Ärztin eröffnet eine digitale Beratungsstelle

Eigentlich ist der Jobmarkt für Mediziner erfreulich. Ärzte werden überall gesucht. Insbesondere in Krankenhäusern ist der Notstand schon so ernst, dass die Kliniken Mediziner mit hoch bezahlten Einmonatsverträgen locken, um zumindest vorübergehend die Lücken in ihren Reihen zu schließen. Die Anstellungen für Ärzte haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie sind nicht familienfreundlich.

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Das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für eine Ärztin

Ärzte arbeiten im Krankenhaus im Schichtdienst. Die Mediziner, die in einer Praxis beschäftigt sind, kommen auf eine durchschnittliche Arbeitsbelastung von zwölf Stunden täglich. Nicht selten muss noch einer der beiden Tage am Wochenende für Büroarbeit geopfert werden. Gerade für Medizinerinnen wird die hohe Belastung und der Schichtbetrieb zu einem großen Problem, wenn sie eine Familie gründen möchten. Eine Ärztin muss, sollte sie in einer Klinik arbeiten, bereits frühzeitig in der Schwangerschaft aus der regulären Tätigkeit aussteigen, da der schnelle Wechsel von Nacht- und Tagesschicht nicht mehr zumutbar ist. Sollte sich die Medizinerin entscheiden, sich selbst um die Kinder in den ersten Lebensjahren kümmern zu wollen, muss sie ihre Anstellung im Krankenhaus in aller Regel ganz aufgeben. Ein ähnliches Problem stellt sich, sollte sie in einer Praxis arbeiten – dieArbeitsbelastung ist viel zu hoch, um sich zeitgleich um die Kinder kümmern zu können. Gerade für Mediziner ist der Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben jedoch besonders kritisch.

Die Ärztin in der Praxisfalle

Mediziner müssen, so wird diesen schon im Studium mit Nachdruck vermittelt, regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen besuchen und praktizieren, um das eben Erlernte einzuüben. Die Medizin entwickelt sich rasend schnell weiter. Wer zu lange aus dem Beruf ausscheidet, verpasst wichtige neue Erkenntnisse und versäumt es, zentrale Techniken zu erlernen. Ärztinnen, die in der Mutterschaftspause sind, haben versucht, sich über das Internet auf dem Laufenden zu halten. Dabei haben viele von ihnen entdeckt, dass es im Netz einen großen Bedarf nach medizinischem Rat gibt.

Die digitale Ärztin: Eine Existenzgründergeschichte

Viele Personen haben im realen Leben zu viel Scham, um sich tatsächlich den Rat eines Arztes zu holen. Dies trifft insbesondere auf Teenager zu, jedoch auch auf ältere Menschen, die unter Beschwerden leiden, die sie als „peinlich“ empfinden. In der Anonymität des Netzes suchen sie nach Antworten und sind bereit, dafür zu bezahlen. Eine Ärztin in der Mutterschaftspause kann auf diese Weise weiterhin praktizieren, in dem sie ein virtuelles Arztzimmer eröffnet. Sie kann sich in Ruhe um die Familie kümmern, sich im Netz fortbilden und den Menschen helfen. Wie häufig dieses Konzept zum Erfolgsmodell wird, beweisen Seiten wie netdoktor.de oder onmeda.de.

Technisch genügt dafür wenig. Anfangs reicht ein Emailadresse, an die Patienten nach erfolgreicher Registrierung ihre Beschwerden schicken können, möglicherweise kombiniert mit Fotos. Ein Forum allein reicht nicht aus, da das Patientengeheimnis auch im Internet gewahrt werden muss. Der Arzt-Patient-Kontakt sollte deshalb mittels der digitalen Post erfolgen. Viele Betreiber rechnen dabei pro Mail ab. Je ausgereifter die Seite wird, desto mehr kann der Inhalt mit Fachartikeln, Ratgebern und ähnlichem verbessert werden.

Gibt es spezielle Zulassungsvorschriften?

Die digitale Arztpraxis unterscheidet sich dabei allerdings wesentlich von einer realen Arztpraxis. Spezielle Zulassungsvorschriften für eine derartige Webpräsenz (die über die Gewerbeanmeldung hinausgehen) gibt es nicht. Selbstverständlich darf man keine falschen Angaben über seine Person machen. Denn gerade im medizinischen Bereich ist Vertrauen zwischen Arzt und Patient ein Eckpfeiler des Erfolgs. Auf der Internetseite sollten die Mediziner ihren beruflichen Hintergrund zweifelsfrei nachweisen.

Ist die Ärztin oder der Arzt aktives Mitglied in der Ärztekammer sein, können sie oder er sich von dieser außerdem zertifizieren lassen. Dies bedeutet, der Mediziner darf nach einer Prüfung durch die Ärztekammer das offizielle Logo der Institution verwenden und damit werben, in der Kammer Mitglied zu sein. Für ein digitales Arztzimmer gilt mehr noch als für andere Berufe: Nur Seriosität bringt loyale Besucher. Der häufigste Ratschlag, den Patienten mit ernsthaften Erkrankungen hören, ist, dass der Gang zum realen Mediziner unumgänglich ist.

Unabhängige Prüfer

Außerdem sollten sich die Mediziner kurz nach der Existenzgründung gezielt um Tests ihrer Seite durch unabhängige Prüfer bemühen (Stiftung Warentest, Onlinestar etc.). Deren Bewertungen dürfen ebenfalls veröffentlicht werde.

Zu beachten ist darüber hinaus, der fünfte Paragraph des Telemediengesetzes. Dieser besagt, dass jede deutsche Website über ein Impressum verfügen muss, in dem der Betreiber und eine ladungsfähige Adresse genannt werden.

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