Zu hohe Werte bei der 1%-Methode in Bezug auf die Umsatzsteuer

Der Bundesfinanzhof traf kürzlich eine Entscheidung bezüglich der Berechnung der Umsatzsteuer bei der Anwendung der 1%-Methode. Die Richter stellten dabei fest, dass die Finanzämter leider nur allzu oft zu Ungunsten der Steuerpflichtigen eine höhere Bemessungsgrundlage ansetzen.

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Ungerechte Behandlung bei Betriebsprüfung

Ein Freiberufler hatte geklagt, weil er sich durch das Ergebnis einerBetriebsprüfung benachteiligt fühlte. Er nutzte seinen Firmenwagen auch privat. Das Fahrtenbuch, das er geführt hatte, wude von dem Prüfer nicht anerkannt, weshalb er die 1%-Methode für die Bewertung der Privatnutzung ansetzte. Dementsprechend wurden dem Kläger 7.976 Euro als Privatanteil angelastet, der einkommensteuerpflichtig war. Für die umsatzsteuerliche Betrachtung legte der Finanzbeamte die 80/20-Regel an. Dies bedeutet, dass 80 Prozent des Privatanteils als Grundlage für die Berechnung der Umsatzsteuerhöhe genutzt wurden. Insgesamt waren dies weitere 1.212 Euro, die als fiktive Betriebseinnahme berücksichtigt wurden.

Der Freiberufler sah dies jedoch anders. Er hatte Aufzeichnungen für die Umsatzsteuer geführt, aus denen hervorging, dass die Privatnutzung lediglich einen Anteil von 12,5 Prozent ausmachte. Er errechnete hieraus eine Umsatzsteuer von 305 Euro, welche seiner Meinung nach als Betriebseinnahme versteuert werden hätte sollen. Immerhin ging es dabei um zu viel berechnete Steuern in Höhe von 907 Euro für drei Jahre.

Kläger erhielt Recht

Der BFH sah den Sachverhalt so wie der Kläger und gab ihm daher recht (Az. VIII R 54/07, 7.12.2010). Begründung hierfür war, dass für die umsatzsteuerliche Betrachtung der Privatnutzung eines Fahrzeugs kein Fahrtenbuch erforderlich ist. Es reichen formlose Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, in welchem Umfang die private Nutzung stattgefunden hat.

Wann die Berechnung anhand der tatsächlichen Kosten lohnenswert ist

Die Berechnung der Umsatzsteuer auf der Basis der tatsächlichen Kosten macht beispielsweise dann besonders viel Sinn, wenn das Fahrzeug bereits abgeschrieben wurde und nur noch geringe laufende Kosten anfallen. Wenn das Fahrzeug aus dem Privatvermögen stammt lohnt sich diese Berechnungsweise ebenso. Außerdem wird sie angewendet, wenn der Privatanteil die gleiche Höhe wie die kompletten Fahrzeugkosten hat.



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