Fehlgeschlagene Existenzgründung: Kosten steuerlich absetzbar?

Wer sich zur Existenzgründung entschließt, benötigt nicht nur eine Portion Mut, Ehrgeiz und Ausdauer, sondern vor allem das nötige Kleingeld. Nicht selten scheitert eine Existenzgründung, weil es an den finanziellen Mitteln fehlt. Das Finanzgericht (FG) Hamburg hat in diesem Zusammenhang entschieden, dass die Kosten für einen gescheiterten Kauf von GmbH-Anteilen zum Zwecke der Existenzgründung nicht als Werbungskosten von der Steuer abgezogen werden können.

Bild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Gescheiterter Kauf von GmbH-Anteilen

Ein Arbeitnehmer wollte sich selbstständig machen und plante, sämtliche Anteile der A-GmbH zu erwerben und deren Alleingeschäftsführer zu werden. Um seine persönliche Haftung zu begrenzen, beabsichtigte der Existenzgründer, zusätzlich die B-GmbH zu gründen, die das Darlehen aufnehmen sollte, um den Erwerb der A-GmbH-Anteile zu finanzieren. Des Weiteren tätigte er Aufwendungen für z. B. eine Finanzierungs- und Steuerberatung. Diese Ausgaben wollte er, nachdem letzten Endes die Kaufbemühungen gescheitert waren, als Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen von der Steuer absetzen. Das zuständige Finanzamt lehnte eine Berücksichtigung jedoch ab, woraufhin der Steuerpflichtige vor Gericht zog.

Abgrenzung von Anschaffungskosten und Werbungskosten

Nach Ansicht des FG Hamburg stellten die Beratungskosten keine Werbungskosten nach § 9 I 1 EStG (Einkommensteuergesetz), sondern vielmehr Anschaffungs(neben)kosten dar.

Letztere liegen nach § 255 HGB (Handelsgesetzbuch) unter anderem vor bei „Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben“. Dazu gehören grundsätzlich auch Nebenkosten und nachträgliche Anschaffungskosten – mithin alles, was aufgewendet werden muss, um das erwünschte Wirtschaftsgut zu erwerben, z. B. der Kaufpreis sowie Makler-, Gutachter- und Beratungskosten. Zwar hat der Steuerpflichtige vorliegend keine Beteiligung erworben, die Beratungsaufwendungen also vergebens getätigt. Das spielt für die steuerliche Berücksichtigung aber keine Rolle: Egal, ob es sich um erfolgreiche oder vergebliche Anschaffungsaufwendungen handelt, sind Wirtschaftsgüter des Kapitalvermögens – etwa die Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft – nicht abnutzbar und damit auch nicht abschreibungsfähig. Das bedeutet zusammenfassend, dass Anschaffungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen generell nicht zu berücksichtigen sind.

Beratungskosten bleiben unberücksichtigt

Das FG wies jedoch darauf hin, dass Beratungskosten nicht automatisch Anschaffungskosten darstellen, sondern unter Umständen auch Werbungskosten sein können. Sofern jedoch der Steuerpflichtige die Beratung in Auftrag gibt, nachdem er bereits die Kaufentscheidung gefasst hat, so sind die Beratungskosten einer bestimmten Beteiligung bzw. einem konkreten Wirtschaftsgut zuordenbar und damit Anschaffungskosten. Vorliegend war allein der geplante Erwerb der GmbH-Anteile ursächlich für die Beauftragung des Beraters – schließlich hatte der Steuerberater bereits den Erwerb der A-GmbH beschlossen und befand sich damit nicht mehr in einer bloßen Vorbereitungsphase. Damit handelte es sich bei den Beratungskosten um nicht zu berücksichtigende Anschaffungs(neben)kosten.

(FG Hamburg, Urteil v. 23.04.2014, Az.: 6 K 248/13)

Sandra Voigt

Assessorin

Redakteurin – Juristische Redaktion

anwalt.de services AG

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