Wer darf den pauschalen Vorsteuerabzug anwenden?

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In der Anlage zu den Opens external link in new window§§69 und 70 der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV) ist festgelegt, für welche Berufsgruppen diese vereinfachte Form der Vorsteuerberechnung möglich ist und welche Prozentsätze angesetzt werden dürfen. Untergliedert ist die Anlage in zwei Abschnitte, getrennt nach Berufsgruppen, die Durchschnittssätze für alle Vorsteuerbeträge ansetzen dürfen (Abschnitt A) und solche, die nur für einen Teil der Vorsteuer Durchschnittssätze anwenden können (Abschnitt B).

Beispielhaft hier einige Berufe, die jeweiligen Durchschnittssätze sind in Klammern angegeben:

Abschnitt A

  • Bau- und Möbeltischlereien (9,0%)
  • Buchbindereien(5,2%)
  • Elektroinstallateure (9,1%)
  • Hoch- und Ingenieurbau (6,3%)
  • Kraftfahrzeug-Reparaturbetriebe (9,1%)
  • Zimmereien (8,1%)
  • Brennstoff-Einzelhandel (12,5%)
  • Drogerien (10,9%)
  • Obst- und Gemüsehändler (6,4%)
  • Textilgeschäfte (12,3%)
  • Gaststätten (8,7%)
  • Taxiunternehmen (6,0%)
  • Grafiker (5,2%)
  • Hochschullehrer (2,9%)
  • Journalisten (4,8%)

Abschnitt B

  • Architekten (1,9%)
  • Rechtsanwälte und Notare (1,5%)
  • Schornsteinfeger (1,6%)
  • Wirtschaftsprüfer (1,7%)

Zu beachten ist hierbei, dass es nicht in erster Linie auf die Berufsbezeichnung ankommt, sondern darauf, dass die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit auch typisch für die angegebene Berufsgruppe ist. Häufig können selbst die zuständigen Finanzbeamten nicht klar definieren, welche Tätigkeiten nun berufstypisch sind. Dieser Umstand birgt das Risiko, dass sich erst im Rahmen einer Betriebsprüfung durch die Finanzbehörden herausstellt, ob der Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen rechtmäßig angewandt wurde. Zu zaghaft sollte man hier allerdings nicht vorgehen, zumal wenn man selbst der Auffassung ist, dass die Tätigkeit berufstypisch ist.

Wie Betriebsprüfer einem Unternehmen zu Leibe rücken können und welche Taktiken sie anwenden, haben wir bereits an anderer Stelle beschrieben.

Der Nettoumsatz als Grundvoraussetzung

Seit 1993 gilt der Nettoumsatz von 61.356 Euro als Obergrenze für den pauschalen Vorsteuerabzug. Dabei ist zu beachten, dass dieser Wert sich nicht auf den Gesamtumsatz im Unternehmen bezieht, sondern nur auf die Tätigkeit, die unter die Berufsgruppen fällt, die zum Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen berechtigt ist. Wer also verschiedene Tätigkeiten ausübt, kann für den begünstigten Zweig die Pauschale in Anspruch nehmen, auf den Rest des Unternehmens wird die herkömmliche Umsatzsteuerberechnung angewandt.

Hinsichtlich des Nettoumsatzes ist zu beachten, dass bei der Vorsteuerpauschalierung auch Verkäufe von Anlagevermögen zum Umsatz gezählt werden. Dies kann zur Folge haben, dass nur durch den Verkauf von Anlagevermögen aus dem Betrieb die Höchstgrenze überschritten und damit der pauschale Vorsteuerabzug unzulässig wird.

Existenzgründer rechnen mit Prognosen

Wer als Existenzgründer den Vorsteuerabzug nach Durchschnittsätzen anwenden will, hat keinen Vorjahresumsatz, auf den er als Richtwert zurückgreifen kann. Hier wird mit dem voraussichtlichen Umsatz gerechnet. Prognostiziert der Gründer einen Umsatz, der unter dem Grenzwert von 61.346 Euro liegt, darf er für dieses Jahr die vereinfachte Berechnung anwenden, selbst wenn sich am Ende des Wirtschaftsjahres herausstellt, dass der Umsatz höher war. Im zweiten Jahr darf eine Hochrechnung aus dem ersten Jahr zugrunde gelegt werden.

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