Gründen Frauen anders? - Exisa gibt Auskunft

Bild: www.exisa-frauen.de

Der Anteil der Frauen bei Existenzgründungen liegt seit Jahren um die 40%. Im Jahr 2011 erreichte er immerhin 41,5%. Das wirft doch einige Fragen auf:
 

  • Sind Frauen ängstlicher oder nur vorsichtiger beim Gründen?
  • Gibt es zu wenig Branchen, in denen sich Frauen selbsständig machen könnten?
  • Brauchen Frauen vielleicht spezielle Betreuung?
  • Wie sieht es mit den Erfolgschancen aus? 

Spezielle Gründerberatung für Frauen

In Sachsen-Anhalt gibt es das Projekt "Exisa" (Existenzgründerinnen in Sachsen-Anhalt), dass sich speziell um die Beratung und Betreuung von Gründerinnen kümmert. Hier haben wir nachgefragt und Herr Philipp Munk hat uns Rede und Antwort gestanden:  

1. Herr Munk, gehen wir zunächst auf das Gründergeschehen allgemein ein. Wie hoch ist der Anteil der Frauen an den Existenzgründungen in Sachsen-Anhalt?

Gerne. Mit Zahlen belegt sieht es aktuell so aus, dass ca. ein gutes Drittel der Neugründungen durch Frauen erfolgen, während männliche Neugründungen mit zwei Dritteln noch deutlich in der Mehrheit sind. Hier gibt es also noch Handlungsbedarf.


2. Daher ist also ExiSA entstanden?

Genau, vor diesem Hintergrund wurde das vom Land Sachsen-Anhalt und der EU geförderte Projekt „ExiSA - Existenzgründerinnen in Sachsen-Anhalt“ vom Bildungswerk der Wirtschaft Sachsen-Anhalt e. V. ins Leben gerufen, das Frauen die Chance gibt die Existenzgründung für sich zu erschließen und auf den Weg in die Selbstständigkeit unterstützt. Denn besonders Frauen bietet die Existenzgründung vielfältige Möglichkeiten ihre Vorstellungen von Beruf, Karriere und Privatleben nach eigenen Wünschen zu gestalten – ganz abgesehen von dem Argument, dass Frauen erfolgreich und nachhaltig gründen. 

3. In welchen Bereichen gründen Frauen, gibt es da überhaupt einen Unterschied?

Die Neugründungen von Frauen unterscheiden sich tatsächlich von denen der Männer. Leider muss ich sagen, dass es hier noch traditionelle Rollenverteilungen gibt. So ist z.B. der weibliche Anteil an Selbstständigen im produzierenden Gewerbe massiv geringer als der der Männer. Im Handel, Gastgewerbe und Verkehr liegen die Frauen etwa im Durchschnitt, während bei den Dienstleistungen der Anteil der selbständigen Frauen klar zunimmt. Frauen gründen oftmals in Bereichen, die weniger kapitalintensiv und damit scheinbar weniger „riskant“ sind. Hier deutet sich allerdings in den letzten beiden Jahrzehnten ein positiver Trend an und wir hoffen, dass dieser auch durch solche Gründungsinitiativen wie ExiSA weiter bestärkt werden kann.

Branchenverteilung bei Gründungen nach Geschlecht bis 2010
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
 

4. Frauen scheinen also etwas vorsichtiger zu sein. Ist das begründet? Gibt es zum Beispiel Branchen, die eine besonders hohe Insolvenzquote verzeichnen und spielt der Genderaspekt hier eine Rolle?

Gut die Hälfte der Unternehmensinsolvenzen ist im Dienstleistungsbereich zu finden. Das liegt
allerdings nicht zuletzt daran, dass die bisher getätigten Investitionen in dieser Branche
vergleichsweise gering waren - die Austrittsschwelle also geringer ist. Gründe für eine
Unternehmensaufgabe sind aber oftmals branchenunabhängig: finanzielle Engpässe,
unternehmerische Fehlentscheidungen und Probleme auf dem Markt sind die häufigsten
UrsachenDaher kommt es auf eine optimale Planung im Vorfeld an. ExiSA bereitet angehende
Gründerinnen daher intensiv auf den Markteintritt vor.  Interessanterweise gibt es aber hier tatsächlich Unterschiede in der Nachhaltigkeit zwischen Männern und Frauen. So liegen die Insolvenzquoten der Frauen allgemein merklich unter denen der Männer. Ein Grund mehr also die berufliche Selbstständigkeit von Frauen zu fördern.
 

5. Und wie sieht das spezielle Beratungs- und Förderangebot von ExiSA aus? Was muss
Frau denn mitbringen?


Zunächst sei gesagt, dass wir, im Gegensatz zu anderen Gründungsprojekten, einen sehr frühen
Ansatz verfolgen. Streng genommen brauchen Frauen bei uns keine ausformulierte Geschäftsidee
oder einen fertigen Businessplan, sondern müssen lediglich der beruflichen Selbstständigkeit
gegenüber aufgeschlossen sein. Wenn es dann konkreter wird, führen wir mit jeder Teilnehmerin eine individuelle Persönlichkeitsanalyse durch, mit Hilfe derer wir die Potenziale der Frauen sichtbar machen, um anschließend ein maßgeschneidertes Angebot zu entwickeln. In den darauf aufbauenden Wissensmodulen können die Teilnehmerinnen zielgerichtet soziale und unternehmerische Kompetenzen erwerben – vom Unternehmenskonzept bis zum Selbstmarketing. Über eine interaktive Online-Plattform mit Möglichkeiten zum e-Learning, durch Patenschaften und Gesprächsrunden mit Unternehmerinnen können weiterhin Erfahrungen ausgetauscht sowie Kontakte geknüpft werden. Wir geben den Frauen also alles an die Hand, was für einen erfolgreichen Start benötigt wird.


6. Kommen wir doch noch einmal darauf zurück, dass Sie nur Frauen betreuen. Brauchen Frauen mehr Beratung?  Oder andere Beratung?


Gründungsinitiativen für Frauen, wie ExiSA, wollen natürlich den Anteil der weiblichen Gründungen
anheben. Das Projekt ExiSA, das sollte betont werden, verfolgt dabei keinen defizitorientierten Ansatz, bei dem davon ausgegangen wird, dass Frauen aufgrund mangelnder Fachkenntnisse, zu geringer Risikobereitschaft oder aufgrund mangelndem Selbstbewusstsein weniger gründen. Vielmehr ist es doch so, dass sich die Beweggründe für eine Existenzgründung bei Frauen unterscheiden. Neben den klassischen Motiven, wie das Streben nach Unabhängigkeit, der Wille die Gründungsidee umzusetzen oder berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu verfolgen, spielen bei Frauen noch andere Hintergründe eine Rolle. So sind flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit am Wohnort zu bleiben oder die Chance Familie und Beruf besser zu vereinen Beweggründe, die typischerweise von Frauen besetzt werden.


7. Frauen gründen also anders?
 

Ganz genau. Sowohl die eben angesprochene Motivation unterscheidet sich zu den männlichen Gründungen als auch der Gründungsverlauf an sich. Frauen nehmen sich mehr Zeit in der Vorgründungsphase, wollen gut aufgestellt und vorbereitet sein. Daher setzt ExiSA mit den Beratungsinhalten nicht nur auf die Aneignung von unternehmerischem Fachwissen, sondern qualifiziert Frauen auch in den Themen wie Selbstmarketing, Kommunikationstraining oder auch Work-Life-Balance.


8. Gibt es für Frauen auch andere Fördermittel und Zuschüsse als für Männer?
 

Neben den Existenzgründungsprojekten wie ExiSA, die sich speziell um die Belange der Frauen
kümmern, stehen die allgemeinen weiteren Förderangebote natürlich auch Männern zur Verfügung.
An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal betonen, dass wir bei ExiSA zwar ausschließlich Frauen als Teilnehmerinnen betreuen, aber Männer ebenfalls kompetent durch das Bildungswerk der Wirtschaft Sachsen-Anhalt e. V. begleitet werden können.
 

9. Zum Abschluss: Wie können gründungsinteressierte Frauen Kontakt mit Ihnen aufnehmen und sich umfassend beraten lassen?
 

Einen ersten umfassenden Überblick zu ExiSA finden Interessierte auf unserer Webseite www.exisa-frauen.de. Als Ansprechpartner stehen Ihnen meine Kollegin Karolin Schulze sowie ich, Philipp Munk, auch gerne persönlich zur Verfügung. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer 0391 74469619 sowie per Email über info@exisa-frauen.de.

Wer sich einen lebendigen Eindruck von ExiSA und der Existenzgründung verschaffen will, ist herzlich zu unserer nächsten Workshopreihe "Erfolgreich gründen: 10 Schritte in die Selbstständigkeit" eingeladen. Termine finden Sie hier.

Vielen Dank Herr Munk, für die interessanten Ausführungen.   

Und falls Sie Unterstützung ih Ihrer Nähe suchen, das Gründerlexikon hat bereits einige weitere 



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