Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen: Die zweite Chance für Auszubildende

Wie erkennt man, ob ein Bewerber ausbildungsreif ist? Machen es die guten Noten aus? Zeigt er sich beim Vorstellungsgespräch mit gepflegten Umgangsformen? Fakt ist: Sie sehen es einem Bewerber nicht an der Nasenspitze an, ob er sich später als absoluter Bringer oder als totaler Reinfall erweisen wird. Doch wie soll man dann Auszubildende auswählen?

Bild: geralt / pixabay.com

Ein Experiment mit Christian Rach

Sicherlich kennen Sie Christian Rach, den Sternekoch, der neben seiner RTL-Sendung „Rach, der Restauranttester“ 2010 auch die Dokumentation „Rachs Restaurantschule“ produzierte. Zwölf Kandidaten, denen man objektiv gesehen keinerlei Ausbildungschance mehr zuschrieb, gab er die Möglichkeit, sich für eine Berufsausbildung als Koch oder im Service in seinem neu eröffneten Restaurant zu qualifizieren. Vom ehemaligen Gefängnisinsassen über alleinerziehende Mütter ohne Ausbildung bis hin zu Schulabbrechern und Arbeitslosen – alles war dabei. Normalerweise würde man erwarten, dass jeder dieser Kandidaten seine Chance mit Handkuss ergreift und sich von seiner besten Seite zeigt – die Erfahrungen waren offensichtlich andere:

  • ständiges Zuspätkommen oder gar nicht Erscheinen
  • mangelndes Interesse an den Grundlagen des Berufs
  • mangelnde Leistungsbereitschaft
  • keine Bereitschaft, die privaten Probleme in den Hintergrund zu rücken
  • schlechte Lernbereitschaft

Im Endeffekt stellte sich allerdings auch heraus, dass bei einigen der Kandidaten die Befürchtungen oder Vorurteile im Vorfeld unbegründet waren – sie entwickelten sich zu kompetenten und leistungsbereiten Mitarbeitern, die froh darum waren, eine zweite Chance bekommen zu haben.

Nur Mut, der Test lohnt sich vielleicht

Nun haben natürlich die wenigsten Unternehmer die Möglichkeit, solche „Sozialprojekte“ zu starten und zu schauen, was sich ergibt. Dennoch sollten sich durchaus auch normale Unternehmer die Idee durch den Kopf gehen lassen. Sehen wir uns folgendes Szenario an: Sie erhalten eine Bewerbung von einem Einser-Schüler. Sie stellen ihn vom Fleck weg ein und er macht sich während der Ausbildung prächtig. Der Auszubildende hat Ambitionen und kündigt im Anschluss an seine Ausbildung, weil er studieren gehen möchte.

Dieser Auszubildende war nun zwar unproblematisch und wahrscheinlich einfach zu handeln – allerdings bleibt er Ihnen nicht dauerhaft erhalten.

Stellen Sie sich umgekehrt aber vor, Sie geben einem Bewerber eine Chance, der sie eigentlich objektiv betrachtet nicht verdient. Unter Umständen wird er Ihnen dafür so dankbar sein, dass er sich richtig ins Zeug legt. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass er Ihrem Unternehmen später treu bleibt. Was nützt Ihnen schon die Ausbildung toller Auszubildender, wenn Sie später nicht von deren Wissen und Erfahrungen profitieren können?

Im nächsten Teil dieser Serie zeigen wir, wie Sie mithilfe von Kompetenzchecks und Einstellungstests die Ausbildungsreife junger Menschen testen können.

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