Von Einnahmen und stillen Reserven: Websitebewertung für Profis

Wie im ersten Teil dieser Serie schon angesprochen, sind die Einnahmen ein wichtiges Indiz für den Wert einer Seite. Der Käufer einer Website hat ja durch diese Größe die Möglichkeit, innerhalb eines Zeitraums von drei bis fünf Jahren den Kaufpreis wieder hereinzuholen, wenn er das Niveau dieser Einnahmen halten kann. Leider sind die Einnahmen aus Sicht des Verkäufers nicht immer die richtige Größe für die Ermittlung des Werts.

Bild: DavidZydd / pixabay.com

Probleme bei der Bewertung der Einnahmen

Die Einnahmen von Websites bestehen meist vor allem aus Einnahmen aus Werbung, also beispielsweise aus dem Verkauf von Werbeplätzen oder durch die Schaltung von Affiliatewerbung. Auch durch Ausschüttungen der VG Wort kommt häufig ein stattliches Sümmchen zusammen. Addiert man all diese Einnahmen, ergibt sich ein Jahresumsatz, der für die Bewertung herangezogen werden kann.

Beispiel:

Nehmen wir nun aber als Beispiel an, eine Website sei noch relativ jung. Der Betreiber hat vielleicht 10.000 Euro in die Programmierung von Funktionalitäten und des Designs gesteckt. Einnahmen fließen noch eher spärlich, bisher rund 100 Euro im Monat. Selbst wenn man nun den höchsten Faktor von 5 ansetzen würde, käme als maximaler Wert 100 x 12 x 5 = 6.000 Euro heraus. In diesem Fall wären sogar die Investitionskosten höher als der komplette Verkaufserlös.

In solchen Fällen ist die reine Betrachtung der Einnahmen problematisch, denn sie führt zu einem verfälschten Ergebnis. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, weitere Kriterien in die Berechnung einzubeziehen.

Die „stillen Reserven“

Der Autor des erwähnten Artikels auf Webmaster-Zentrale.de bezeichnete sie als die stillen Reserven einer Website, die zusätzlichen Kriterien, die den Wert einer Website beeinflussen können. Hier wurde beispielsweise angemerkt, dass eigene Skripte, Lizenzen, Bilder und Fotos, die auf der Website eingesetzt werden, mit einem entsprechenden Wert veranschlagt werden sollten.

Dies halten wir allerdings nicht wirklich für realistisch. Die Einnahmen ergeben sich ja aus der Website als Ganzes – vielleicht würden die Leute die Seite weniger besuchen und dementsprechend weniger auf Werbung klicken, wenn sie weniger Funktionalitäten bieten oder durch weniger Fotos schlechter aussehen würde. Dementsprechend sind Skripte und Grafiken eigentlich in den Einnahmen der Website schon berücksichtigt, denn sie werden davon direkt beeinflusst. Würde man für diese „immateriellen Werte“ nun noch einmal einen zusätzlichen Preis ansetzen, wäre dies „doppelt gemoppelt“.

Die zusätzliche Bewertung von Social Media Accounts und Newsletter-Abonnenten könnte man sich gerade noch eingehen lassen, denn sie können tatsächlich einen nicht zu vernachlässigenden Wert darstellen. Aber: Woher kommen denn die Einnahmen der Website? Von den Besuchern. Und die wiederum kommen unter anderem auch von den Social Media-Aktivitäten und Newsletterlesern. Also sind auch sie eigentlich in den Einnahmen der Website schon berücksichtigt.

Das Potenzial einer Website

Auch das Potenzial einer Website wird als wichtig für den Wert einer Website angesehen. Das Potenzial beschreibt, wie viel man aus einer Website herausholen könnte, wenn man sie voll ausbauen und vermarkten würde. Allerdings ist diese Bewertung recht schwierig. Wenn man als Verkäufer bei der Seite ein Potenzial erkennt, muss man sich durchaus die Frage gefallen lassen, warum man sie dann überhaupt verkauft. Im Regelfall wird einem durch die Einbeziehung des Potenzials unterstellt, eine Milchmädchenrechnung aufmachen zu wollen, um das Ganze „schön zu rechnen“.

In unserem oben genannten Beispiel mit den noch zu niedrigen Einnahmen, die die Investitionskosten nicht einmal abdecken, kann das Einbeziehen des Potenzials für ein gesundes Verhältnis zwischen Ausgaben und Verkaufswert sorgen. Allerdings muss dieses Potenzial dann auch wirklich gut begründet werden, damit es für den Käufer nachvollziehbar ist.

Im nächsten Teil dieser Serie wollen wir uns auch noch ansehen, wie sich die Domain auf den Wert einer Website auswirken kann.

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