Private Nutzung als Kleinunternehmer - Auswirkung auf den Gesamtumsatz

Ein großer Anteil von Existenzgründung nutzt in den ersten Geschäftsjahren die Vorteile der Kleinunternehmerregelung. Besonders häufig sind Kleinunternehmer im Nebengewerbe bzw. in der nebenberuflichen Selbständigkeit zu finden. Daher ist die Frage: "Welche Umsätze zählen zum Gesamtumsatz von Kleinunternehmern?", für eine große Gruppe von Gründern enorm wichtig.

Bild: StartupStockPhotos / pixabay.com

Bis zu welchem Umsatz kann die Kleinunternehmerregelung angewendet werden?

Jeweils zum Jahresanfang muss ein Kleinunternehmer prüfen, ob sein Gesamtumsatz im Vorjahr unter 17.500 Euro lag und der Gesamtumsatz im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich unter 50.000 Euro liegt. nur dann kann der Unternehmer die Kleinunternehmerregelung weiter anwenden. Die Schwierigkeit dieser Prüfung ist mit der Definition des Gesamtumsatzes begründet. Nur die wenigsten Kleinunternehmer wissen, welche Umsätze zum Gesamtumsatz zählen.

Ausführlich erläutert unser Video die Kleinunternehmerregelung.

Umsätze, die zum Gesamtumsatz zählen

Im §19 UStG wird der Umsatz von Kleinunternehmern folgendermaßen definiert:

Umsatz im Sinne des Satzes 1 ist der nach vereinnahmten Entgelten bemessene Gesamtumsatz, gekürzt um die darin enthaltenen Umsätze von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens

Nach dem Wortlaut des Gesetzes müssten demzufolge alle Einnahmen des Kleinunternehmers zum Gesamtumsatz zählen. Ausgenommen vom Gesamtumsatz sind lediglich Einnahmen aus dem Verkauf von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens. Eine lange Zeit waren sich Fachleute uneins, ob die private Nutzung von betrieblichen Gegenständen ebenfalls dem Gesamtumsatz hinzuzurechnen wäre. Diese Frage hat nun der BFH einem Urteil geklärt.

Private Nutzung erhöht nicht den Gesamtumsatz

Das BFH-Urteil vom 15.9.2011, V R 12/11 kommt Kleinunternehmern zu Gute. Die Richter haben entschieden, dass die private Nutzung betrieblicher Gegenstände nicht zum Gesamtumsatz hinzugerechnet werden muss. In der Begründung des Urteils heißt es, da Kleinunternehmer aus den Ausgaben bei der Anschaffung keinen Vorsteuerabzug geltend machen können, darf die private Nutzung auch nicht beim Gesamtumsatz berücksichtigt werden. Dieses Urteil betrifft in der Regel die private Nutzung eines betrieblichen Pkw und die Privatnutzung des Telefons.

Beispiel

Der Gesamtumsatz eines Kleinunternehmers betrug im Vorjahr 16.000 Euro. Zum Betriebsvermögen des Kleinunternehmers zählt ein Pkw. Der Bruttolistenpreis dieses Wagens ist mit 20.000 Euro festgeschrieben. Bei der Nutzung der 1% Regelung werden 2.000 Euro (20.000 Euro x 1%) dem Gewinn hinzugerechnet. Diese Hinzurechnung unterbleibt jedoch bei der Ermittlung des Gesamtumsatzes für die Prüfung der Kleinunternehmerreggelung. Der Gesamtumsatz erhöht sich demzufolge nicht auf 18.000 Euro, sondern bleibt bei 16.000 Euro. Durch das Urteil des BFH ist die Erhöhung also ausgeschlossen und der Kleinunternehmerstatus bleibt erhalten.

Ist die Rückkehr zur Kleinunternehmererholung von diesem Urteil auch betroffen?

Bei der Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung kommt dieses Urteil nicht zur Anwendung. Umsatzsteuerpflichtige Unternehmer konnten bei Anschaffung die Vorsteuer geltend machen. Daher zählt bei ihnen die private Nutzung von betrieblichen Gegenständen mit zum Gesamtumsatz.

Beispiel

Ähnlich wie im oben genannten Beispielen hat ein umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer einen Gesamtumsatz von 16.000 Euro. Die private Nutzung des Firmen Pkws wird wieder mit 2.000 Euro dem Gewinn hinzugerechnet. Da dieser Unternehmer aus den Kosten für die Anschaffung des Pkw die Vorsteuer geltend machen konnte, zählen die 2.000 Euro mit zum Gesamtumsatz. Damit erhöht sich der Gesamtumsatz auf 18.000 Euro und einer Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung ist nicht möglich.



Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!