Auf zur blauen Bank nach London

So musste ich den nächsten Schritt machen. Und es sollte ein Großer werden. Die eigentlichen Gelder in der Bank, in der ich arbeitete wurden auch schon damals in London gemacht: London war und ist der größte Finanzplatz Europas. Dort sitzen die Investmentbanken und schlagen jeden Tag Milliarden von Euro um. Dort halten die Politiker auch heute noch schützend ihre Hände über die Banken und lassen sie ihr Geld verdienen.

Bild: Marcel Klinger / pixelio.de

London nicht nur für Frauen interessanter als Frankfurt

Ich kannte damals (2000) eine deutsche Freundin, die es dort hinzog. Also besuchte ich sie mal und fand die Stadt einfach faszinierend; größer, aufregender, internationaler und spektakulärer als Frankfurt. Vielleicht war der Vergleich an die ser Stelle unangebracht, aber mit was hätte ich es vergleichen sollen? Also fasste ich den Entschluss, daß ich nach London wollte. Direkt am nächsten Tag verfasste ich meinen Lebenslauf auf Englisch und schickte ihn an ein paar Agenturen in London. Relativ schnell hörte ich von der ersten Agentur, die mich am Telefon über meine Kenntnisse ausfragte.

Auf zum Vorstellungsgespräch nach London

Nur 2 Wochen später wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch beim deutschen Branchenprimus in die Londoner Zentrale eingeladen. Vorher hatte ich noch ein Gespräch mit der Agentur, die mich über den Job und den Chef aufklärte. Dies ist normale Prozedur, die ich in den Jahren danach noch öfter durchmachen würde. Der Chef der Abteilung begrüßte mich in Jeans und Shirt, während ich in Anzug und Krawatte gekleidet war. Die Kleiderordnung war etwas lockerer als in Frankfurt, die Professionalität schien darunter aber keineswegs zu leiden. Das Gespräch lief gut, und ich traf den gleichen Chef eine Woche später in Frankfurt wieder, wo er mich zunächst für seine Abteilung dort haben wollte um mich dann später nach London zu transferieren. Es war leider nicht ganz das, was ich wollte. Ich nahm mir einige Bedenkzeit, machte den Schritt letztenendes dann doch.

Von der grünen zur blauen Bank

Ich wechselte die Seiten; von der grünen zur blauen Bank. Ein Jahr zuvor feierte ich mit meinen Kollegen von der grünen Bank noch ausgelassen die gescheiterte Fusion. Das Motto war: „Mit den arroganten Bankern von der blauen Bank wollen wir nichts zu tun haben“. Und nun wurde ich Angestellter der blauen, arroganten Bank, bezog ein sehr nettes Büro im Tower nebenan und bekam einen sehr netten Kollegen und „Teamleader“, mit dem ich heute noch sehr gut befreundet bin. Ich lieferte saubere und gute Arbeit, und wurde dafür von meinen Chefs und Kollegen immer gelobt. Für mich war es vor allem der Transfer nach London, den ich mir erarbeiten wollte.

Privatlehrer verbesserte Englischkenntnisse

Anfang 2002 war es dann endlich so weit. Hier wurde der Euro eingeführt, aber nicht für mich. Ich führte den Pfund ein. Der Anfang war nicht ganz so leicht wie ich es mir vorstellte, denn mein Englisch war schlechter als gedacht. Um meinen Arbeit zu machen reichte es, aber nicht für die sozialen Aspekte des Berufes beziehungsweise des Lebens dort. Ich konnte mich mit den Kollegen nur schwer verständigen. Aber ich musste es. Deshalb unternahm ich alles was notwendig war um dahin zu kommen; ich nahm einen Privatlehrer (von der Bank bezahlt) und zog in eine WG mit Briten. Mein Englisch verbesserte sich sehr schnell. Ich lernte meinen Job zu machen, aber im Büro war und blieb ich der „Deutsche“. Sarkasmus gehört in ein Büro in England genauso wie ein Computer. Leider verstand ich davon wenig zu der Zeit. Mir fiel es nicht leicht, diesen schwarzen Humor zu verstehen und ignorierte ihn deshalb meist. In meinem späteren Leben würde ich der sein, der sarkastisch war.

Die besten wurden abgeworben

Nach ein paar Monaten in meiner neuen Stelle hieß es eines Morgens, dass unsere Chefs und „Trader“ alle die Bank verlassen würden. Eine ganz neue Situation, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Die Kollegen wohl auch nicht, denn alle fragten sich wie es weitergehen würde. Kaum jemand konnte sich auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Wie sich später herausstellte, war das Gerücht war. Ein ganzes Team von wichtigen Personen unserer Abteilung, wurde einfach von einer anderen Bank abgeworben. Aber nicht irgendeiner Bank. Es sollte die Bank sein, für die ich vorher arbeitete. Freuen Sie sich auf den letzen Teil meiner Geschichte.

Foto Marek SonnabendÜber den Autor: Marek Sonnabend ist ein Unternehmer in Berlin. Er hat viele Jahre im Investmentbanking in Frankfurt und London gearbeitet, bevor er eine Karriere im Bereich Digital Media und Software Entwicklung einschlug. Dabei arbeitete er für nicht unbekannte Firmen in Tokio/Japan und Frankfurt.

Seit 2011 bertreibt Marek Sonnabend die Opens external link in new windowCafelingo Sprachschule für Deutsch in Berlin Friedrichshain. Neben traditionellen Gruppenkursen bietet seine Sprachschule auch andere Formen von Deutschkursen an, von denen manche mit Hilfe von Weblösungen flexibel gebucht werden können.

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