Finanzierungsarten: was Du heute kannst besorgen...

Bild: Torsten Montag / Gründerlexikon

Das Portfolio der Finanzierungsarten

Schon vor einigen Wochen zeigten wir, weshalb in der Kostenrechnung die zugrundeliegenden Definitionen von so großer Wichtigkeit sind. Was in der LMN- und LMI-Debatte bedeutsam ist, spielt aber auch im Bereich der Finanzierungstheorie eine Rolle: elementare Definitionen sind nicht alles, aber ohne solche Definitionen ist alles nichts. Schauen wir also mal etwas genauer hin:

Finanzierung, so muß man zunächst wissen, ist die kaufmännische Bereitstellung von wirtschaftlichen Mitteln. Über die Mittelherkunft wird aber auf der Passivseite der Bilanz Rechenschaft gelegt: wer also über den Ausweis der Passiva bescheid weiß, hat vielleicht noch nicht den Krieg, mindestens aber eine Schlacht gewonnen, und ein Dozent, der ohne Vorkenntnisse im Bereich der Bilanzierung zu vermitteln (oder diese voraussetzen zu können) gleich in die Finanzierungstheorie einsteigt, begeht einen schweren Fehler.

Der reine bilanzielle Ausweis des Kapitals genügt aber nicht für die Anforderungen der Finanzierungstheorie, denn deren oberstes Ziel ist es, Mittel so bereitzustellen, wie es die jeweilige Situation des Unternehmens erfordert. Man muß also weiter differenzieren - und genau das ist die Aufgabe des nebenstehenden Portfolios der Finanzierungsarten. Anders als es im bilanziellen Kontext der Fall ist, wo die Unterscheidung nach Eigen- oder Fremdkapital die einzige grundlegende Differenzierung ist, wird hier nach Mittelherkunft und Mittelgeberherkunft differenziert.

Die Mittelherkunft fragt danach, wo die Geldmittel selbst herkommen. Stammen sie dem Unternehmen, so spricht man von Innenfinanzierung; kommen sie von außen, so handelt es sich um Außenfinanierung.

Nach Herkunft der Mittelgeber zu unterscheiden bedeutet zu hinterfragen, welche Rechtsstellung die Personen haben, von denen die Mittel stammen: nur Gesellschafter sind hierbei "intern", so daß die Finanzierung durch Kapitaleinlagen ebenso wie die aus Gewinnthesaurierung als Eigenfinanzierung betrachtet wird und die Finanzierung durch externe Kreditgeber, seien es Banken (Kredite und Darlehen) oder Mitarbeiter (Pensionsrückstellungen) stets als Fremdfinanzierung gilt.

Hier aber ist der Ansatz zu einer Vielzahl schöner Prüfungsfragen: So beruht der Grundgedanke des Leverage Effects auf der Unterscheidung nach Herkunft der Mittelgeber (das kann man auswendig lernen), aber die Einordnung von Venture Capital Instrumenten kann sehr schwierig sein und stellt hohe Anforderungen an den Prüfungsteilnehmer (nix für Auswendiglerner). Noch schöner sind komplexe Konstruktionen wie etwa bei den ABS-Transaktionen...

"Was Du heute kannst besorgen", so weiß ein altes Sprichwort, "das verschiebe gleich auf morgen" (oder mindestens so ähnlich). Nicht verschieben sollte es der Leser, sich über die grundlegenden Definitionen der Finanzierungstheorie schlauzumachen, insbesondere dann, wenn ein Prüfungstermin in den Augen brennt: da wird sowas nämlich selten nachgefragt, aber es ist sehr oft der Schlüssel zu einer Vielzahl bilanzpolitischer Entscheidungen.

 

Links zum Thema: Häufige Irrtümer: warum nicht alles, was veränderlich ist, auch variabel ist | LMI und LMN: überflüssige Definitionen in der Prozeßkostenrechnung | Wann Verschuldung sich lohnt | Was nach den Krediten kommt... | Was sind eigentlich ABS-Transaktionen? | Controlling: Das Grundmodell nach Horváth und die Folgen (interne Links)



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