Immigrant ernährt sich und seine Familie durch einen Pizzadienst - Asylant erhält Arbeitserlaubnis

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es rund sieben Millionen Ausländer. Ein Bruchteil davon ist als Asylant oder politischer Flüchtling im Land. Die Mehrzahl der Immigranten kommt, um hier auf Dauer zu leben und zu arbeiten. Den größten Anteil unter den Ausländern nehmen die türkischen Staatsbürger ein. Es sind etwa 1,6 Millionen. Diese Zahl ist das Ergebnis eines politisch gewollten Immigrationsprozesses in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Türken wurden gebraucht, um den Hunger der westdeutschen Wirtschaft nach Arbeitskräften zu stillen.

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Die Situation zu Beginn des 21. Jahrhundert

Entgegen der politischen Erwartungen sind aus den „Gastarbeitern“, von denen man annahm, sie würden vielleicht zehn Jahre bleiben, Mitbürger auf Dauer geworden. Sie haben sich in der Bundesrepublik Existenzen aufgebaut, nicht selten die Staatsbürgerschaft erworben (jedes Jahr werden rund 100.000 Ausländer eingebürgert) und sich mit ihren Familien niedergelassen. Dieser Umstand stellte das Land vor unerwartete politische, kulturelle, vor allem aber auch wirtschaftliche Probleme. Neue Immigranten – seien sie Kinder der ehemaligen Gastarbeiter, Verwandte, der hier niedergelassenen Ausländer (oder inzwischen Mitbürger) oder Personen, die ohne vorherige Verbindung nach Deutschland, in die Bundesrepublik einwandern möchten – erwartet nicht mehr dieses reichhaltige Angebot an Arbeitsplätzen, dass die Politik einst dazu animierte, nach Pizza mit PizzaofenGastarbeitern zu suchen. Einwanderer stehen unter großem Druck, andere Formen der Beschäftigungen zu finden, denn die 230 Euro monatliche Beihilfe, die ihnen der Staat bezahlt, reichen kaum zum Überleben. Nicht selten endet diese Suche nach einer Lösung in einer Existenzgründergeschichte.

Vom Flüchtling zum Pizzabäcker und schließlich zum erfolgreichen Existenzgründer

Im Jahr 1999 kam ein Mann mitsamt seiner Familie aus Kurdistan nach Deutschland. Im Rahmen des Prozesses gegen PKK-Chef Abdullah Öcalan kam es zu dieser Zeit in der Türkei zu einigen Ausschreitungen, vor denen er floh. Deutschland gewährte ihm und seiner Familie Asyl, dass später in eine „Duldung“ umgewandelt wurde. Was der Mann damals nicht wusste: Asylanten haben in der Bundesrepublik keine Arbeitserlaubnis, geduldeten Personen kann sie jederzeit entzogen werden. Unter diesen rechtlichen Bedingungen irgendwo eine Anstellung zu finden, ist fast unmöglich. Die Familie kam bei Freunden unter und der Mann entschloss sich, das zu tun, womit er schon in der Türkei seinen Lebensunterhalt verdient hatte: Er kochte. Er fand bei einem Bekannten eine befristete Anstellung in einem Döner-Restaurant. In dieser Zeit lernte er viel über die deutschen Vorschriften für die Zulassung eines Gewerbes, die Gewerbeanmeldung, welche Gesundheitsrichtlinien gelten und wie man eigentlich seine Steuern bezahlt.

Existenzgründung Pizzaria

Dieses Wissen erwies sich im Jahr 2003 als nützlich. Die gesamte Familie erhielt in diesem Jahr eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, nachdem der Mann nachweisen konnte, dass er zum einen abgeschlossene Berufsausbildung besitzt und zum anderen seit drei Jahren keinen Cent vom Staat brauchte, sondern sich und seine Familie selbst ernährte. Ausgerüstet mit seinem neuen rechtlichen Status überzeugte er eine Bank von einem Gründungskredit und eröffnete den Ritterhuder Pizzaservice www.ritterhuder-pizzaservice.com. Die ersten Räumlichkeiten, in denen das neue Unternehmen seine Heimstatt fand, waren klein und reichten kaum für die Küche. Doch das Konzept, eine breitere Speisekarte als die Konkurrenz anzubieten, erwies sich als Erfolg. In einer Zeit, als dies noch nicht üblich war, konnten die Kunden bereits Pasta, griechische undtürkische Spezialitäten und Baguettes zusätzlich zum reichhaltigen Pizzaangebot ordern. Nach einem Jahr konnte der Mann seiner Familie ein Haus kaufen. Er beschäftigte inzwischen drei Köche und vier Fahrer. Im Jahr 2007 war das Unternehmen so erfolgreich, dass der Mann beschloss, ein komplett neues Haus für seinen Pizzaservice zu errichten, indem auch Platz für einen kleinen Restaurantbereich war. Inzwischen beschäftigt er zehn fest eingestellte Mitarbeiter und diverse Schüler und Studenten, die mit den Pizzafahrten ihr Budget aufbessern. Fazit Der Glaube an sich und sein Können, eine durchdachte Geschäftsidee und Innovationen führen in der Existenzgründung zum Ziel. Dabei ist es in Deutschland unerheblich, ob der Existenzgründer ein Ausländer ist oder nicht.

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