Steuervereinfachungen und –änderungen: Was sich 2011 und 2012 alles ändert

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Das Steuervereinfachungsgesetz wurde beschlossen, dennoch sind noch nicht alle Änderungen in Kraft getreten. Obwohl die Politik, insbesondere die Union und die FDP, fordert, dass die wichtigsten Entlastungen bereits in das Jahr 2011 vorgezogen werden sollten, müssen Steuerzahler sich bei einigen Entlastungen noch bis zum kommenden Jahr gedulden. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie in diesem und im nächsten Jahr bei den Steuern besonders achten sollten.

Änderungen für Arbeitnehmer 2011

Arbeitnehmer können die Beiträge zur Altersvorsorge ab diesem Jahr mit bis zu 72 Prozent absetzen. Im Jahr 2010 lag die Grenze noch bei 70 Prozent. Absetzbar sind diese prozentualen Anteile bei Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung bis zu einem Gesamtbetrag von 20.000 Euro.

Die Lohnsteuerkarte gibt es ab dem Jahr 2011 erstmals nicht mehr. Die Lohnsteuerkarten aus dem Jahr 2010 behalten für dieses Jahr auch weiterhin ihre Gültigkeit. Änderungen der Eintragungen, sowie die erstmalige Beantragung einer Lohnsteuerkarte müssen ab diesem Jahr direkt beim Finanzamt erfolgen. Diese werden in einer zentralen Datenbank abgespeichert, aus der Arbeitgeber ab dem kommenden Jahr die elektronische Lohnsteuerbescheinigung abrufen können. Bei einem Wechsel des Arbeitsplatzes muss dem neuen Arbeitgeber die vom bisherigen Arbeitgeber ausgegebene Lohnsteuerkarte in Papierform vorgelegt werden.

Änderungen für alle Steuerzahler 2011

Alle Steuerzahler betreffen die folgenden Änderungen. So muss das Finanzamt künftig verbindliche Auskünfte kostenfrei geben, sofern diese einen Gegenstandswert von 10.000 Euro nicht überschreiten.

Handwerkerleistungen können künftig nicht mehr doppelt gefördert werden. Wenn also bereits eine Förderung, etwa durch die KfW und deren vergünstigte Darlehen vorliegt, können die Handwerkerleistungen nicht mehr zusätzlich als haushaltsnahe Dienstleistungen abgesetzt werden.

Ehrenamtliche Betreuer und Pfleger, sowie Vormünder erhalten für ihre Tätigkeiten eine Aufwandsentschädigung. Diese konnte bisher bis zu 500 Euro steuerfrei eingenommen werden. Dieser Betrag erhöht sich 2011 auf 2.100 Euro.

Stipendien werden ab 2011 nach § 3 Nr. 44 EstG steuerfrei ausgezahlt. Zwar galt bisher, dass die Steuerfreiheit nur dann bestand, wenn die Stipendien unmittelbar aus öffentlichen Mitteln gezahlt wurden, doch ab 2011 sind auch mittelbar geleistete Zahlungen steuerfrei.

Änderungen für Unternehmen 2011

Auch für Unternehmen ändert sich im Jahr 2011 so einiges. Entlastungen betreffen vor allem den bürokratischen Aufwand, der bei elektronischen Rechnungen entsteht. So ist künftig keine qualifizierte elektronische Signatur mehr nötig. Allerdings müssen sowohl Rechnungssteller, als auch –empfänger jederzeit die Echtheit der Rechnung, sowie deren Herkunft nachweisen können. Ferner sind der Inhalt der Rechnung, sowie deren Lesbarkeit über die gesamte Aufbewahrungsfrist zu gewährleisten. Frei steht den Unternehmen allerdings, wie sie diese Anforderungen erfüllen.

Auch bei Gründungen oder Beteiligungen im Ausland ergeben sich Vereinfachungen. Mussten diese bisher binnen einen Monats nach Ablauf des Kalenderjahres an das Finanzamt gemeldet werden, verlängert sich die Frist 2011 auf sechs Monate. Betroffen sind jedoch nur Gründungen, die ab der Bekanntgabe des Steuervereinfachungsgesetzes erfolgten.

Betriebsverpachtungen, die den gesamten Betrieb betroffen haben, sowie eine Betriebsunterbrechung konnten bisher zur zwangsweisen Beendigung des Unternehmens führen. Ab 2011 können diese nur noch durch eine Aufgabeerklärung  geschlossen werden. Bis zur Abgabe dieser Erklärung an das Finanzamt gilt der Betrieb als fortgeführt. Betroffen sind auch hier wieder lediglich Verpachtungen und Betriebsunterbrechungen, die nach der Verkündung der Steuervereinfachungen erfolgten.

Weitere Änderungen 2011

Für Land- und Forstwirte gilt ab 2011 eine verlängerte Abgabefrist der Steuererklärungen, wenn das Wirtschaftsjahr vom Kalenderjahr abweicht. Die Frist beträgt nicht mehr nur drei, sondern künftig fünf Monate.

Betriebsvermögen, das laut § 13a Erbschaftssteuergesetz (ErbStG) begünstigt ist, kommt es ab 2011 nicht mehr zu einem formlosen Feststellungsverfahren, sondern zu einem offiziellen Verfahren durch das Finanzamt. Betroffen sind alle Erben, die ihr Betriebsvermögen nach der Veröffentlichung des Steuervereinfachungsgesetzes erhielten.

Im Todesfall eines Menschen müssen Banken und Vermögensverwalter ein Guthaben melden, das im Jahr 2010 5.000 Euro überstieg. Ab dem neuen Jahr steigt diese Grenze auf 10.000 Euro.

Änderungen für alle Steuerzahler ab 2012

Arbeitnehmer, Pensionäre und Rentner erhalten ab 2012 die Möglichkeit, ihre Steuererklärungen nur noch alle zwei Jahre abzugeben. Sie können dann zwei Veranlagungszeiträume zusammen abgeben. Dadurch kommt es nur zu einer Verlängerung der Abgabefristen, nicht jedoch zu einer Verlängerung der Veranlagungszeiträume. Diese Regelungen gelten, sofern die Einkünfte aus Vermietung, Kapitalanlagen oder sonstigen Einkünften einen Betrag von 13.000 bzw. 26.000 Euro bei Einzel- bzw. Zusammenveranlagung nicht überschreiten. Generell von der Regelung ausgenommen sind Unternehmer, Freiberufler, sowie Land- und Forstwirte.

Die Kinderbetreuungskosten müssen ab 2012 generell als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Die Wahlmöglichkeit zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben entfällt demnach. Weiterhin bleiben aber zwei Drittel, maximal 4.000 Euro, der Kosten absetzbar.

Kinder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, erhalten bisher nur dann weiterhin Kindergeld, wenn ihr Jahreseinkommen die Grenze von 8.004 Euro nicht überschreitet. Diese Einkommensgrenze wird ab 2012 aufgehoben. Allerdings entfällt das Kindergeld, wenn die erwachsenen Kinder mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, unabhängig vom Einkommen. Ausnahmen gelten während der Berufsausbildung.

Für Spenden, die Steuerzahler bei Naturkatastrophen tätigen, erfolgt ab 2012 ein vereinfachter Nachweis. Dieser war zwar bisher ebenfalls möglich, aber nur durch Anweisung des Finanzamts.

Vereinfachungen erfolgen ebenfalls bei Erstattungsüberhängen. Erhielten Versicherte einen höheren Betrag von ihrer Versicherung erstattet, als sie Beiträge eingezahlt hatten, hatte dies bisher zur Folge, dass diese Erstattungsüberhänge zu Korrekturen der Sonderausgaben in den Vorjahren führten. Ab 2012 können die Erstattungen mit laufenden Versicherungsbeiträgen verrechnet werden. Ähnlich verhält es sich bei Erstattungen der Kirchensteuer, die einfach das laufende Einkommen erhöhen und die Vorjahressteuerbescheide unberührt lassen.

Änderungen für Arbeitnehmer 2012

Bei der Pendlerpauschale müssen sich Arbeitnehmer auf Kürzungen vorbereiten. Es wird nicht mehr taggenau eine Günstigerprüfung vom Finanzamt durchgeführt, sondern auf das Jahr berechnet. Dabei werden tatsächlich anfallende Kosten für öffentliche Verkehrsmittel mit dem Jahresbetrag für die Pendlerpauschale verglichen, was zu Kürzungen der Werbungskosten führen dürfte.

Der Werbungskosten-Pauschbetrag, der bisher bei 920 Euro lag, wird ab 2012 auf 1.000 Euro erhöht. Das betrifft aber lediglich Steuerzahler, deren Werbungskosten zwischen den beiden Beträgen lagen. Immerhin sind das aber immerhin eine halbe Million Arbeitnehmer. Dadurch lassen sich maximal 40 Euro Steuern sparen.

Weitere Änderungen 2012

Ab dem Jahr 2012 prüfen Genossenschaften bestehende Freistellungsaufträge. Dadurch kann es dazu kommen, dass sie den Kapitalertragssteuerabzug nicht gewähren. Das gilt übrigens auch für Nichtveranlagungsbescheinigungen.

Ebenfalls müssen Kapitalanleger ihre Kapitaleinkünfte, die ohnehin schon durch die Abgeltungssteuer gemindert wurden, nicht mehr zusätzlich in der Steuererklärung angeben. Das war bisher nötig, um andere Steuervorteile berechnen zu können, darunter Spenden, außergewöhnliche Belastungen oder den Ausbildungsfreibetrag, um nur einige zu nennen.

Auch Vermieter müssen sich auf Änderungen ab 2012 gefasst machen. Eine verbilligte Vermietung gilt ab 2012 als vollentgeltlich, wenn die Miethöhe wenigstens zwei Drittel der ortsüblichen Mieten beträgt. Dadurch sind auch die Werbungskosten voll absetzbar. Andernfalls müssen die Werbungskosten in einen abziehbaren und einen nicht abziehbaren Anteil aufgeteilt werden.

 

 



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