Zeitsteuerung der Produktion durch Energieverfügbarkeit – Ist das die Zukunft?

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Es ist helllichter Tag und Ihre Maschinen stehen. Mitten in der Nacht, wenn bereits alle Mitarbeiter nach Hause gegangen sind, beginnen sie plötzlich, ihre Arbeit zu erledigen. Der Grund dafür: Sie beziehen Strom immer dann in größeren Mengen, wenn er am günstigsten ist – nämlich wenn besonders viel Strom in das Netz eingespeist wird, der die Nachfrage übersteigt. Dies kann unter Umständen während der Nacht der Fall sein, denn beispielsweise Windkrafträder produzieren rund um die Uhr – aber eben immer nur, wenn es auch gerade Wind gibt. Es handelt sich hierbei um ein noch recht innovatives Energiemodell, das jedoch in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen soll.

Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Zeitabhängige Steuerung der Maschinen

Moderne IT-Steuerungen sollen ermöglichen, was hier gerade skizziert wurde: Strombedarf, der unabhängig von einer bestimmten Uhrzeit anfällt, soll in die Zeiten verlegt werden, in denen der Strompreis am niedrigsten ist und so jede Menge Energiekosten sparen. Dies ist natürlich nicht möglich, wenn in Schichten gearbeitet wird und die Maschinen niemals stehen dürfen. Interessant ist dieses Modell aber unter Umständen für Stromladeprozesse (man denke nur an elektrisch betriebene Fahrzeuge), Kühlvorgänge und ähnliches. Sollen Elektrofahrzeuge geladen werden, spielt es keine Rolle, ob dies gegen 19.00 Uhr, 24.00 Uhr oder erst 3.00 Uhr erfolgt – Hauptsache, sie stehen morgens „vollgetankt“ zur Nutzung bereit. So kann einfach abgewartet werden, wann der Strom am günstigsten ist.

Experten gehen davon aus, dass sich solche Energiemodelle zukünftig immer mehr durchsetzen könnten. Der Hintergrund ist relativ einfach: Die erneuerbaren Energien sind stark auf dem Vormarsch. Doch sind die meisten davon nicht rund um die Uhr verfügbar, sondern nur unter bestimmten Bedingungen (z. B. Sonnenkraft nur tagsüber, Windkraft nur wenn Wind herrscht). Dies bedeutet, dass in das Energienetz nicht gleichbleibend, sondern mit unterschiedlicher Intensität eingespeist wird. Die Folge sind schwankende Preise, da sich auch hier die Preise nach dem Prinzip „Angebot und Nachfrage“ bilden. Dieses Preisrisiko tragen bei Einheitspreisen die Energieversorgen. Und dieses Risiko werden sie über kurz oder lang an die Verbraucher abwälzen wollen.

Zukunftsaussichten

Diese Modelle sind nicht für alle Branchen gleich interessant. Besonders für Betriebe, in denen sehr viel Energie verbraucht wird, ergibt sich daraus ein riesiges Einsparpotenzial im Bereich der Energieversorgung. Problematisch ist nur, dass die meisten Unternehmer solche Innovationen scheuen, da die Investitionskosten zunächst sehr hoch und der Ausgang gewissermaßen ungewiss ist. Experten gehen davon aus, dass sich einige größere Unternehmen finden könnten, die ein solches Modell austesten und dann langfristig vielleicht auch mittelständische Betriebe nachziehen könnten.



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