Von der Fähigkeit, Geld zu vermehren

Wenn ich mir nun die Selbständigen und Unternehmer aus meinen Coachings betrachte, dann fällt eines sehr schnell auf:Unternehmensinhaber, bei denen privat die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, machen praktisch immer auch im Unternehmen Gewinne. Und solche, die privat nicht mit Geld umgehen können, schaffen es auch in ihrer Firma nicht.

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Das hat nebenbei nichts mit der Höhe der Einnahmen zu tun. Ich hatte einen Gründer im Coaching, der nur 900 Euro im Monat aus seiner Firma entnehmen konnte. Und davon hat er noch 100 Euro gespart. Und ich hatte umgekehrt einen Unternehmer mit 800.000 Euro Jahresnetto- Einkommen und 1 Mio. jährlicher privater Ausgaben. DasUnternehmen des Gründers wuchs, das Unternehmen des anderen war kurz vor dem Untergang.

Natürlich werden nun die meisten Leser sagen: "Also wenn ich 800.000 Euro netto im Jahr hätte, dann wäre ich nicht so blöd. Aber jetzt kann ich noch nicht sparen, weil..." Die Wahrheit ist: Sparen ist eine Gewohnheit. Und diese Gewohnheit hat nichts mit der Höhe der Einnahmen, sondern ganz allein mit der eigenen Prioritätensetzung (und den eigenen Glaubenssätzen, s.u.) zu tun. Solange man diese Prioritäten nicht ändert, werden die Ausgaben immer im selben Verhältnis mit den Einnahmen steigen. Der oben erwähnte Gründer war zuvor als Angestellter beschäftigt mit etwa 2.800 netto Monatseinkommen. Und er hatte entsprechende Verpflichtungen. Weil ihm das langfristige Sparen wichtig war, fand er Wege, auch mit 900 Euro im Monat zu sparen.

Die Fähigkeit, Geld zu vermehren hat somit nichts mit der Höhe der Einnahmen zu tun. Und sie zeigt sich im privaten wie im unternehmerischen gleichermaßen.

Das Kontenmodell im Unternehmen

Wenn Sparen eine Gewohnheit ist, dann kann man diese Gewohnheit entwickeln. Bodo Schäfer schlägt dazu für die private Seite ein Kontenmodell mit 3 bis 4 Konten vor: Ein Konto für die Lebenshaltungskosten, ein Spaß- Konto und ein Spar-Konto. Gegebenenfalls noch ein weiteres Spendenkonto. Der Witz ist, die Überweisung auf Spaß-, Spar- und Spenden-Konto erfolgt nicht zum Monatsende, wenn nichts mehr da ist, sondern zu Monatsbeginn per Dauerauftrag.

Das Konzept ist klasse. Ich würde es nur um ein weiteres Konto erweitern: EinFortbildungskonto. Für Bücher, Seminare, Coachings. Und in dieses Fortbildungskonto sollte mindestens so viel Geld fließen wie in Ihr Auto. Angenommen, Sie zahlen monatlich 600 Euro Leasingebühr plus Steuer, Versicherung und Benzin etwa 800 Euro, im Jahr also knapp 10.000 Euro, dann sollte mindestens derselbe Betrag in Ihre Ausbildung fließen. Wenn Sie nur 10.000 Euro im Jahr haben, darf das Auto eben nur 5.000 kosten. Wie gesagt, es ist eine Frage der Prioritäten: Was ist wichtiger? Die physische Bewegung von A nach B, gar nur der Status, der mit einem schicken Auto verbunden wird? Oder die persönliche geistige Weiterentwicklung von A nach B?

Meine Erfahrung ist ganz klar: Wer das im Privaten nicht schafft, wird niemals ein gesundes Unternehmen aufbauen können. Vielleicht gibt es Ausnahmen, die diese Regel bestätigen – ich habe sie noch nicht getroffen.

Aber was noch viel wichtiger ist: Sie können dieses Konzept auf Ihr Unternehmen übertragen. Legen Sie auch im Unternehmen separate Konten an, auf die zu Beginn des Monats Geld überwiesen wird. Und zwar ein bestimmter Anteil des Umsatzes. Und zwar bevor an irgendjemanden sonst Geld überwiesen wird.

Einrichten eines Gewinnkontos

Das geht so weit, dass Sie auch Ihre betriebswirtschaftliche Auswertung (BwA) abändern sollten. Gewinn ist nicht das, was übrig bleibt (es bleibt nichts übrig...), sondern das, was geplant in die Rücklagen oder den Topf fürZukunftsinvestitionen fließt. Und deshalb sollte es in Ihrer BwA in der zweiten Zeile, direkt unter den Erträgen eine Zeile für Ihren geplanten Gewinn geben. Und dieser Betrag sollte auf ein extra Gewinn-Konto fließen. Und in der dritten Zeile sollte ein Betrag für Weiterbildung in Ihrem Unternehmen stehen, der auch abhängig vom Umsatz auf ein extra Konto gebucht wird. Und schließlich, wir erinnern uns: Geld ist eine Energieform unter vielen anderen, sollte in der vierten Zeile ein bestimmter Anteil des Umsatzes beiseite gelegt werden, der zur Entwicklung und Verstärkung der anderen Energieformen (Mitarbeiterbegeisterung, PR etc.) verwendet wird.

Fehlt Ihnen selbst die Disziplin, dann behandeln Sie diese Konten eben wie Gehaltskonten für Mitarbeiter – am besten geben Sie jemand anderem die Aufsicht darüber. Jemandem, der dafür sorgt, dass diese Überweisungen auch tatsächlich gemacht werden und der Ihnen im Zweifel auf die Füße tritt.

Sie können sich natürlich fragen, was das Ganze soll. Ob diese Beträge oben oder unten in Ihrer BwA stehen, sei doch egal. Ist es nicht! Sie planen anders! Sie fragen sich bei manchen Ausgaben eher, ob sie wirklich sein müssen. Sie verändern damit Ihre Prioritäten. Und damit verändern Sie Ihre Ergebnisse.

Aus dem Buch von Stefan Merath: "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer"

Zur Verfügung gestellt von: unternehmercoach.com

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