Kultur- und Kreativwirtschaft - ein echter Wirtschaftsfaktor

In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaft zu einem der dynamischsten Wirtschaftszweige weltweit entwickelt. Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung in Deutschland betrug im Jahr 2011 ungefähr 63 Milliarden Euro, das sind 2,4 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Damit ist die Kultur- und Kreativwirtschaft vergleichbar mit den großen Industriesektoren Automobil, Maschinenbau und Chemie.

Bild: BMWi

Branchen mit Zukunft

Die meisten Kultur- und Kreativschaffenden sind freiberuflich tätig oder in Klein- und Kleinstbetrieben. Insgesamt gibt es elf Teilbranchen oder -bereiche, die der Kultur- und Kreativwirtschaft zugeteilt werden. Bund und Länder haben sich dabei an der Definition der Enquête-Kommission "Kultur in Deutschland" orientiert.Die Teilmärkte Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architekturmarkt und Pressemarkt werden unter dem Begriff "Kulturwirtschaft" zusammengefasst. Zusätzlich sind die beiden Teilmärkte Werbemarkt sowie Software/Games-Industrie als sogenannte Kreativbranchen mit einbezogen. In den Bereich "Sonstige" können ggf. neue wirtschaftliche Aktivitäten eingebunden werden. Die deutsche Abgrenzung ist sowohl mit den europäischen Abgrenzungen als auch mit denen der UNESCO kompatibel.

Kultur- und Kreativwirtschaft wird Standortfaktor

Viele Kommunen und Regionen erkennen die wachsende Bedeutung der Branche an und schaffen spezielle Förderprogramme für Kultur- und Kreativschaffende, die zugleich auch als Wirtschaftsförderung gelten. Es werden Beratungsstellen eingerichtet, bei denen sich Kultur- und Kreativwirtschaftler über Fördermöglichkeiten beraten lassen können. Auch der Bund ist nicht untätig geblieben und hat dieOpens external link in new window Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung ins Leben gerufen. Hier können sich Kreativwirtschaftler informieren und die jeweiligen Ansprechpartner ihres Bundeslandes kontaktieren. Diese Beratungsstellen und Kompetenzentren sind auf die Bedürfnisse der Kulturschaffenden abgestimmt worden, da sich viele von den "klassischen" Anlaufstellen für Gründerinnen, Gründer und Unternehmer nicht entsprechend vertreten fühlen. Die Bundesregierung hat daher mit dem Opens external link in new windowKompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft eine bundesweite Anlaufstelle für Selbständige sowie kreative Unternehmerinnen und Unternehmer der Kultur- und Kreativwirtschaft geschaffen.

Verbindung zwischen Moderne und Tradition

Die Kultur- und Kreativwirtschaft verbindet traditionelle Wirtschaftsbereiche, neue Technologien und moderne Informations- und Kommunikationsformen. Insbesondere die Software-/Games-Industrie zeigt durch die Vernetzung der verschiedenen kulturellen Sparten wie Film, Video, Musik, Text oder auch Animation das besondere Potential der Kultur- und Kreativwirtschaft. Zudem hat sie Modellcharakter für zukünftige Arbeits- und Lebensformen: als Teil einer zukunftsweisenden wissens- und contentorientierten Gesellschaft. Die Bundesinitiative hat dies so zusammen gefasst:

  • Die Kultur- und Kreativwirtschaft arbeitet schon heute in zukunftsorientierten Arbeits- und Geschäftsmodellen. Aufgrund der Produktionsweise z.B. in hybriden Arbeitsformen und einer im wesentlichen contentorientierten Produktion vieler Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft ist die Branche ein Vorreiter auf dem Weg in eine wissensbasierte Ökonomie in Deutschland.

  • In Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft bestehen sehr kurze Innovationszyklen für einzelne Produkte. Innovationsorientierte Geschäftsmodelle, die in der betriebswirtschaftlichen Finanzierung im Hochrisikobereich eingestuft werden, benötigen eine spezifische Unterstützung. Eine Wirtschaftspolitik mit dem Ziel der Unterstützung der Innovationskraft benötigt darauf abgestimmte Förderinstrumente.

  • Wesentliche Produkttypen der Kultur- und Kreativwirtschaft sind Prototypen, Einzelanfertigungen, Kleinstserien und immaterielle Produkte. Die Art der Produktion sowie die Beschaffenheit der Produkte in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind wesentliche Charakteristika einer wissensbasierten Ökonomie. 

  • Sich schnell wandelnde Beschäftigungsverhältnisse und sich ständig verändernde Tätigkeitsfelder und Berufsbilder sind wesentliche Merkmale der Branche. Daher kann sie auch hier mit der ihr eigenen Beschäftigungsstruktur einen Modellcharakter für die Entwicklung in klassischen Branchen übernehmen, in denen z.B. Freiberufler und Einzelunternehmer in Zukunft eine zunehmend wachsende Bedeutung erlangen werden. 

  • Fast alle Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft nutzen moderne Technologien, allen voran Informations- und Kommunikationstechnologien. Sie sind nicht nur passive Technologienutzer, sondern geben den Technologieherstellern und -entwicklern immer wieder Impulse für neue Technologievarianten.

Becher mit Stiften, Schere und Lineal

Vernetzen auf allen Ebenen

In vielen deutschen Städten vernetzen sich die Kreativschaffenden virtuell und auch räumlich. Neben den virtuellen Netzen im Internet, regelmäßigen Treffen und Veranstaltungsreihen entstehen auch Zentren der Kultur- und Kreativwirtschaft. Hier arbeiten die Betreffenden branchenunabhängig Raum an Raum. In fast allen größeren Städten in deutschland sind in den vergangenen Jahren solche Zentren entstanden oder sind am Entstehen. Dazu werden Gebäude angemietet, die den kreativen Austausch der Mieter untereinander fördert und auch eine entsprechende Außenwahrnehmung bei potentiellen Kunden schaffen. Viele Kultur- und Kreativschaffenden arbeiten nach wie vor im Homeoffice (Gründerlexikon berichtet) oder in kleinen Bürogemeinschaften. Durch die Gründung von Kreativwirtschaftszentren wird durch die gemeinsame Nutzung von Büro und Arbeitsflächen ein kreativer Austausch befeuert. Und so entsteht neben den gesellschaftlichen Aspekten auch ein kreativer, produktiver Austausch, der nicht selten in gemeinsam erarbeiteten Projekten mündet.



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