Der Schritt in die richtige Richtung ist oft ein Schritt zurück

Parken im IoT-Zeitalter. Wir haben ein Interview mit dem Mitgründer der App zur Parkplatzsuche geführt und einiges dabei gelernt.

Bild: parkpocket

Als Student hat Stefan Bader Opens external link in new windowparkpocket mitgegründet. Aus der App zur Parkplatzsuche könnte ein entscheidender Datenlieferant für Connected Cars werden.

Stefan, per Smartphone die nächstgelegene Parkmöglichkeit finden – mit dieser Idee seid ihr nicht allein. Was macht parkpocket anders?

Mit unserer App finden Autofahrer sofort den Weg zur nächsten Parkmöglichkeit. Die Informationen werden in Echtzeit aktualisiert – der Parkplatz ist also auch wirklich frei, wenn ich ankomme. Preisinformationen und Routenführung sind mit dabei, für Parkhäuser, Tiefgaragen und P+R-Plätze in der gesamten D-A-CH-Region. 

Als du dich vor zwei Jahren selbstständig gemacht hast, sahen die Pläne noch ganz anders aus …

Allerdings! Als Student habe ich in der Nähe des Stuttgarter Flughafens gewohnt, und dort war ständig alles zugeparkt. Dabei gab es eigentlich genügend Parkplätze, aber die waren eben fest vermietet. Damals kam mir und ein paar Kommilitonen die Idee, eine Art Online-Marktplatz aufzubauen, über den jeder seinen eigenen Stellplatz untervermieten kann – also eine Art Airbnb für Parker. 

Ein Fehlschlag.

Kann man so sagen. Wir hatten uns für unseren Businessplan an ausländischen Märkten orientiert und Geschäftsmodelle wie eben das von Airbnb zum Vorbild genommen. Das war naiv, denn wir sind von falschen Annahmen ausgegangen. Seine Wohnung vermietet man, weil es sich einfach lohnt. Bei der privaten Parkplatzvermietung stehen Aufwand und Nutzen aber in keinem guten Verhältnis. 

Andere hätten das Handtuch geworfen, ihr habt euer Geschäftsmodell mal eben neu erfunden.

Das war die schwerwiegendste Entscheidung in unserer kurzen Geschichte. Und die beste! Wir verdienen heute kein Geld mit unserer App – unser eigentlicher Wert sind die Parkdaten dahinter. Teilweise erhalten wir die über Schnittstellen, etwa von Parkhausbetreibern und Städten. Aber der Markt ist extrem fragmentiert. Die meisten relevanten Infos erfassen wir daher über ein selbstentwickeltes System. Das macht uns attraktiv für Unternehmen: Wir lizenzieren unsere Datenbanken an Kartenanbieter, Automobilhersteller und so weiter.

Vor ein paar Monaten habt ihr eine Beta-Version auf der CeBIT vorgestellt, seid dort bei einem Startup-Wettbewerb ins Finale eingezogen. Wie wichtig ist eine klassische Messe für ein innovatives IoT-Schnellboot wie parkpocket?

Also uns hat‘s eine halbe Million gebracht! (lacht) Nein, im Ernst. Das war schon enorm wichtig. Wir haben Opens external link in new windowauf der CeBIT mit GFT unseren ersten Investor gefunden. Nur dadurch konnten wir im November mit der App live gehen, die nach einem Monat schon 35.000 User hatte. Die Aufmerksamkeit der Medien war ebenfalls unbezahlbar.

Ihr seid 2016 wieder auf der CeBIT, genauer: auf der SCALE11. Eure Pläne?

Ich glaube, auf der SCALE11 können wir den nächsten Entwicklungsschritt gehen. Auf dieser „Messe in der Messe“ speziell für Startups möchten wir neue Anwender begeistern und vor allem weitere Investoren finden – die zweite Finanzierungsrunde steht an.

Warum sollten Kapitalgeber auf euch setzen?

Die Zukunft der Automobilbranche liegt im Connected Car – und im autonomen Fahrzeug. Dieser Markt nimmt gerade ordentlich an Fahrt auf. Und wir werden wichtige Daten dafür liefern. Selbst ein intelligentes, eigenständig fahrendes Auto muss schließlich wissen, wo es parken kann.



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