Das kann teuer werden: Unternehmen müssen für Falschberatung haften

Nicht nur Banken kommt eine Falschberatung ihrer Kunden teuer zu stehen – auch die Mitarbeiter einer Kfz-Werkstatt sollten sich ihre Aussagen besser genau überlegen. Als technischer Laie verlässt man sich schließlich auf Hinweise von Kfz-Mechanikern. Stellen sich deren Äußerungen bzw. Warnungen später als falsch heraus und hat man ihretwegen sein Fahrzeug nicht genutzt, kann einem nach Ansicht des Oberlandesgerichts (OLG) Oldenburg unter Umständen ein Anspruch auf Nutzungsausfall zustehen.

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

Falsche Warnung vor Nutzung

Eine Autofahrerin beauftragte eine Kfz-Werkstatt mit der Klärung der Frage, warum ihr Pkw ständig Öl verliert. Kurz zuvor war von einer anderen Werkstatt ein Austauschmotor in den betreffenden Wagen eingebaut worden, sodass der Kfz-Mechaniker angab, Schuld am Ölverlust sei kein Verschleiß, sondern vielmehr ein erheblicher Motorschaden. Solange noch nicht geklärt sei, ob der Austauschmotor defekt eingebaut oder beim Einbau selbst ein Fehler gemacht wurde, sei von einer weiteren Nutzung des Pkw abzuraten.

Dessen Eigentümerin befolgte den Hinweis des Fachmanns und nutzte 197 Tage ihr Fahrzeug nicht, obwohl sie es täglich gebraucht hätte, um damit in die Arbeit zu fahren. Ferner führte sie gegen die Werkstatt, die den Austauschmotor eingebaut hatte, ein Beweissicherungsverfahren durch, bei dem sich herausstellte, dass ein sog. Motorschwitzen für den Ölverlust verantwortlich war. Diese Störung kann ohne größeren Aufwand, wie z. B. das Zerlegen des Motors, behoben werden. Da sich die Aussage des Kfz-Mechanikers somit als falsch herausgestellt hatte, verlangte die Frau gerichtlich die Zahlung einer Nutzungsausfallentschädigung.

Autofahrer erhält Nutzungsausfallentschädigung

Das OLG Oldenburg gab der Frau Recht und sprach ihr eine Nutzungsausfallentschädigung in Höhe von 6250 Euro zu. Schließlich hätte sie in dieser Zeit ihren Wagen für den Weg zur Arbeit täglich gebraucht, ihn aber wegen der Falschberatung der Kfz-Werkstatt zu Hause stehen lassen. Erst aufgrund des Gutachtens im Beweissicherungsverfahren erfuhr die Frau, dass sie ihr Fahrzeug tatsächlich nutzen kann. Allerdings kürzte das Gericht den Entschädigungszeitraum von 197 auf 125 Tage – Grund dafür war das von der Frau zu spät eingeleitete Beweissicherungsverfahren.

(OLG Oldenburg, Urteil v. 26.06.2014, Az.: 1 U 132/13)

Sandra Voigt

Assessorin

Redakteurin – Juristische Redaktion

anwalt.de services AG

 

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