Muss ich ein Existenzgründerseminar besuchen?

Sobald Sie sich das erste Mal ernsthaft mit dem Gedanken tragen, werden viele Themen über Sie hereinbrechen, mit denen Sie sich als Arbeitnehmer nie beschäftigen mussten. Begriffe und Themen wie Umsatzsteuer, Kleinunternehmerregelung, Gewerbesteuer, Geschäftskonto, Steuerberater, Fördermittel oder Ausübungsberechtigung sind für angehende Selbstständige oft verwirrend und schwierig zu überblicken. Häufig hört man deshalb die Empfehlung, ein Existenzgründerseminar zu besuchen, das wichtige Informationen zur Selbstständigkeit vermittelt.

Die Inhalte im Existenzgründerseminar

Die Inhalte von Existenzgründerseminaren variieren oft sehr deutlich. Dies zeigt sich bereits am Umfang. Einer durch das Gründerlexikon durchgeführten Umfrage zufolge dauern fast drei Viertel der von Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern nur wenige Stunden bis einen Tag. 14 bzw. 15 Prozent dauern zwei oder drei Tage bzw. länger als drei Tage. Dementsprechend unterschiedlich müssen logischerweise auch die Inhalte aufgebaut sein. Themen, die meist mehr oder weniger tiefgehend beleuchtet werden, sind beispielsweise:

  • Besonderheiten der Gewerbeanmeldung
  • Klärung der Möglichkeiten in Bezug auf die Rechtsform
  • steuerliche Angelegenheiten
  • wichtige Versicherungen
  • Standortanalyse
  • Erstellung eines Businessplans mit Umsatz- und Rentabilitätsvorschau
  • Finanzierung und Fördergelder

Grundsätzlich handelt es sich dabei um Themen, die jeden Gründer angehen. Doch sind Existenzgründerseminare tatsächlich eine lohnenswerte Investition oder doch mehr Zeitverschwendung?

Keine gesetzliche Verpflichtung

Eines sei gleich vorweg erwähnt: Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, ein Existenzgründerseminar zu besuchen. Wenn Sie Fördergelder oder einen Kredit beantragen, kann die genehmigende Stelle die Teilnahme an einem Existenzgründerseminar zur Auflage machen, besonders wenn sie an den fachlichen Voraussetzungen zweifelt. Für den Gründungszuschuss gibt es eine indirekte Verpflichtung zur Weiterbildung, wobei nicht zwingend ein Existenzgründerseminar der IHK oder HWK erforderlich ist. § 93 Abs. 2 SGB III besagt: „Ein Gründungszuschuss kann geleistet werden, wenn die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer […] ihre oder seine Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausübung der selbständigen Tätigkeit darlegt.“ Eine Bescheinigung über die Teilnahme am Existenzgründungsseminar belegt zwar, dass Sie diese Kenntnisse erworben haben. Theoretisch könnten Sie entsprechende Kenntnisse aber auch beispielsweise durch eine frühere Selbstständigkeit, durch entsprechende kaufmännische Vorerfahrungen oder auch durch ein geeignetes Selbststudium nachweisen.

passfoto torsten montag
Download: Existenzgründerseminar im Selbststudium

Das Gründerlexikon hat für Sie alle wichtigen Informationen zusammengestellt, die vergleichbare Existenzgründerseminare vermitteln. Diese Inhalte können Sie sich im Selbststudium aneignen und sich anschließend die „Bescheinigung über die Aneignung von Wissen im Selbststudium“ herunterladen. Damit sparen Sie Geld, Zeit und erlangen nebenbei noch einiges an Wissen, das in anderen Kompaktseminaren durch das Raster der Hast fällt.

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Wann ist ein Existenzgründerseminar empfehlenswert?

Sie müssen sich selbst überlegen, ob ein Existenzgründerseminar für Sie sinnvoll ist. Hier gibt es mehrere mögliche Konstellationen:

  • Sie haben keinerlei kaufmännische Vorkenntnisse oder Wissen über die Selbstständigkeit. In diesem Fall reicht ein Existenzgründerseminar mit etwas Glück für einen groben Überblick – niemals aber, um Ihnen das notwendige Rüstzeug für die Selbstständigkeit zu geben. Im schlimmsten Fall verwirrt es Sie zusätzlich. Sie benötigen dann auf jeden Fall weitere Schulungen oder die Geduld, sich das notwendige Wissen im Selbststudium anzueignen.
  • Sie verfügen über kaufmännisches Grundwissen und möchten dieses auf die Selbstständigkeit bezogen vertiefen. Wählen Sie ein Existenzgründerseminar, das die benötigten Informationen in der Tiefe vermittelt.
  • Sie waren früher schon einmal selbstständig oder verfügen aus anderer Quelle bereits über gute Kenntnisse. Ein Existenzgründerseminar ist dann auf jeden Fall eine gute Idee zur Auffrischung und Aktualisierung Ihrer Kenntnisse, denn die eine oder andere Rechtsvorschrift hat sich im Laufe der Jahre auch geändert.

Die Qualität ist entscheidend

Leider ist die Qualität der Seminare besonders bei den Kammern oft eher zweifelhaft. Mögliche Mängel sind beispielsweise:

  • Die Kurse sind zu kurz gehalten und bleiben deshalb viel zu oberflächlich, um wirklich hilfreich zu sein.
  • Der Kursleiter betet gebetsmühlenartig und langweilig Steuerthemen im Frontalunterricht herunter, wodurch bei den Teilnehmern nahezu nichts hängen bleibt.
  • Der Berater nutzt die Gelegenheit, um seine eigenen Leistungen (z. B. als Existenzgründerberater) an den Gründer zu bringen.
  • Das ausgeteilte Lernmaterial ist mangelhaft, sodass die Teilnehmer auf eigene Notizen angewiesen sind. Gleichzeitig zuzuhören und mitzuschreiben ist allerdings nicht jedermanns Stärke.

Im Vorfeld ist es für Sie natürlich schwierig, zu erkennen, ob ein Existenzgründerseminar sinnvoll und seriös ist oder nicht. Sie sollten deshalb nach Möglichkeit Erkundungen über den Berater einholen, der das Seminar durchführt. Woran Sie unseriöse Unternehmensberater oder KfW-Berater erkennen, haben wir Ihnen Opens internal link in current windowbereits in einem früheren Artikel geschildert. Schließlich sind in der Beratungslandschaft auch einige Berater unterwegs, die gerne zu kleineren Betrügereien bereit sind.

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