Lohnt sich für mich die gesetzliche Arbeitslosenversicherung überhaupt?

Seit 2003 ist es für bestimmte Personenkreise möglich, sichfreiwillig in der Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BfA) zu versichern. Im Behördendeutsch heißt das "Pflichtversicherungsverhältnis auf Antrag". Dabei handelt es sich prinzipiell um eine Arbeitslosenversicherung für Selbstständige. Wie das geht, was es kostet und für wen es sich lohnt, lesen Sie hier:

Absicherung im Falle des Falles

In das dritte Sozialgesetzbuch wurden 2003 neue Bestimmungen aufgenommen, die es auch Selbstständigen ermöglichen, sich auf freiwilliger Basis gegen die finanziellen Folgen von Arbeitslosigkeit zu versichern. Dies gilt sogar für geringfügig Beschäftigte. In der Praxis bedeutet das, dass der oder der Selbstständige im Falle des Scheiterns zunächst Arbeitslosengeld I beziehen kann und nicht sofort auf ALG-II-Niveau fällt. Die Höhe des Arbeitslosengeldes beträgt dabei zwischen 636,90 und 1.322,70 Euro, abhängig von Qualifikation und Region.

Beiträge stiegen enorm

In den ersten Jahren dieser Regelung war jeder und jedem Selbstständigen absolut zu empfehlen, sich in der Arbeitslosenversicherung freiwillig zu versichern. Es gab gute Leistungen bei niedrigen Beträgen. Seit Anfang 2011 bis heute (Stand Juni 2015) haben sich die Beiträge allerdings rund vervierfacht, sie liegen derzeit bei einer monatlichen Pauschale von 82,95 EUR in den alten Bundesländern, Gründer in den neuen Bundesländern zahlen 70,35 EUR pro Monat. Einsteiger in die Selbstständigkeit zahlen in den ersten zwei Jahren gar nur die Hälfte der obigen Beiträge bei Erhalt der vollen Leistungen im Bedarfsfall. Die Leistungen sind gleich (gut) geblieben.

Einige Fallbeispiele

Die Höhe der Leistungen ist nach Qualifikationsstufen gestaffelt (hiervon gibt es vier) und hängt auch von Steuerklasse und Region ab. Schauen wir uns anhand einiger Fallbeispiele einmal an, wer mit welchen Leistungen rechnen kann (Stand: Juni 2015).

Fall 1:

Klaus hat eine handwerkliche Berufsausbildung als Maler absolviert, in Dresden als Geselle gearbeitet und sich dann in den alten Bundesländern mit seinem Gewerbe selbständig gemacht. Klaus hat keine Kinder. Leider gab es familiäre Probleme, die ihn zur Aufgabe seines Geschäfts zwangen.

Relevante Parameter:
Abgeschlossene Berufsausbildung (Qualifikationsgruppe 3), keine Kinder, Selbständigkeit im Westen, Steuerklasse I ohne Kind: Klaus erhält 822,30 EUR Leistungen pro Monat.

Fall 2:

Martina hat an der Universität München Sozialpädagogik studiert,  Nach einigen Jahren bei einem freien Träger in der Jugendhilfe hat Martina im westlichen Teil von Berlin eine eigene Praxis eröffnet. Durch einen Brandschaden ist die Praxis bis auf weiteres unbenutzbar, der Betrieb muss ruhen. Martina ist alleinerziehend und hat ein minderjähriges Kind.

Relevante Parameter:
Abgeschlossenes Hochschulstudium (Qualifikationsgruppe 1), ein minderjähriges anspruchsberechtigtes Kind, Selbständigkeit im Westen, Steuerklasse I mit Kind: Martina erhält 1.274,40 EUR Leistungen pro Monat plus Kindergeld.

Für wen lohnt es sich?

Empfehlenswert erscheint der Abschluss einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige noch für alle jene Personen, die aus persönlichen Gründen ein hohes soziales Absicherungsbedürfnis anstreben wie alleinerziehende Selbstständige, die versorgungsberechtigte Kinder zu erziehen haben. Sinnvoll erscheint der Abschluss auch für jene, die in Existenzgründungen mit hohem Risikopotenzial gehen, bei denen also trotz allem Enthusiasmus unter objektiven Maßstäben die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns der Existenzgründungsidee relativ hoch erscheint.

Nun müssen Sie selbst entscheiden, ob die Arbeitslosenversicherung eine Option für Sie ist. Fällen Sie die Entscheidung gegebenenfalls mit Ihrem Berater, nachdem Sie Ihren speziellen Fall durchgerechnet haben.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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