So finden Sie den richtigen Kaufpreis bei der Firmennachfolge

Wie analysiert man durch eine Due Diligence eine Firma?

Die Due Diligence ist in der Reihenfolge der Unternehmensnachfolge einer der wichtigsten Schritte. Es handelt sich dabei um eine besonders sorgfältige Prüfung der Eckdaten des zu erwerbenden Unternehmens. Im Rahmen der Due Diligence verschaffen Sie sich einen umfangreichen Überblick über den Erfolg des Betriebs in der Vergangenheit, dessen Positionierung am Markt und strategische Ziele. Wenn Sie einen Unternehmenskauf in Erwägung ziehen, sollte die Due Diligence fest auf Ihrer To-Do-Liste stehen. In der Praxis sollten Sie sich dabei allerdings Hilfe von einem Berater holen, beispielsweise durch einen Steuer- oder Unternehmensberater, einen Wirtschaftsprüfer oder einen Anwalt. Warum dies so wichtig ist, zeigt sich schnell anhand des Umfangs der Prüfung.

Die Due Diligence im Überblick

Durch die Due Diligence erfassen Sie den gesamten Zustand des Unternehmens. Sie lernen den Betrieb dabei in all seinen Facetten kennen, von den wirtschaftlichen Zahlen über die Marktpositionierung bis hin zum Personal, dem Standort oder den vertraglichen Beziehungen zu Kunden und Lieferanten. Je sorgfältiger das zugehörige Datenmaterial erhoben wird, desto besser ist es später als Basis für die Kaufpreisfindung geeignet.

Die zu analysierenden Bereiche

Um das Unternehmen für die Unternehmensnachfolge zu bewerten, benötigen Sie vielfältiges Datenmaterial. Ermitteln Sie folgende Werte:

Unternehmensbereiche analysieren

Bereich

Mögliche Unterlagen / Daten

Verhältnisse des Unternehmens

Dokumentationen über die Gründung, Handelsregisterauszug, Struktur und Organisation des Unternehmens, etwaige Beteiligungen, Unternehmenskapital, Rechtsform, Organe, Marketingmaßnahmen

Finanzen

Steuer- und Handelsbilanzen der letzten drei bis fünf Jahre, Monats- und Quartalszahlen des laufenden Geschäftsjahrs, Finanzplanung und Budgetierung, Steuererklärungen und Steuerbescheide der letzten Jahre, Bewegungen im Eigenkapital, Anlagenverzeichnis, letzte Inventur, Rückstellungen, Forderungen, sonstige Vermögensgegenstände, Forderungsausfälle

Kredite und Sicherheiten

Kreditvereinbarungen, Verzeichnis der bestehenden und ausstehenden Verbindlichkeiten, ggf. Schuldverschreibungen, erteilte Sicherheiten (z. B. für Darlehen), Bürgschaften für Dritte, Mitarbeiter- oder Gesellschafterdarlehen

Immobilien

betrieblich genutzte, unternehmenseigene Betriebsstätten, Grundstücke und Gebäude und die zugehörigen Verträge, Miet- und Pachtverträge, Grundbuchauszüge

Vertragliche Vereinbarungen mit Dritten, z. B. Kunden, Lieferanten, Dienstleistern

Prüfung auf Risiken, die sich aus bestehenden Verträgen ergeben könnten, Austrittsklauseln bei Inhaberwechsel

Sachanlagen

Miet- und Leasingverträge für technische Anlagen und Maschinen, Anlagenverzeichnis, Vereinbarungen über geplante Käufe oder Verkäufe in der Zukunft

Markt und Wettbewerb

Marktstudien, Verbandsberichte, Marktvolumen, Marktwachstum, Details zu Wettbewerbern, Marktveränderungen, bevorstehende Innovationen in der Branche, Wachstumschancen, Markt- und Wettbewerbsrisiken

Marketing/Vertrieb

Vertriebsorganisation, Vertriebspartner, Top 30 Kunden, Provisionsregelungen, Marketing- und Verkaufsunterlagen, Broschüren, Preislisten, Verkaufskalkulation, Service

Einkauf/Beschaffung

Wichtigste Lieferanten, Abhängigkeiten

EDV

Ausstattung an Hardware und Software, Aktualität, Investitionen in den vergangenen Jahren

Personal

Personalstatistiken, Verträge mit Geschäftsführern, betriebliche Altersversorgung, Sonderleistungen, Tarifverträge, Betriebs-/Personalrat

Versicherungen

Prüfung der bestehenden Versicherungspolicen

Rechtliche Aspekte

laufende oder drohende Gerichtsverfahren, gewerbliche Schutzrechte (z. B. eingetragene Marken, Gebrauchsmuster, Patente), genutzte Lizenzverträge, Geheimhaltungsvereinbarungen

Weitere Faktoren bei der Due Diligence

Auch wenn bei der Due Diligence das Zahlen- und Datenmaterial eigentlich im Vordergrund steht, sollten außerdem noch folgende Aspekte beachtet werden:

  • Grund für die Unternehmensnachfolge: Befragen Sie den Eigentümer dazu, warum er sein Unternehmen übergeben möchte. Neben der Ruhestandsplanung oder Krankheiten sind auch eine gewünschte Neuorientierung, Geldnöte oder der Todesfall des ursprünglichen Inhabers mögliche Gründe. Problematisch wird es für Sie, wenn der Verkauf geplant ist, weil das Unternehmen herunter gewirtschaftet und an Wert verloren hat oder die Nachfrage nach dem Produkt sinkt.
  • Ruf: Hören Sie sich bei Kunden, Lieferanten und anderen Geschäftspartnern um, welchen Ruf das Unternehmen hat. Ist er schlecht, müssen Sie dies zusätzlich bei Ihren strategischen Überlegungen berücksichtigen. Es stellt sich dann auch die Frage, warum der Ruf schlecht ist.
  • Standort: Analysieren Sie, ob der Standort auch für die zukünftige Unternehmenstätigkeit geeignet ist. Stößt der Betrieb in Hinblick auf die Größe schon jetzt an seine Grenzen oder sind Belastungen des Bodens durch Schadstoffe zu befürchten, kann dies Ihre weitere Geschäftsentwicklung negativ beeinträchtigen. Siehe Standortanalyse!
  • Zukunft: Bei der Due Diligence ermitteln Sie überwiegend Vergangenheitswerte. Nehmen Sie diese jedoch nicht für bare Münze, sondern versuchen Sie ausgehend von diesen Werten und unter Bezug auf aktuelle Marktentwicklungen vorsichtige Prognosen und Schätzungen für die Zukunft. Siehe Trendanalyse!

Haben Sie sich schließlich ein umfassendes Bild von der Lage des Unternehmens gemacht, können Sie den Kaufpreis der Unternehmensnachfolge ermitteln und in die Verhandlungen einsteigen.

Wie finde ich den richtigen Kaufpreis bei der Unternehmensnachfolge?

Bei der Unternehmensnachfolge ist der Kaufpreis ein entscheidendes Kriterium dafür, ob es zum Verkauf kommt oder eben nicht. Während Käufer grundsätzlich darauf bedacht sind, einen möglichst niedrigen Preis über einen möglichst langen Zeitraum zu zahlen, sodass sich die Kosten quasi aus dem Unternehmen erwirtschaften lassen, ist der Verkäufer darauf bedacht, einen hohen Preis sofort zu erhalten. Diese gegensätzlichen Ausgangspunkte in den Verhandlungen müssen nun zusammengeführt werden. Dafür werden Fingerspitzengefühl und Verhandlungsfreude notwendig sein. Doch zuvor ist auf jeden Fall eine Due Dilligence durchfzuführen, um den Kaufpreis anschließend korrekt zu ermitteln.

Den Kaufpreis bei einer Unternehmensnachfolge zu ermitteln ist ähnlich kompliziert, wie den Kaufpreis einer Webseite zu errechnen. Letztlich ist der Kauf einer Webseite auch eine Art der Unternehmensnachfolge.

Ermittlung des Kaufpreises

Der Kaufpreis wird sich bei der Unternehmensnachfolge sehr oft am Wert des Unternehmens orientieren. Die Berechnung des Unternehmenswertes kann auf unterschiedliche Varianten geschehen, die ich im Folgenden nur kurz vorstellen möchte, jedoch aufgrund der Komplexität nicht ins Details gehen werde. Das überlasse ich dann im Einzelnen dem Regionalpartner IHK, als eine der Leistungen im Rahmen der Unternehmensnachfolge.

DCF Methoden

Unter dieser Überschrift sind vier verschiedene Methoden zusammengefasst (siehe Übersicht). Allgemein ausgedrückt ist eine DCF Methode eine Methode, um den Zahlungsstrom (Cashflow) abzuzinsen. Auf dieser Basis und mit unterschiedlichen Abwandlungen, je nach Methode, kann der Unternehmenswert berechnet werden.

Die einzelnen Varianten der DCF Methoden (WACC, APV, usw.) sind extrem an finanzmathematische Berechnungen der höheren Mathematik angelehnt, so dass ich mir an dieser Stelle weitere Ausführungen und Beispiele verkneife.

Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren ermittelt aufgrund der Diskontierung der zukünftig zufließenden finanziellen Überschüsse den Unternehmenswert. Man spricht auch von der Nettokapitalisierung der Zukunfterfolge.

Wie der Name bereits schließen lässt, werden Ertragsüberschüsse ermittelt, so dass bei der Überleitung zu den künftigen Nettoeinnahmen eine Korrekturrechnung notwendig ist.

Vorgehensweise

  1. Analyse und Bereinigung der Vergangenheit Ergebnisse
  2. Prognose der zukünftigen finanziellen Überschüsse
  3. Diskontierung dieser finanziellen Überschüsse

Beurteilung des Ertragswertverfahrens

Das Ertragswertverfahren war bis etwa zum Jahr 2000 das von den Wirtschaftsprüfern sehr oft genutzte Regelverfahren zur Unternehmensbewertung. Noch heute wird gerade das Ertragswertverfahren bei kleinen und mittelständischen Unternehmen von Steuerberatern eingesetzt. Dabei sind folgende Kritikpunkte festzustellen:

  • Bindung einen die buchhalterische Gewinnermittlung, wobei Korrekturrechnungen nicht immer umgekehrt werden können
  • überwiegend subjektiver Ermittlung von Basiszinssatz und Risikozuschlägen für die Diskontierung
  • hohe Restwerte belasten den Unternehmenswert durch Unwägbarkeiten
gründerlexikon tipp

Dienstleistungstipp zur Unternehmensbewertung

Bei der Unternehmensbewertung kann die Deutsche Unternehmerbörse (DUB) mit dem Service KMU-Unternehmensbewertungen behilflich sein. Lesen Sie hier mehr zu DUB KMU-Multiples!

Liquidationswert

Der Liquidationswert ist prinzipiell eine spezielle Form des Ertragswertes. Er bildet grundsätzlich die Untergrenze bei der Bewertung.

Wert des Vermögens

- Unternehmensschulden

- Liquidationskosten

- Ertragsteuern

= Liquidationswert

Substanzwert

Es handelt sich beim Substanzwert lediglich um eine Hilfs- und Kontrollegröße, so dass die Ermittlung des Substanzwertes einer ordnungsgemäße Bewertungsmethode ist, jedoch keinen eigenständiger Bewertungsansatz darstellt.

Fazit zu den Bewertungsmethoden

Wie Sie in obigem Artikel nun selbst nachlesen konnten, ist die Berechnung des Unternehmenswertes zur Ermittlung des Kaufpreises eines Unternehmens insgesamt sehr vielfältig und stellenweise, je nach Wahl der Methode, sehr komplex. Es ist aufgrund meiner Erfahrung nicht die Aufgabe eines Existenzgründers, den Kaufpreis eines Unternehmens selbst zu ermitteln, vielmehr ist es notwendig, einen vertrauenswürdigen Unternehmensberater, Steuerberater oder eine andere offizielle Stelle zu finden, welche genügend fachliche Kenntnisse, Erfahrungen aus der Praxis und das gewisse persönliche Quäntchen X verfügt, um für Ihre individuelle Situation den Kaufpreis des Unternehmens zu ermitteln. Dabei hilft nicht zuletzt eine grundsätzliche Beratung durch den Regionalpartner (zum Beispiel die IHK), aber auch die intensive und fundierte Recherche nach einem Berater in den bekannten Unternehmensnachfolgebörsen.

passfoto torsten montag

Webtipp

Wer trotz aller Warnungen versuchen möchte, den Kaufpreis eines Unternehmens nach obigen Ansätzen zu ermitteln, dem kann ich an dieser Stelle nur die Webseite von Dr. Carl W. Barthel empfehlen. Aber seien Sie gewarnt, es ist nicht ganz ohne ...

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich habe bereits mehr als 200 Unternehmern geholfen, einen guten Start hinzulegen und erfolgreich mit ihrem Business zu wachsen.

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