Trend zu längeren Arbeitszeiten bei Teilzeitmitarbeiterinnen

In Deutschland gab es im Jahr 2009 rund 12,55 Mio. beschäftigte Frauen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst. Es lässt sich beobachten, dass im Vergleich zu den Werten von vor zehn Jahren ein Anstieg um 0,49 Mio. zu verzeichnen ist.

Bild: geralt / pixabay.com

Sozialversicherungspflichtig beschaeftigte FrauenWirtschaftswissenschaftler betrachten es jedoch mit Sorge, dass der Anteil der Teilzeitkräfte immer weiter ansteigt. Immerhin arbeiteten 1999 nur 3,21 Mio. Frauen in Teilzeitarbeitsverhältnissen, heute sind es bereits 4,34 Mio. Frauen. 

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung gibt noch eindeutigere Zahlen an: Beinahe 46 Prozent der beschäftigten Frauen hätten eine Teilzeitstelle inne – vom Minijob bis zur normalen Teilzeitarbeit bis 30 Wochenstunden ist alles mit dabei.

Teilzeit nicht immer freiwillig

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) führte kürzlich eine Befragung unter betroffenen Frauen durch. Dabei fanden sie heraus, dass ein großer Teil der in Teilzeit beschäftigten Frauen ihre Arbeitszeit nur zu gerne verlängern würden.

Die meisten Frauen, die gerne länger arbeiten würden, gehören zu einer oder mehreren folgender Personenkreise:

  • Frauen mit einer schlechten Qualifikation
  • Frauen aus den neuen Bundesländern
  • Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren
  • Frauen mit einem sehr niedrigen Einkommen

Das IAB ermittelte, dass die Frauen in Teilzeit durchschnittlich gerne vier Stunden länger arbeiten würden. Allerdings stellt sich bei genauerem Hinsehen fest, dass die meisten dieser Wünsche auf Frauen zutreffen, die einer geringfügigen Beschäftigung mit nur geringer Wochenstundenanzahl nachgehen. Sie wünschen sich nämlich genau genommen sogar eine längere Arbeitszeit von bis zu neun Stunden. Dies zeigt bereits, dass viele der Frauen, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, eigentlich eher unfreiwillig so wenige Stunden arbeiten, sondern weil sie durch ihre Lebensumstände oder ihre Qualifikation dazu gezwungen sind – wenige Stunden sind immer noch besser als gar keine Stunden.

Die Zahlen sprechen Bände

Der IAB stellt folgende Rechnung auf: Würde man allen Frauen in Teilzeit ihre Wünsche gewähren, spräche man über ein gesteigertes Arbeitsvolumen in Höhe von 40,5 Mio. Wochenstunden. Dies bedeutet, dass etwa eine Million Vollzeitstellen erforderlich wären, um den Wünschen der Teilzeitmitarbeiterinnen rein rechnerisch gerecht werden zu können.

Heute setzen die Arbeitgeber vermehrt darauf, einen Vollzeitarbeitsplatz mit mehreren Teilzeitmitarbeiterinnen zu besetzen. So bleibt er flexibler und kann gut auf Auftragsspitzen reagieren. Besonders im Einzelhandel ist diese Vorgehensweise beliebt. Was dies jedoch für die betroffenen Frauen bedeutet, bedenken die wenigsten Arbeitgeber.



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