Vorbeugen, Analysieren und Schützen - wie man den Bundestrojaner entfernen kann

Im ersten Teil des Interviews ging es um die Software Elster und den Bundestrojaner. Lesen Sie nun Teil 2 des Interviews rund um den Bundestrojaner mit Niels Dettenbach:

 

Bild: geralt / pixabay.com

Torsten Montag

Wäre es möglich, bestimmte Softwareprodukte wie eben das angesprochene Softwarepaket für Gründer darauf zu prüfen, ob es den Bundestrojaner enthält?

Niels Dettenbach

Ganz so einfach ist es leider nicht. Eine solche Prüfung ginge nur über den Quellcode, der jedoch bei solchen Produkten im Regelfall nur dem Entwickler vorliegt. Allerdings haben wir festgestellt, dass der bekannt gewordene Bundestrojaner wohl nicht nur juristisch, sondern auch technisch vergleichsweise „unsauber“ entwickelt wurde. Scheinbar wurden dabei im Internet kursierende Teile von anderen Schadprogrammen weiterverwendet. Dadurch ist es möglich geworden, dass der Trojaner durch einige gängige Antivirenprogramme bereits gefunden wird. Es könnte sich daher lohnen, eine Software mithilfe möglichst vieler verschiedener Virenscannerprodukte zu scannen. Hierfür sollten möglichst auch frei entwickelte Antivirenlösungen genutzt werden, da ein Mitarbeiter eines Virenschutzherstellers zugegeben haben soll, dass die eigene Software derartig manipuliert worden sein soll, dass sie den Bundestrojaner nicht mehr „erkennen“ konnte.

Torsten Montag

Wenn ein Softwareuser nun feststellt, dass sein Rechner durch eine Software mit dem Bundestrojaner infiziert wurde, die er unbedingt benötigt, welche Möglichkeiten hat er dann, um sich vor einem Missbrauch zu schützen?

Niels Dettenbach

Sobald eine solche Infektion auf einem Computer entdeckt wurde, sollte dieser nicht mehr benutzt werden bzw. vorher fachmännisch bereinigt und von Grund auf neu installiert werden. Um eine neuerliche Infizierung zu vermeiden, sollte die Software durch ein anderes Produkt getauscht werden.

Torsten Montag

Der Betreiber von www.bundestrojaner.net und www.virenschutz.info legt eine clevere Strategie an den Tag: Einerseits veralbert er die Besucher in Bezug auf den Bundestrojaner, andererseits nutzt er aber auch die Angst der Leute aus, um über lukrative Partnerprogramme Virenschutzsoftware zu verkaufen. Was hältst du von solchen Websites?

Niels Dettenbach

Sicherlich ist dies ein interessantes Geschäftsmodell, auch wenn ich diese Websites eher als „Web-Comedy“ verstehe – wirklich nutzbare Informationen kann ich nicht erkennen. Zum Thema Internet- und IT-Sicherheit gibt es natürlich auch eine ganze Reihe seriöser Quellen, bei denen sich auch Sicherheitsexperten, Virenschutzhersteller usw. informieren. Das Interesse der Bürger an den Überwachungsmöglichkeiten unseres Staates war in der Vergangenheit allerdings erstaunlich gering, beispielsweise wenn man nur an Begriffe wie die TKÜV, die Vorratsdatenspeicherung, die Online-Durchsuchung oder die Internet-Sperren denkt.

Torsten Montag

Was hältst du von Analysetools wie dem „ArchiCrypt Tool Anti-Bundestrojaner“?

Niels Dettenbach

Hierbei handelt es sich augenscheinlich um ein auf lediglich ein einziges Schadprogramm ausgerichtetes Analyseprogramm, dessen angebliche Funktionalität auch von jedem anderen guten Antivirenprodukt erbracht werden kann. Das Bekanntwerden des bisherigen Trojaners zieht zwei Reaktionen nach sich: Die Behörden werden viele Steuergelder in ein Unternehmen (vermutlich die Firma DigiTask) investieren, das die Software überarbeitet. Die traditionellen Virenproduzenten hingegen werden ihre Schadsoftware stetig weiterentwickeln, um die Erkennungsrate möglichst gering zu halten.

Im letzten Teil unseres Interviews haben wir Niels Dettenbach gefragt, wie man sich gegen den Bundestrojaner schützen kann – doch lesen Sie selbst!

 

 



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