden, dass in diesem Fall die Kosten zur Hälfte anzusetzen seine. Die eine Hälfte war betrieblich veranlasst. Die andere Hälfte ist dem Privatleben zuzuordnen (BFH, Urteil vom 21. April 2010, Az.: VI R 5/07).

Tipp: Nachweise gut aufheben

In jedem Fall sollten alle Nachweise gut aufgehoben werden. Und zwar, um sowohl gegenüber dem Finanzamt als auch einer eventuellen Steuerprüfung die betriebliche Veranlassung nachweisen zu können. Als relevante Unterlagen zählen Teilnahmebescheinigungen, Quittungen, Veranstaltungspläne usw.

Generell sollten Nachweise immer aufbewahrt werden, wenn es um Betriebsausgaben geht. Das gilt grundsätzlich auch beim Tankbeleg für Fahrten mit dem betrieblichen Fahrzeug. Glücklicherweise gibt es aber Möglichkeiten diese Betriebsausgaben trotz verlorener Tankbelege geltend zu machen.

Wer trägt Versandkosten beim Umtausch

94% aller Online-Händler übernehmen Versandkosten beim Umtausch

Wer online kauft und die bestellte Ware umtauschen möchte, hat dabei wesentlich mehr Rechte als ein Verbraucher, der direkt im Laden etwas kauft. Für Online-Händler spielt der After-Sales-Prozess, zum Beispiel in Form von Umtausch und Rückabwicklungen, eine wesentliche Rolle bei ihrer Unternehmensplanung. Eine Studie zeigt, was Online-Unternehmer ihren Kunden über das gesetzliche Widerrufsrecht hinaus gewähren.

Hand liegt auf 5 Sternebewertungen

Das heiße Geschäft mit gekauften Google oder Amazon Bewertungen

Authentische Bewertungen von Nutzern bzw. Kunden bilden mittlerweile die Grundlage für den Kaufprozess. Wer bei Amazon zu einem Produkt überwiegend negatives Feedback findet, wird sich vermutlich nicht für das Angebot entscheiden. Genau das Gleiche gilt auch in die andere Richtung. Viele positive Bewertungen führen eher zum Kauf. Unsere Redaktion ist diese Woche auf Portale gestoßen, welche solche Google-Bewertungen gegen kleines Entgelt anbieten.

Schüler steht vor Tafel, Comic

Kurse und Coaching zur Persönlichkeitsbildung sind selten Betriebsausgaben

So manch ein Unternehmer besucht diverse Kurse oder Coaching Programme mit persönlichkeitsbildendem Charakter. Die Aufwendungen dafür sollten wenn möglich natürlich als Betriebsausgaben angesetzt werden. Doch das ist nur in den wenigsten Fällen möglich, wie das Finanzgericht Hamburg kürzlich entschied.

Kredite für Selbstständige in der Coronakrise

Günstigerprüfung: Onlinekredit oder KfW Kredit für Selbstständige in der Coronakrise

Die Coronakrise wird für so manchen Unternehmer auch nach der Lockerung des Shutdowns noch lange anhalten. Zwar gibt es Soforthilfen, jedoch sind diese nicht für jedes Unternehmen ausreichend und geeignet. Erst recht nicht, wenn die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind. Viele Selbstständige werden daher nicht umhinkommen, ein Darlehen aufzunehmen. Das Gründerlexikon hat daher in diesem Artikel den KfW-Schnellkredit dem konventionellen Online-Kredit gegenübergestellt.

Geburtstagskuchen

Aufwendungen für Geburtstagsfeier können Betriebsausgabe sein

Unternehmer, die ihren eigenen Geburtstag oder denen ihrer Angestellten feiern, können die Kosten dafür zumindest unter bestimmten Voraussetzungen als Betriebsausgaben geltend machen. Dazu hat der Bundesfinanzhof in München mehrere Merkmale beschrieben, wie die Zeitschrift Der Steuerzahler in seiner Ausgabe von März 2017 auf Seite 38 beschreibt.

Entwicklung der Kinderfreibeträge über die Jahre in Deutschland

So haben sich die Steuerfreibeträge im Zeitraum von 1999 bis 2010 entwickelt

Als Unternehmer und Steuerpflichtiger macht man sich im Laufe der Zeit doch die ein oder anderen Gedanken über die Gerechtigkeit von Steuerfreibeträgen bzw. deren Entwicklung.