Wie man Multi Level Marketing als solches entlarvt

Vor einigen Jahren setzte ich ein Inserat in eine Zeitung, in dem ich mich als Dozent auf dem Arbeitsmarkt versuchte. Zum Glück war das eine Chiffre-Anzeige... denn daraufhin erhielt ich über 100 Zuschriften (!), davon aber keine einzige von jemandem, der eine Lehrkraft suchte, obwohl sogar eindeutig in der Zeitung zu lesen stand, daß ich mit Verkauf und MLM nichts zu tun haben wolle. Sogar als ich später ein ähnliches Inserat mit der Überschrift "Internet-Entwickler" in die gleiche Zeitung setze, fielen MLM-Werber über mich her wie die Geier über das Aas.

Bild: geralt / pixabay.com

Woran also erkennt man, womit man es zu tun hat?
Die folgenden Merkmale haben sich als typisch bei der Kontaktaufnahme, insbesondere beim Erstkontakt mit MLM-Mitarbeitern und -Werbern herausgestellt:

  • Auf die Frage, um welches Gewerbe es sich handele, wird ausweichend geantwortet. Produkte oder Leistungen werden möglichst zunächst nicht genannt.

  • Produkte werden nur zögernd eingeführt, und nicht zu Anfang des Gespräches genannt oder vorgestellt. Zumeist wird nur ein Geschäftsbereich genannt ("Diät und Fitneß"), und nur weiter spezifiziert, wenn darauf eine positive Antwort kommt (etwa "oh, das ist interessant!")

  • Es wird immer ein persönlicher Kontakt gesucht; telefonisch wird so wenig wie möglich gesagt. Wer darauf eingeht, wird einem rhetorischen Dauerfeuer ausgesetzt, oder gleich zu einer Schulung gekarrt. In beiden Fällen bedarf es einer erheblichen Standfestigkeit, nicht nachzugeben. Die Verkäufer von Lamadecken könnten sich von manchem MLM-Mitarbeiter eine Scheibe abschneiden!

  • Kommt es zu einem persönlichen Kontakt, erlebt das Opfer mitunter, was man als love bombing bezeichnet: bei dem Termin sind überraschend viele Personen anwesend, die den Neuling von allen Seiten mit geradezu übertriebener Freundlichkeit und Begeisterung begrüßen, so daß dieser sich vor seinen Kollegen (und später, bei verkäuferischem Versagen vor seinen Schuldgefühlen) kaum noch retten kann.

  • Viele wenn nicht die meisten der Anwesenden auf solchen Treffen und Konferenzen sind in Wirklichkeit bezahlte Animateure, die frei erfundene Geschichten begeistert zum Besten geben. Einziger Zweck der Übung ist die Ausschaltung des gesunden Menschenverstandes und Urteilsvermögens von Neulingen, die zum Einstieg bewegt werden sollen.

  • Das Wort "Verkauf" wird überhaupt nicht gebraucht, obwohl es genau darum geht. Stets und immer ist von "Beratung", "Schulung", "Aufbau einer Geschäftsbeziehung" oder dergleichen die Rede.

  • Es wird immer versucht, persönliche Details über den beruflichen Werdegang der Zielperson und ihre persönlichen Neigungen herauszufinden; nur selten offenbart sich der MLM-Mitarbeiter selbst.

  • MLM neigt zu Übertreibungen, die bisweilen grotesk wirken können. Eine als Einzelperson von einer Privatwohnung aus agierende Werberin gab sich mir gegenüber mal als "Leiterin der Personalabteilung eines großen Konzerns" aus. Auch das Wort "international" gehört zu den Lieblingsvokabeln des Network Marketing.

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