Soll ich mit oder ohne Krankentagegeld meine Krankenversicherung abschließen?

Es passiert meist unerwartet: Eine länger andauernde Krankheit verändert dasganze Leben und sorgt oft für Einkommensausfälle. Selbständige sollten für diesen Fall mit einer Krankentagegeldversicherung vorsorgen. Freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige können das sogenannte Krankengeld wählen.

gründerlexikon tipp
Begriffsklärung

Beachten Sie die unterschiedliche Verwendung der Begriffe:

  1. Krankentagegeld = private Lohnersatzleistung
  2. Krankengeld = gesetzliche Lohnersatzleistung

Privat Versicherte haben die Möglichkeit der Krankentagegeldversicherung.Gesetzlich versicherte Selbständige haben zwei Möglichkeiten:

  1. regulärer Beitragssatz und Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag der Krankheit
  2. reduzierter Beitragssatz und kein Anspruch auf gesetzliches Krankengeld

Es gibt die Möglichkeit, mit der Krankenkasse einen speziellen Wahltarif zu vereinbaren. Dann ist auch die Auszahlung vor dem 43. Tag der Krankheit möglich.

passfoto torsten montag
Achtung:

An Ihre Wahl sind Sie für die Dauer von mindestens drei Jahren gebunden!

Grundsätzlich ist es unbedingt ratsam, eine Absicherung für den Fall längerer Krankheit zu haben. Wer sich aus Kostengründen für den günstigeren Beitragssatz entscheidet, sollte das Risiko des Einkommensausfalls entweder privat versichern (zusätzliche Krankentagegeldversicherung) oder über genügend andere finanzielle Mittel (z. B. Rücklagen oder andere Einnahmen wie Vermietung) verfügen, um einen längeren Arbeits- und Einkommensausfall kompensieren zu können.

Entscheidungshilfe für Gründer

Sie sollten grundsätzlich Kosten und Nutzen des Kranken(tage)geldes für sichabwägen. Nur wenn Sie alle folgenden Fragen mit “ja” beantworten können, können Sie sich die monatlichen Kosten für die Versicherung sparen:

  • Kann ich bei Eintritt einer länger andauernden Krankheit alle privatenund geschäftlichen Ausgaben für rund zwei Monate aus eigener Kraft finanzieren (z. B. durch andere Einnahmen oder Rücklagen)?
  • Notfalls auch mehrmals im Jahr?
  • Habe ich selbst dann noch genügend finanziellen Spielraum, um andere laufende und unvorhergesehene Kosten tragen zu können?

Falls nein, benötigen Sie eine Absicherung für den Arbeitsausfall. Ob es für gesetzlich Versicherte günstiger ist, den regulären gesetzlichen Beitrag für das gesetzliche Krankengeld zu zahlen oder lieber den reduzierten Beitrag mit einer privaten Krankentagegeldversicherung zu kombinieren, sollte vorher durchgerechnet werden.

Höhe des gesetzlichen Krankengeldes

Die Höhe des gesetzlichen Krankengeldes ist abhängig vom Einkommen unmittelbar vor der Arbeitsunfähigkeit. In der Regel hat das Krankengeld die Höhe von 70 Prozent des Bruttoeinkommens, aber maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens. Bei Selbständigen wird das beitragspflichtige Einkommen zugrunde gelegt.  

Wird an eine Person Krankengeld ausgezahlt, so muss diese keine Beiträge an die gesetzliche Krankenkasse zahlen. Allerdings müssen die Beiträge zur Pflegeversicherung - und soweit vorhanden auch zur gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung - weiter gezahlt werden. Anders ist dies bei Kindern und Erwachsenen bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres, denn diese müssen bei Erhalt von Krankengeld keine Beiträge zur Pflegeversicherung zahlen.

Deckungslücke des gesetzlichen Krankengeldes

Versicherte

Anspruch auf Krankengeld?

Deckungslücke im Krankheitsfall möglich?

Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung

Ja

Ja, in Höhe der Differenz vom Nettoeinkommen zum ausgezahlten Krankengeld

Freiwillig versicherte Selbständige mit reduziertem Beitragssatz

Nein

Ja, in Höhe der kompletten Einkünfte

Freiwillig Versicherte Selbstständige mit vollem Beitragssatz

Ja

Ja, in Höhe der Differenz vom Nettoeinkommen zum ausgezahlten Krankengeld

Versicherte in der privaten Krankenversicherung

Nein

Ja, in Höhe des kompletten Nettoeinkommens

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Checkliste zu Antrag und Dauer des gesetzlichen Krankengeldes

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Fazit

Es ist notwendig, sich bei längerem Einkommensausfall wegen Krankheit abzusichern. Dies kann entweder privat durch Rücklagen sowie eine Zusatzversicherung oder durch das gesetzliche Krankengeld geschehen. Ein Einkommensausfall sollte nicht unterschätzt werden, weshalb Sie Kosten und Nutzen der jeweiligen Absicherung im Vorfeld gut abwägen müssen.

Wann das gesetzliche Krankengeld die bessere Wahl ist

Als Faustregel gilt:

  • Für gesetzlich krankenversicherte Selbständige mit einem Einkommen (nach Steuern) unter der Beitragsbemessungsgrenze (2015: 4125 €/Monat)
  • Für gesetzlich versicherte Selbständige, die bereits schwere oder gar chronische Krankheiten haben (Keine Gesundheitsprüfung in der gesetzlichen Kasse)

Wann das private Krankentagegeld die bessere Wahl ist

Als Faustregel gilt:

  • Für Selbständige, die schon vor dem 43. Tag Lohnersatzleistungen benötigen und die gesetzliche Lücke auffüllen wollen
  • Für privat krankenversicherte Selbständige
Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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