Gründungserfolg hängt von den Motiven zur Gründung ab

Die Politik ebenso wie die Gesellschaft sind sich einig: Eine Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus ist häufig nur eine Notgründung und daher meistens keinen wirklichen Erfolg. Die Wahrheit allerdings sieht anders aus, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, kurz DIW, unter der Leitung von Alexander Kritikos und Marco Caliendo bestätigt.

Bild: annca / pixabay.com

Motive für die Gründung wurden erfasst

Zu Beginn der Studie wurden Gründer aus dem Jahr 2003 zu ihren Motiven für die Gründung befragt. Dabei waren folgende Antwortmöglichkeiten vorgegeben:

  1. Die Arbeitslosigkeit sollte beendet werden.
  2. Erste Kunden waren schon vorhanden.
  3. Der Wunsch, sein eigener Chef zu sein, bestand schon länger.
  4. Der Anspruch auf Arbeitslosigkeit sollte auslaufen.
  5. Es wurde eine Marktlücke entdeckt.
  6. Der Berater in der Arbeitsagentur hatte zur Gründung geraten.

Aufgrund dieser Motive für die Gründung wurden drei große Gruppen gebildet. Betrachtet wurde die Hauptgruppe der Befragten, etwa 1.900 Männer aus Westdeutschland, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. Die drei Gruppen waren

  • Push-Gründer,
  • Pull-Gründer und
  • Push-Pull-Gründer, also gemischte Typen.

Als Push-Gründer wurden diejenigen bezeichnet, die tatsächlich eine Notgründung durchführten, um die Arbeitslosigkeit zu beenden. Als Pull-Gründer kamen diejenigen Gründer in Frage, die zielorientiert an einem hohen Erfolg ihrer Gründung arbeiteten und die dritte Gruppe der gemischten Gründer wurde von beiden Motiven beeinflusst.

Während die Push-Gründer nur 12 Prozent ausmachten, waren es bei den Pull-Gründern 16 Prozent. Die größte Gruppe mit 72 Prozent machten aber die gemischten Typen aus.

Erfolgsaussichten für Push- und Pull-Gründer

In der erwähnten Studie wurden die Gründer sowohl zum Start ihrer Selbstständigkeit, als auch 1,5 Jahre, 2,5 Jahre und fünf Jahre nach der Gründung befragt. Daraus ergibt sich folgendes Bild für den Erfolg: Absolut waren 60 bis 70 Prozent der Gründer auch nach fünf Jahren noch selbstständig, immerhin 20 Prozent hatten wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen und nur zehn Prozent haben sich erneut arbeitslos gemeldet. Im Gegensatz dazu steht eine Gruppe Arbeitsloser, die weiterhin nach einer geeigneten Stelle suchte, aber im Durchschnitt höhere Arbeitslosenquoten und ein deutlich geringeres Einkommen aufwies.

Push-Gründer suchten die Selbstständigkeit nach Angaben der Studie in Branchen, die sie bisher nicht kannten und scheiterten deshalb recht häufig mit ihrer Gründung. Die Pull-Gründer haben ebenfalls einige Fehler gemacht, sie nahmen kaum externe Beratungen und Coachings an, wogegen die gemischten Typen diese nutzten.

Im Hinblick auf die geschaffenen Arbeitsplätze konnten die Pull-Typen im Schnitt 4,2 neue Arbeitsplätze schaffen, bei den gemischten Typen waren es 3,5 neue Arbeitsplätze und bei den Push-Gründern wurden lediglich 2,8 Arbeitsplätze geschaffen. Das zeigt ebenfalls, dass die Gruppe der Pull-Gründer und der gemischten Typen größere Erfolge verbuchen konnten.

Kapitaleinsatz und Altersstruktur

Ähnlich sah es beim Kapitaleinsatz aus. Hier investierten die Pull-Gründer am häufigsten Summen über 10.000 Euro, während die gemischten Typen und die Push-Gründer am häufigsten ohne Kapitaleinsatz gründeten.

Die reinen Pull-Gründer waren im Durchschnitt 35,8 Jahre alt, die gemischten Typen 39 Jahre und die Push-Gründer schon 40,9 Jahre. Demnach zeigt sich, dass jüngere Menschen in der Regel motivierter sind, sich eine eigene Existenz aufzubauen.



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