Wie viel GmbH-Geschäftsführer verdienen dürfen

In Deutschland gilt nach wie vor die Vertragsfreiheit GmbHs dem Fiskus angetan. Wie viel Gehalt ist denn für einen GmbH-Geschäftsführer angemessen? Und wer vermag zu entscheiden, wie hoch die Abzüge fürhohe Managergehälter ausfallen sollen? Die SPD hat ein Modell dafür aufgestellt und will es sowohl den GmbHs selbst als auch den Geschäftsführern so richtig vermiesen.

Bild: geralt / pixabay.com

Die Idee der SPD

Die SPD ist wohl offensichtlich der Meinung, dass Deutschlands – und doch haben es die Geschäftsführer der GmbH-Geschäftsführer zu gut verdienen, denn sie möchte so eine Art Obergrenze einführen (auch wenn diese keine Pflicht ist). Das entstandene Modell sieht vor, eine Höchstgrenze von einer Million Euro einzuführen. Wenn ein Geschäftsführergehalt eine Million Euro übersteigt, muss der Geschäftsführer selbst diesen Teil natürlich ohnehin mit dem Spitzensteuersatz versteuern. Gleichzeitig wird dann auch die GmbH erneut in die Pflicht genommen und muss den darüber hinaus gehenden Anteil als Gewinn versteuern

Ziel dieses Modells ist es, hohe Geschäftsführergehälter sowohl für die Geschäftsführer als auch für die GmbH möglichst unattraktiv erscheinen zu lassen.

Kritik

Kritik an diesem Modell muss zumindest dahingehend geübt werden, als die Vertragsfreiheit dadurch empfindlich eingeschränkt wird. Immerhin wird den beteiligten Parteien die Entscheidung, ein niedrigeres Gehalt zu vereinbaren sehr leicht gemacht, selbst wenn sie eigentlich ein höheres Gehalt angestrebt hatten. 

Gleichzeitig werden bereits Stimmen laut, die das Modell als wirkungslos bezeichnen. In den USA wurde bereits vor Jahren eine Einkommensgrenze von einer Million Dollar eingeführt. Dies war aber wohl in sehr vielen Fällen wirkungslos oder hat sogar zum Gegenteil des gewünschten Ziels geführt.

Was ist eigentlich Vertragsfreiheit?

Die Vertragsfreiheit ist die Möglichkeit zweier Vertragsparteien, Verträge so frei zu gestalten, wie es bei den gegebenen Umständen erforderlich und gewünscht ist. Sie resultiert aus dem Grundsatz der Privatautonomie, die durch die allgemeine Handlungsfreiheit geschaffen wird, die im Grundgesetz verankert ist. Die Einschränkung der Vertragsfreiheit erfolgt lediglich aus der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Hierbei kann es sich beispielsweise um gesetzlicheVerbote oder den Verstoß gegen gute Sitten handeln. Sehr häufig findet man die Vertragsfreiheit im Schuldrecht und im Arbeitsrecht. Die Vertragsfreiheit besteht letztlich aus vier Grundpfeilern. Mit der Abschlussfreiheit entscheidet jeder grundsätzlich selbst, ob und mit wem ein Vertrag geschlossen werden soll. Die Inhaltsfreiheit lässt den Vertragsparteien einen – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften – völlig freien Gestaltungsspielraum. Selbst im Gesetz nicht genauer definierte Vertragstypen sind – mit Ausnahmen – möglich. Die Formfreiheit besagt, dass ein Vertrag völlig formlos zustande kommen kann. Ausnahmen sind hier nur bestimmte Rechtsgeschäfte, bei denen zum Beispiel eine Beurkundung erfolgen muss, wie beispielsweise ein Immobiliengeschäft. Schlussendlich sorgt die Aufhebungsfreiheit dafür, dass geschlossene Verträge auch wieder aufgelöst werden können.

Bereits eingeführte Einkommensgrenze: Karlsruher Tabellen

Tatsächlich existiert bereits so eine Art Einkommensgrenze. Die Oberfinanzdirektion Karlsruhe hat die so genannten „Karlsruher Tabellen“ herausgegeben, aus denen abgelesen werden kann, wann das Gehalt eines GmbH-Geschäftsführers angemessen ist – und wann eben nicht:

Branche bis 2,5 Mio. € Umsatz bis 20 Mitarbeiter 2,5 – 5 Mio. € Umsatz 20 – 50 Mitarbeiter 5 – 25 Mio. € Umsatz 51 – 100 Mitarbeiter 25 – 50 Mio. € Umsatz 101 – 500 Mitarbeiter
Industrie 140.000 – 180.000 180.000 – 230.000 230.000 – 260.000 280.000 – 440.000
Großhandel 160.000 – 200.000 170.000 – 240.000 200.000 – 260.000 260.000 – 450.000
Einzelhandel 120.000 – 150.000 130.000 – 180.000 180.000 – 210.000 210.000 – 440.000
Freie Berufe 160.000 – 230.000 230.000 – 270.000 270.000 – 320.000 280.000 – 480.000
Sonstige Dienstleistung 140.000 – 180.000 190.000 – 230.000 210.000 – 270.000 240.000 – 460.000
Handwerk 100.000 – 150.000 140.000 – 190.000 180.000 – 240.000 200.000 – 360.000 

Quelle: OFD Karlsruhe vom 3.4.2009, S 2742/84 – St 221 Karlsruher Tabelle (2009) 

Die Finanzämter sind angehalten, Geschäftsführergehälter, die über die genannten Grenzen hinausgehen, als verdeckte Gewinnausschüttung zu behandeln. Dies bedeutet, dass die GmbH für diesen Betrag eine so genannte Strafsteuer entrichten muss. Der Finanzbeamte prüft in diesem Zusammenhang, ob das Gehalt des Geschäftsführers für die Größe des Unternehmens angemessen ist.

Obwohl die Tabelle sinngemäß auch auf Aktiengesellschaften anzuwenden ist, bleiben diese in der Praxis bisher davon unbehelligt. Wie lange dies noch so bleibt, steht wohl in den Sternen.

Quelle: ProFirma 07/08 2010, S. 46/47



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