So kassiert die IHK Existenzgründer ab

Das Förderprogramm Gründercoaching Deutschland ist für Existenzgründer in den ersten 5 Jahren nach der Unternehmensgründung aufgelegt worden. Die jungen Unternehmer können mit dieser Förderung ihren Beratungsbedarf bspw. zur Unternehmensführung, zur Betriebswirtschaft oder zur Einführung eines Qualitätsmanagementsystems finanzieren. Um an dieses KfW-Fördergeld zu kommen, muss der Unternehmer ein Gespräch mit der IHK führen. Erst mit Empfehlung der zuständigen IHK wird der Antrag bei der KfW bearbeitet.

Bild: geralt / pixabay.com

Knapp 2 Jahre nach der Einführung des Gründercoachings am 1.10.2008 wollen immer mehr IHK´s ein Stück vom Kuchen abhaben. Die einzelnen IHK´s berechnen den Gründern zusätzliche Gebühren für Ihre Beratungstätigkeit im Zusammenhang mit dem Antragsverfahren für das Gründercoaching. Unternehmer die glauben, mit Ihren jährlichen IHK-Beiträgen ist eine der Hauptaufgaben der IHK´s - nämlich die Beratung - bereits bezahlt, irren.

Welche zusätzlichen Gebühren kommen auf den Unternehmer zu?

Die IHK Berlin hat in Ihrer Mitteilung vom 23.08.2010 den gelisteten KfW-Beratern mitgeteilt:

Für die Bearbeitung von Anträgen von Angehörigen der freien Berufe, die ab dem 01. September 2010 bei der IHK Berlin eingehen, erheben wir ein Entgelt von 50,00 € zzgl. Mwst. Dieses ist nach Rechnungsstellung durch die IHK Berlin fällig. Den Ablauf entnehmen Sie bitte der beigefügten Tabelle. Die Bearbeitung von Anträgen von IHK-Mitgliedern erfolgt nach wie vor entgeltfrei.

weiter heißt es:

... nach erfolgter Bezahlung erfolgt die Empfehlung und Weiterleitung des Antrags an die KfW durch die IHK Berlin.

... erfolgt keine Zahlung, wird die Forderung des Entgelts ausgebucht und die Antragstellerin/ der Antragsteller erhält ihren/seinen Antrag zurück.

Im Klartext, wer zahlt bekommt eine Empfehlung, Unternehmer die die Gebühren nicht zahlen, erhalten ihren Antrag zurück.

Dabei verhält sich die IHK Berlin noch human. Sie verlangt nur Gebühren von den Nichtmitgliedern. Die IHK Erfurt bspw. verlangt auch von ihren Mitgliedern eine zusätzliche Gebühr in Höhe von 70,- Euro mit der Begründung, dass diese Beratungstätigkeit über das Übliche hinausgeht.

Die folgenden Unterlagen muss der Gründer zum Gespräch mit der IHK mitbringen:

   - Antragsunterlagen ausgedruckt
   - Gewerbeanmeldung in Kopie
   - ggf. Bescheinigung des Finanzamts über Nicht-Vorsteuerabzugsberechtigung
   - Original-Bewilligungsbescheid der Agentur für Arbeit, sofern Sie das Gründercoaching aus der Arbeitslosigkeit beantragen
    - Businessplan, sofern Sie innerhalb der ersten sechs Monate nachExistenzgründung den Antrag stellen, ansonsten BWA oder Jahresabschluss

Das Zusammenstellen dieser Unterlagen kostet den Unternehmer sicherlich weitere zwei bis drei Stunden. Bei einem kalkuliertem Stundenlohn von 30,- Euro schlagen für den Antrag weitere 90,- Euro zu Buche. 

Kosten für den Berater

Der Unternehmer kann sich einen zugelassenen KfW-Berater für seinen Beratungsbedarf aussuchen. Dieser Berater muss dann nach den Vorgaben der IHK einen Vertrag mit dem Unternehmer schließen. Zeitaufwand - mindestens eine Stunde.

Der detaillierte Abschlussbericht muss ebenfalls vom Berater formuliert werden. Der Zeitaufwand hierfür beträgt mindestens 3 Stunden. Bei einem Beraterhonorar von 100,- Euro die Stunde, muss der Unternehmer hier weitere 400,- Euro an Kosten einplanen.

Zusammenstellung der Kosten

70,- Euro IHK-Gebühr
90,- Euro Verdienstausfall des Unternehmers
400,- Euro Beratungsgebühren

Die Summe von 560,- Euro muss der Unternehmer als Nebenkosten für die Antragsbearbeitung berücksichtigen. Darüber hinaus muss er noch sämtliche Termine und Fristen überwachen, damit die Abwicklung der Zahlung schlussendliche reibungslos von statten geht.

Bürokratie vernichtet Geld

Die in Deutschland übliche Bürokratie vernichtet einen Teil der Beratungsförderung. Die KfW hat sich die IHK mit ins Boot geholt um die Unternehmer und ihr Konzept wirksam beurteilen zu können.

Die IHK hat es in nicht einmal 2 Jahren geschafft aus dem Antrags- und Bewilligungsverfahren zum Gründercoaching Deutschland ein mit Terminen und Fristen gespicktes Bürokratiemonster zu erschaffen, das Seinesgleichen sucht.

Aber, der Nachweis der eigenen Existenzberechtigung ist erbracht.

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