Facebook: Wie Menschen durch soziale Netze unsozialer werden

Kaum ein Selbstständiger kommt heute ohne soziale Netzwerke aus. Die Schattenseiten dieser Netze dagegen werden oft ausgeblendet, obwohl sie gravierend sind.

Bild: geralt / pixabay.com

Der sorglose Umgang mit Daten ist dabei nur das harmlosere Problem, wie berichteten bereits. Schließlich ist jeder selbst dafür verantwortlich, welche Informationen er in seinem Facebook-Profil veröffentlicht. Wer Pöbeleien und peinliche Partyfotos vom Saufgelage auf Malle publiziert, braucht sich dann auch nicht wundern, wenn er mit seiner Bewerbung nicht zum Zug kommt oder Auftraggeber abspringen. Denn für Personalchefs, aber auch potenzielle Kunden gehört es längst zum Standard, dass Personalchefs und mögliche Auftraggeber das Internet nach Informationen über die künftigen Mitarbeiter und Subunternehmer durchforsten. Privatpersonen können es kaum noch verhindern, dass ihre Daten von jedem gesehen werden beziehungsweise sogar an Dritte verkauft werden. 

Während hier jeder Einzelne selbst verantwortlich ist, ist man anderen Phänomenen hilflos ausgeliefert. Beispielsweise, wenn es um Mobbing geht. Aus den USA sind bereits Fälle bekannt, in welchen Schüler regelrechte Flashmobs gegen ungeliebte Mitschüler organisierten. Aber auch aus Deutschland sind bereits Fälle bekannt, wo Facebook-Nutzer zum Opfer des Netzmobbings oder von Belästigungen geworden sind. Vor allem dann, wenn sich die Betroffenen zu aktuellen und brisanten Themen äußern oder sich engagieren. Hierzu einige Fallbeispiele, die ich hautnah mitbekommen habe:

Fall 1 - aus Facebook rausgeekelt 

Eine Facebook-Nutzerin organisierte zusammen mit ihrem Partner eine öffentliche Gruppe, um sich gegen eine Firma, die für ihre exzessive Umweltverschmutzung bekannt ist, zu engagieren. Neben vielen konstruktiven Vorschlägen wurde in den Gruppendiskussionen natürlich auch viel verbaler Müll verbreitet. Besonders hervor getan hatte sich ein Mitglied, das aus der Ferne ellenlange Beiträge formulierte, die vor Ort nicht umsetzbar waren. Die Gruppengründerin forderte ihn zu etwas mehr Konstruktivität auf, woraufhin sich zahlreiche andere mit ihm solidarisierten und die Gründerin verbal massiv angriffen. Für ihr Engagement wurde sie also auch noch angegriffen, und das auch noch, nachdem sie aus der Gruppe ausgetreten war. Ihre Konsequenz: Sie löschte ihren kompletten Facebook-Account.

Fall 2 - übereilt gepostet und Kunden denunziert 

Eine Userin hatte an ihrer Pinnwand veröffentlicht, dass sie nach vier Jahren wieder einmal das örtliche Freibad besucht hatte. Sie wollte dort einen Kaffee trinken, stand jedoch am Kiosk vor einer verschlossenen Tür. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie fast 50 Kommentare. Eine ähnliche Erfahrung hatten auch schon zahlreiche andere Einwohner gemacht, die sich in die Diskussion einklinkten und sich die Diskussion hochschaukelte. Irgendwann klinkte sich die Betreiberin des Kiosks ein und meinte, auf diese Kundschaft könne sie verzichten. Wenn sie mit den Gegebenheiten nicht einverstanden seien, sollten sie sich ihr Essen und ihre Getränke von zu Hause mitbringen.

Fall 3 - sexuelle Belästigung via Facebook 

Eine befreundete Freiberuflerin, blond, blaue Augen, wird mit schöner Regelmäßigkeit von Minderjährigen angequatscht und sexuell belästigt. Und diese Belästigungen häufen sich seit einigen Wochen. Ihre Konsequenz: Sie sperrt die Nutzer für ihr Profil und meldet diese.

Da ich selbst intensiv mit Social Media, also Twitter, Xing, Youtube, Google+ und Facebook arbeite, habe ich mir auf Grund dieser Vorfälle einige Gedanken zu diesem Thema gemacht.

User, die keine kommerziellen Zwecke mit ihren Profilen verfolgen, verändern ihr soziales Verhalten durch die Nutzung dieser Netzwerke. Während wir in unserer Generation früher vielleicht zehn oder 20 Freunde hatten, sammeln die User der Netzwerke oft Hunderte von "Freunden". Die soziale Bindung und die direkte Beziehung in diesem Kreis fehlt allerdings. Soziale Netzwerke stellen deshalb kein Abbild der Realität dar, die User schreiben oft so, dass sie möglichst viele Likes bekommen. Sie leben während ihrer Aktivität im Netz in einer illusorischen Scheinwelt, wo es nur um viele Kommentare und Likes geht

Eine These von mir dazu lautet:

Durch die Nutzung der sozialen Netzwerke werden wir unsozialer. Unsozialer in der Hinsicht, dass die Hemmschwellen im gegenseitigen Miteinander fallen. Im normalen Leben fällt es einem normalerweise sehr schwer zu sagen: "Du schreibst Mist!" Oder "du bist ein Blödmann!" Im anonymen Netz dagegen fällt es sehr viel leichter, den anderen zu beleidigen oder sogar jemanden zu denunzieren. Vergleichbar ist diese soziale Entwicklung mit der Kriegsgeschichte: Als sich die Soldaten etwa mit dem Schwert gegenüberstanden, hatten sie eine Hemmung zu töten, weshalb etwa in mittelalterlichen Schlachten nur vergleichsweise wenige Tote verzeichnet wurden. Erst mit der Entwicklung von Waffen, die über eine große Distanz wirkten, stieg die Zahl der Toten. Denn per Knopfdruck zu töten fällt leichter, als seinem Gegenüber direkt das Schwert ins Herz zu stoßen.

Thema Gruppendynamik

Ein weiterer Punkt ist die Gruppendynamik, die in Facebook sehr viel schneller entsteht und sich wesentlich gewaltiger darstellt als im normalen Leben, wie es die Frau aus Fall 1 zeigt.. Eine Gruppendynamik gibt es im richtigen Leben immer, vor allem bei Jugendlichen. Der Einzelne hat in der Regel keine Chance, sich dem zu entziehen, will er nicht aus der Gruppe ausgegrenzt werden. Diese Gruppendynamik ist auf Facebook aufgrund der großen Zahl der User viel extremer und wegen des Mediums Internet sehr viel rasanter als im wirklichen Leben. Die über Facebook sehr schnell zu organisierenden Flashmobs sind das beste Beispiel für die rasante Entwicklung der Gruppendynamik in den sozialen Netzen. Der Einzelne fühlt in dieser großen Masse relativ sicher, wenn es darum geht, jemanden ungerechtfertigt niederzumachen. Im realen Leben müssen sich die Opfer vielleicht mit drei oder vier Gegnern herumschlagen, bei Facebook sind es Hunderte. Daher behaupte ich, dass durch die sozialen Netzwerke das menschliche Verhalten unsozialer wird. 

Schutzmaßnahmen

Wer sich vor unangenehmen Überraschungen in Facebook schützen möchte, sollte meiner Meinung nach, seine virtuellen Freunde unter die Lupe nehmen. Eine Möglichkeit ist es, nur Freunde in der Freundesliste aufzunehmen, die man auch persönlich kennt, was aber nicht immer (gerade im geschäftlichen Bereich) geht oder möglich ist. Wer Facebook auch dazu nutzen möchte, neue Leute kennenzulernen, sollte die Postings der Betreffenden in der Chronik etwas nachverfolgen. Sobald man merkt, dass ein Kontakt nur Sinnfreies postet oder mit Spieleanfragen nervt, lässt sich mit einem Mausklick auch wieder aus der Freundesliste entfernen. 

Aber bitte keine Überreaktionen

Immer wieder wird man in der Presse entweder mit absoluten Befürwortern der sozialen Medien oder aber auch absoluten Gegnern von Facebook und Co. konfrontiert. Aus meiner Sicht absolut einseitig betrachtet, daher möchte ich meinen Artikel und meine Betrachtungen nicht falsch verstanden wissen. Die sozialen Medien, eben Facebook oder Twitter, sind nicht grundsätzlich schlecht. Man muss nicht alle Freunde an den Pranger stellen, denn oftmals erreicht man damit überhaupt nichts, denn das Mobbing gerade bei Schülern geht ja von den Freunden aus, so dass diese Maßnahme überhaupt nichts bringen würde. Ich möchte mit dem Artikel nur meine Meinung zum Thema des Sozialverhaltens ausdrücken und meine eigenen Erfahrungen verarbeiten, nicht aber abschließende und geeignete Maßnahmen zum richtigen Umgang mit Facebook und Co. dokumentieren, dass können andere Experten wesentlich besser als ich.

Darüber hinaus kommt es immer darauf an, was man mit Facebook vor hat, möchte man es geschäftlich nutzen oder privat, möchte man etwas verkaufen oder sich einfach nur die Zeit vertreiben etc. 

Vertrauen Sie Ihrem Bauch öfter mal wieder 

In diesem Sinne: Halten Sie die Augen auf und handeln Sie nicht im Affekt, sondern lassen Sie öfters mal ihren Bauch entscheiden, denn das war schon immer die beste Variante, sich vor extremen Situationen schützen.



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