Seriöses Angebot oder Abzocke? Unser Urteil über Namion

Auf den ersten Blick bietet Namion ein wirklich gut konzipiertes Produkt auf. Die Namensfinder können gutes Geld verdienen und die Auftraggeber sparen sich im Vergleich zum professionellen Werbetexter sehr viel Geld. Allerdings haben wir bei unserer Prüfung und unserem Test einige Sachverhalte gefunden, die uns ein wenig Kopfzerbrechen machen.

Bild: Samuel1983 / pixabay.com

1. Problem: Masse statt Klasse

Dadurch, dass sich teilweise sehr viele Namensfinder an den Ausschreibungen beteiligten, kommt eine große Anzahl an Vorschlägen zustande. Wenn man sich als Auftraggeber durch hunderte Vorschläge wühlen muss, verliert man irgendwann das Gefühl dafür, was gut klingt, was einem im Gedächtnis bleibt und was eine Botschaft übermittelt. Bei einem professionellen Werbetexter bekommt man nicht umsonst im Regelfall höchstens fünf bis zehn Vorschläge. Die Qualität lässt sich durch diese Masse bei Namion sicherlich nicht steigern.

2. Problem: Vorkasse

Bei Namion hat der Auftraggeber Vorkasse zu leisten. Das an und für sich wäre nicht das Problem. Allerdings weiß man im Vorfeld noch nicht, ob überhaupt geeignete Vorschläge in ausreichender Anzahl eingehen. Wenn dann kein Vorschlag ausgewählt wird, muss der Auftraggeber seiner Rückerstattung „hinterherlaufen“. Dies weckt nicht gerade Vertrauen.

3. Problem: Keine rechtliche Prüfung

Namion überprüft zwar automatisiert, ob die URLs, die zum Vorschlag passen, noch frei sind. Ob ein Begriff jedoch bereits als Marke registriert ist, wird nicht geprüft. Unter Umständen kann es Ihnen als Auftraggeber passieren, dass Sie einen Firmennamen annehmen, der Ihnen zwar gefällt, der aber schon vergeben und daher nicht nutzbar ist. Für Markenrechtsverletzungen haften Sie im Endeffekt selbst.

4. Problem: Unregelmäßigkeiten bei der Auszahlung

Leider gab es lange Zeit Probleme mit der Auszahlung an die Texter. Wir haben im Netz zahlreiche Erfahrungsberichte verärgerter Namensfinder gefunden, die monatelang um ihre Auszahlungen bangen und „betteln“ mussten. Im Texter-Forum texter.me äußerte sich der Namion-Support Anfang 2010 zu dieser Problematik und schob es auf technische Probleme, die jedoch in absehbarer Zeit erledigt sein sollten. Die Kommentare unter einem Artikel über Namion auf Pagewizz, die über ein Jahr später, im August 2011, eingegangen sind, zeigen, dass sich zumindest bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Besserung eingestellt hatte. Wie der Stand diesbezüglich momentan ist, konnten wir nicht in Erfahrung bringen – doch die Tendenz scheint eher negativ zu sein.

5. Problem: Übertragung der Nutzungsrechte

Die Übertragung der Nutzungsrechte an den Namensvorschlägen erfolgt mit Bezahlung der Texter. Was passiert jedoch mit den Rechten, wenn Namion die Honorare nicht an die Texter auszahlt? Ein wirksamer Übergang kommt so im Regelfall nicht zustande. So kann es dem Auftraggeber theoretisch, dass er unwissentlich eine Urheberrechtsverletzung begeht, weil er einen Slogan oder Namen nutzt, an dem er keine Rechte besitzt.

Fazit

Die Idee von Namion ist zwar gut, aber lässt in der Praxis sehr zu wünschen übrig. Besonders die rechtlichen Problematiken und die sehr schleppende Auszahlung der Texterhonorare lassen den Dienst eher unzuverlässig wirken. Inzwischen gibt es bereits weitere Nachahmer mit einem ähnlichen Konzept, beispielsweise 12designer.com oder designenlassen.de. Eventuell könnte es sich lohnen, sich diese Dienste einmal genauer anzusehen, bevor Sie sich für einen entscheiden, dem Sie die Suche nach Ihrem Firmen- oder Produktnamen anvertrauen möchten.

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