Arbeitslosenversicherung für Selbständige gut und teuer: 44% steigen früher aus

Als die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige 2006 startete, wurde sie allgemein als großer Erfolg gefeiert: bot sie doch gerade auf dem anfälligen Freiberufler-Markt eine preiswerte Alternative, Krankheitszeiten oder Auftragsflauten abzufangen.

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Heute, nach einer Vervierfachung der Beitragssätze, wird die nunmehrige Pflichtversicherung auf Antrag (seit 1.1.2011) sehr viel skeptischer gesehen. Innerhalb der letzten 2 Jahre haben fast so viele Selbständige die Versicherung verlassen wie neue Mitglieder hinzugekommen sind. 

Extrem steigende Beitragssätze begründen Versicherungsausstieg

An den Grundbedingungen der Arbeitslosenversicherung für Selbständige hat sich nichts geändert: eine nachgewiesene selbständige Tätigkeit von mindestens 15 Wochenstunden, kontinuierliche Einzahlungen in die Arbeitslosenkassen davor (mindestens zwei Jahre) und eine Maximalpause von 9 Monaten zwischen beiden Versicherungsarten sind immer noch die Eckpunkte für die Zugangsberechtigung.
Das Gründerlexikon hat bereits mit einem Artikel geklärt, wann der Selbständige die Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen kann und wie bei Krankheit die Arbeitslosenversicherung helfen kann. Derartige Fallbeispiele zeigen jedoch auch schnell Schlupflöcher für diejenigen, die diese eigentlich gute Sozialversicherung ausnutzen möchten.

Den aktuellen Stand der Arbeitslosenversicherung für Selbständige hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jetzt in einer Studie dargestellt. Ein Ergebnis: Für den lawinenartigen Ausstieg von Versicherten seit 2010 sind die hohen Beitragssätze verantwortlich.
Begonnen hatte die Versicherung mit einem Beitrag von rund 17 Euro im Monat und war bis 2010 nur auf etwas mehr als 20 Euro gestiegen. 2011 kletterte der Beitragssatz auf über 33 Euro und 2012 auf knapp 68 Euro. Das sind nur die Zahlen aus Ostdeutschland -im Westen steht der monatliche Beitrag aktuell bei knapp 80 Euro.

Extrem eingeengte Bedingungen erschweren das Wachstum

Eigentlich besteht der Sinn einer Versicherungsgemeinschaft in ihrem ständigen Wachstum, das Lasten auf möglichst viele Schultern verteilt und für den Einzelnen bezahlbare Beiträge sichert.
Bei der Arbeitslosenversicherung für Selbständige wurde von Anfang die umgekehrte Politik betrieben. Faktisch können dieser Versicherung nur Existenzgründer beitreten, die ausgesprochen zügig nach dem Ende eines Beschäftigtenverhältnisses oder aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig werden.
Zu groß war auch die Sorge der Bundesanstalt für Arbeit vor dem Missbrauch der Arbeitslosenversicherung. So können Leistungen erst nach einem Jahr Mitgliedschaft und für Selbständige unter 50 Jahren maximal ein Jahr in Anspruch genommen werden. Realistisch gesehen bedeutet ein halbes Jahr Arbeitslosigkeit nach Auslaufen des Gründungszuschusses für einen Jungunternehmer bereits das Aus. Beim nächsten Firmenstart ist kein Wiedereinstieg in die Versicherung mehr möglich.

Forderungen nach einer Liberalisierung der Arbeitslosenversicherung für Selbständige

Nach den Erkenntnissen des IAB ist die restriktive Handhabung der Arbeitslosenversicherung für Selbständige absolut unbegründet. Laut der o.g. Studie war die Inanspruchnahme von Leistungen äußerst gering - 4 %. Zwei Drittel der Leistungsbezüge lagen unterhalb einer Dauer von 6 Monaten. Ganze 5 % nahmen die Arbeitslosenversicherung länger als ein Jahr in Anspruch. In diesen Fällen vermutet die Studie zudem als Grund die Wiederaufnahme eines Beschäftigtenverhältnisses.
Einer Liberalisierung der Arbeitslosenversicherung für Selbständige steht nichts im Weg. Während die Beitragseinnahmen 2012 die 100-Millionen-Euro-Marke überschritt, sank die Anzahl der Versicherten um 15 %.



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