Am von Torsten in kurz notiert geschrieben und am 09.01.2023 um 16:02 aktualisiert
KfW Beratung

1/4 der KfW-Berater sind zum Subventionsbetrug bereit

Schon vor einiger Zeit hat das Gründerlexikon darüber berichtet, dass die KfW neue Vorschriften festgelegt hat, mit der sie ihre in der KfW-Beraterbörse eingetragenen Berater ärgert und sie somit zum Betrug treibt.

Diagramm zur KfW
Die Situation ist ein Witz.
© T. Montag / Gründerlexikon

Unternehmer müssen regelmäßig zwei aktuelle Referenzen nachweisen, um ihre Listung in der Börse aufrechterhalten zu können, mehr dazu lesen Sie:

Schon damals hat das Gründerlexikon festgestellt, dass die Berater dadurch immer mehr unter Druck geraten, da ihnen die KfW vorschreibt, wie viele Beratungen sie durchführen müssen, um ihre Zulassung zu behalten. Die Redaktion hat sich gefragt, wie viele Berater wohl bereit sind, illegale Wege zu beschreiten, um ihre Listung in der KfW-Beraterbörse nicht zu verlieren. Daher hat sich das Gründerlexikon dazu entschieden, die Redlichkeit der deutschen Gründerberater zu testen.

KfW-Berater im Test

Es wurden anonym insgesamt 204 Berater per Email kontaktiert. Die Redakteure gaben an, sich  selbstständig machen zu wollen und teilten mit, dass man zwar das KfW Gründercoaching nutzen, aber keine Beratung in Anspruch nehmen wollte. Konkret schlugen die Redakteure vor, gemeinsam mit dem Berater das KfW Gründercoaching zu beantragen und anschließend jeweils zur Hälfte zu teilen. Würde ein Berater darauf eingehen, läge ganz klar der Tatbestand des Subventionsbetrugs vor. Nachdem die Redaktion die Kontaktmails abgeschickt hatte, wartete man gespannt auf die Reaktionen der Berater – und das Gründerlexikon wurde nicht enttäuscht.

Erschreckende Ergebnisse

Es dauerte nicht lange und schon trudelten die ersten Antworten ein. Die Redaktion hat die Ergebnisse der kompletten Aktion im obenstehenden Diagramm festgehalten.

Von den 204 befragten Beratern haben sich 44 gar nicht erst die Mühe gemacht, zu antworten (22 Prozent). 6 Berater schickten allgemeines Informationsmaterial zur KfW-Beratung zu, gingen aber nicht auf das „Anliegen“ ein (3 Prozent). 68 Berater (33 Prozent) haben die von der Redaktion vorgeschlagene Vorgehensweise abgelehnt. 32 Berater (16 Prozent) lehnten die Anfrage kategorisch ab und distanzierten sich von dem Vorschlag, gemeinsam einen Betrug zu begehen. Somit ließ knapp die Hälfte der befragten Berater das Gründerlexikon abblitzen.

Nun wurde es aber erst richtig interessant. 21 Berater (10 Prozent) äußerten sich zwar nicht zum Subventionsbetrug, ließen aber Informationen zukommen und baten um ein persönliches Erstgespräch oder ein Telefonat. 33 Berater (16 Prozent) hatten keine Skrupel, sofort zu einem Telefongespräch einzuladen. Somit ist über ein Viertel der deutschen KfW-Berater offenbar nicht abgeneigt, sich über einen derartigen Subventionsbetrug das schnelle Geld zu verschaffen, ohne dafür arbeiten zu müssen. Denn wer grundsätzlich gegen solche illegalen Aktionen ist, wird dies sicherlich gleich kundtun und nicht erst noch Telefongespräche führen.

KfW verfehlt ihr Klassenziel

Die KfW-Bank zielte mit ihrer Neuregelung bezüglich der Vorlage von Referenzen darauf ab, die Beratungsqualität zu steigern und zu vermeiden, dass Beratungen von Beratern durchgeführt werden, die kaum Praxiserfahrung haben (mehr zu unseriösen Beratern). Allerdings verschlimmert sie dadurch das Problem nur noch. Wer die Referenzen nicht vorweisen kann, wird jetzt umso mehr nach einer Möglichkeit suchen, sich Referenzen zu verschaffen. Und dies funktioniert eben nicht nur über reguläre Beratungen, sondern auch über solche „gefakten“ Gründercoachings. Gleichzeitig streichen sie dadurch auch noch zusätzliches Geld ein.

Die KfW-Bank scheint überhaupt nicht zu bemerken, was hier infolge ihrer so „durchdachten“ Vorschriften passiert: Es werden Straftaten provoziert, die ohne diese Vorschriften wahrscheinlich gar nicht oder zumindest in geringerem Ausmaß geschehen wären. Die KfW-Bank ist ja in der Vergangenheit schon häufiger negativ aufgefallen (z. B. durch den Versand von Abmahnungen an die KfW-Berater). Aber dies setzt dem ganzen wieder einmal aufs Neue die Krone auf.

Die Bank ist also mal wieder am Ziel vorbeigeschrammt, denn der Betrug wird durch die Vorlage von Referenzen nicht eingedämmt, sondern im Gegenteil sogar noch ausgeweitet, indem immer mehr Berater einen Subventionsbetrug nicht ausschließen, um ihre Kosten zu decken und ihre Zulassung nicht zu verlieren. Aber nicht nur die KfW Bank steht im Zentrum derer, die betrügen wollen, auch in der Coronakrise gibt es Betrug im großen Maßstab.

Mathematische Hochrechnung auf ganz Deutschland

Damals (Stand: 20.09.2012, Quelle: KfW Beraterbörse/Chart auf der Startseite) waren im Bereich Existenzgründung 9.314 KfW Berater gelistet. Das Gründerlexikon hat errechnet, dass mit 95% Wahrscheinlichkeit zwischen 20 und 32% der in Deutschland gelisteten KfW Gründungsberater im Bereich Existenzgründung dubiose Absichten nachgehen, so wie es der Test gezeigt hat. Die Schätzung erfolgte dabei über die statistische Methode der Konfidenzintervalle.

Fazit 

Vielleicht sollte sich die KfW-Bank allmählich einmal wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren und Gründern helfen, anstatt den Beratern mit immer noch mehr sinnlosen und zielverfehlten Ideen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Vielleicht würden dann auch die Berater irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren und ganz einfach nur ihrer Arbeit nachgehen. Suchen Sie sich also einen guten Berater!

Zum Glück gibt es auch Projekte wie den Lehrgang zum Gründungs- und Innovationsberater an der Hochschule Heidelberg. Solche Projekte, die die "Absolventen" am Ende sogar mit einem deutschlandweit anerkannten Zertifikat belohnen, sind gute und gern gesehene Ansätze zur Verbesserung der Beratungsqualität!

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Gründerlexikon.de-Autor: Torsten
Torsten Montag ist seit 2004 als Chefredakteur inhaltlich für das Gründerlexikon verantwortlich. Er ist regelmäßig Interviewpartner sowie Gastautor von Fachbeiträgen externer Medien zum Thema Gründung und Selbständigkeit. Bevor er gruenderlexikon.de gegründet hat, war er als Steuerfachangestellter und Betriebswirt ua. bei PwC und einer Steuerkanzlei in Thüringen tätig.

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