Subventionsbetrug im KFW-Gründercoaching

Zeki Cizgec, Inhaber des Unternehmens "visavis-translation", ist selbst Opfer von Subventionsbetrug im KfW Gründercoaching geworden. Sein Erfahrungsbericht soll anderen Gründern helfen, die Fallen und Maschen der kriminellen Berater rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Quelle: Screenshot www.kfw.de

Laut der Website des Europäischen Sozialfonds ist: „Gründercoaching ein wichtiges Instrument zur Erhöhung der Erfolgsaussichten und nachhaltigen Sicherung von Existenzgründungen.

Der Coach als Hoffnungsträger

Was große Unternehmen dauerhaft in Anspruch nehmen, ist für junge Unternehmen meist mit einem nicht finanzierbaren Kostenaufwand verbunden. Die Rede ist von einer Beratung für das eigene Unternehmen. Die Höhe der Förderung liegt je nach Unternehmensstandort zwischen 50 und 75% des Beraterhonorars, bei einer maximalen Bemessungsgrundlage von 4.000 EUR (netto).

Opens internal link in current windowBesonders hilfreich ist so eine Beratung natürlich in der Startphase, da hier meist die Weichen für den Erfolg oder Misserfolg einer Unternehmung gestellt werden. Durch einen professionellen Coach der den Gründer mit seinem wertvollen Erfahrungsschatz in wirtschaftlichen, organisatorischen und finanziellen Belangen berät, unterstützt und begleitet, soll eine Hilfestellung für den oft steinigen Einstieg in die Selbstständigkeit geleistet werden. Von der Erstellung eines Businessplans, über die Vorbereitung von Bankgesprächen, der Erstellung eines Vertriebskonzeptes oder bspw. der Optimierung des Personalwesens - Fragen, für die das Gros an Unternehmensgründern oftmals keine Antworten parat haben. Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass Unternehmer die ein Coaching in Anspruch nehmen gleich zu Beginn Fehler vermeiden und erfolgreicher agieren. Durch den Einsatz eines Coaches werden Unternehmer betriebswirtschaftlich beraten und steigern somit die Erfolgsaussichten maßgeblich.

Aus genau diesen Gründen beantragte der Gründer von visavis-translation im September 2012 das Gründercoaching über die Handelskammer in Hamburg. Ein Förderprogramm welches aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt wird. Das Ziel war eine Beratung über einen Zeitraum von zwölf Monaten als Hilfestellung für die Bereiche der Festigung, Finanzierung und der Entwicklung seines Übersetzungsbüros.

Nachdem also die nötigen vertraglichen Details mit der KFW Mittelstandsbank geklärt waren und ein Zuschuss für ein Coaching bewilligt wurde, war der Coach zu den individuellen Anforderungen des Gründers über die KFW-Beraterbörse gesucht und schnell gefunden. Ein vertrauenserweckendes Profil, gängige Ausdrucksweisen und positive Bewertungen rundeten den Gesamteindruck ab. Darauf folgte ein erstes persönliches Kennenlernen mit der Besprechung des Beratungsinhalts und einer anschließenden Planung und Festlegung von Meilensteinen.

Bis zu diesem Zeitpunkt lief alles wie am Schnürchen und die Gewissheit, dass die Entwicklung und Etablierung der eigenen Selbstständigkeit durch die Beratung eines versierten Experten begleitet wird, beruhigte den Startup-Gründer ungemein.

Der Ärger nimmt seinen Lauf

Nach etwa einem halben Jahr mit mehrfachen Terminabsagen durch den Berater und lediglich drei wahrgenommenen Beratungsstunden mit oberflächlichen Inhalten, wurde der Gründer an einen vermeintlich langjährigen Partner des Vertragscoaches weiterempfohlen. Dieser Berater soll für die Fragen, die zu diesem Zeitpunkt akut waren, der Spezialist für die Bereiche Unternehmensentwicklung und Finanzierung gewesen sein.

Bei diesem Treffen stellte sich jedoch ziemlich schnell heraus, Opens internal link in current windowdass der Berater mit oberflächlichen Verkaufsfloskeln nur so um sich warf. Ein kurzer Griff in die Schublade seines Homeoffice und schon lag ein Coaching Vertrag zur Unterzeichnung bereit. Obwohl bis zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit bestand, den umfassenden Vertrag während des Wortschwalls des Beraters in Ruhe durchzulesen, erkannte der Gründer bei genauerem Betrachten, dass dieser rückdatiert war und hörte auf sein Bauchgefühl, diesen Vertrag auf keinen Fall zu unterzeichnen. Aus diesem Vertrag ging hervor, dass er einen umfassenden Beratungsinhalt mit einem Volumen von vierzig Stunden bereits in den Vormonaten erhalten hätte. Der aus dem Vertrag hervorgehende Beratungsinhalt umfasste wichtige Beratungsschwerpunkte wie bspw. die Planung, Strategie, Marketing, Vertrieb, Controlling, Weiterentwicklung etc.

Auf Rückfrage, warum der Vertrag mit den falschen Daten und Inhalt ausgehändigt wurde, entgegnete der Coach lediglich, dass beide Coaches so schneller an ihr Geld kommen würden. Es sei eine gängige Art und Weise dieses Coaching abzuwickeln.

Auf Nachfrage welche Sicherheiten nach einer Unterzeichnung bestehen würden, um den bewilligten Beratungsumfang zu erhalten, entgegnete der Coach lapidar, dass diese Abwicklung über eine Vertrauensbasis abliefe und es diesbezüglich noch nie irgendwelche Probleme gegeben hätte.

Schwindende Zuversicht

Der Gründer war aufgrund dieser Vorgehensweise skeptisch und hat sich geweigert, den Vertrag vor Ort zu unterschreiben. Etwas überrumpelt bat er den Berater diesen Vertrag für eine Bedenkzeit mit nach Hause zu nehmen. In den nächsten Tagen folgten daraufhin seitens beider Coaches zahlreiche Aufforderungen per Mail und per Telefon, diesen Vertrag doch nun endlich zu unterzeichnen und auszuhändigen. Es folgte ein unangekündigter Besuch bei der Privatadresse des Gründers, der diesen nach Inkasso-Manier mit deutlichem Nachdruck zur Herausgabe der Verträge bewegen sollte, da die Berater ansonsten von der Rücktrittsklausel des Coachingvertrages Gebrauch machen würden. Der Berater machte den Gründer mehrmals darauf aufmerksam, dass der Anspruch auf eine Beratungsförderung nach Rücktritt des Beraters laut KFW-Statuten verfällt.

Auch auf diese Einschüchterung hat der Gründer nicht reagiert.

Eine Nachfrage bei der KFW ergab, dass der empfohlene langjährige Partner seines Vertragscoaches nicht von der KFW akkreditiert ist und im Rahmen eines Gründercoachings überhaupt nicht zugelassen ist.

Kein Interesse an Aufklärung

Obwohl der Gründer des Hamburger Startups laut Aussage der KFW Mittelstandsbank offiziell das Opfer eines Subventionsbetruges war, wurde ihm der Neubeginn des Förderprogramms dennoch offiziell verwehrt.

Laut KFW würden einer erneuten Bewilligung vertragliche Regelungen mit dem Europäischen Sozialfonds im Wege stehen. Als würde der Schritt in die Selbstständigkeit insbesondere in der Startphase nicht schon genug Probleme mit sich bringen, machen sich schwarze Schafe mit ihren illegalen Machenschaften auch noch über die wenigen zur Verfügung stehenden Mittel von Unternehmensgründern her.

Heute kann der Inhaber der mittlerweile etablierten Übersetzungsagentur vor derartigen schwarzen Schafen nur warnen.

„Die Energie hätte ich in dieser Zeit lieber in mein Unternehmen investiert!“, so Cizgec. Nur weil ein Gründercoach über die KFW-Beraterbörse zu finden ist und über positive Bewertungen verfügt, sei das noch lange keine Garantie für eine seriöse engagierte Arbeitsweise oder ein Merkmal über die Qualifikation eines Beraters.

Auch nach all den Jahren ist der Berater noch heute in der KFW Beraterbörse als vertrauensvoller Berater gelistet und verfügt laut Kundenbewertungsprofil über 100 % positive Kundenbewertungen. Da fragt man sich schon, wie so etwas möglich sein kann, da der Gründer zum Ende der Entscheidung über das Coaching keinerlei andere Möglichkeiten sah, als diesen Berater entsprechend zu bewerten. Anscheinend wurde seine Bewertung gelöscht oder nie von der KFW veröffentlicht. Mehr Infos zu diesem Thema für Existenzgründer gibt es hier: Opens internal link in current windowBeraterbetrug: So verhindern Sie Abzocke durch Beratung.

Sollten Sie Kontakt mit obiger Firma bzgl. des Falls aufnehmen wollen, so können Sie das mit folgenden Möglichkeiten tun:

visavis-translation
Ruhrstraße 13
22761 Hamburg
Tel. +49 40 854000390


visavis-translation.de [Link entfernt, da Seite offline]
E-Mail: info@visavis-translation.de



Sind Sie der geborene Unternehmer? Machen Sie jetzt den Test!