Das Netz vergisst nichts, oder etwa doch?

Im Rahmen meiner Ausführungen zur Onlinereputation und dem immer wichtiger werdenden Online Reputation Management möchte ich zu dieser Überschrift einige Erfahrungen und Praxisbeispiele bringen. Ich habe bereits zu folgenden Themen berichtet:

Vielen ist jedoch gar nicht bewusst, wie und vor allem wo das Netz Daten speichert und wie man diesen diesen Möglichkeiten entgegen wirken kann. Meiner Ansicht nach ist die obige Behauptung falsch, das Netz würde nichts vergessen, denn das Netz ist letztlich nur eine Ansammlung von miteinander verknüpften Computern. Wenn Sie es nun schaffen, entsprechende Dateien auf diesen Computern zu löschen, können Sie das Netz durchaus zum Vergessen zwingen. Es ist jedoch nicht so ganz einfach, Zugriff auf einigen Computern zu bekommen, da die Betreiber ihre Sprache nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Sie müssen also eine Möglichkeit finden, um entweder selbst die Daten zu löschen oder dem Betreiber zu zwingen, dies für Sie zu tun. 

passfoto torsten montag
Achtung: Quelle löschen

Darüber hinaus bringt das Löschen der Daten nichts, wenn die Quelle der zu löschenden Daten noch vorhanden ist, also stets eine Kopie erzeugt und veröffentlicht werden kann.

Im folgenden möchte ich Ihnen einmal einige Möglichkeiten zeigen, wo Daten gespeichert werden können:

  1. Google Cache
  2. The waybackmachine - Archive.org
  3. automatisierte Daten von privaten Internet Services
  4. Videomaterial
  5. Öffentliche Einträge in sozialen Netzen

Der Google Cache

Beginnen wir mit dem Google Cache, eine gerade für Webseitenbetreiber oft hilfreiche Einrichtung von Google. Der Google Cache (Zwischenspeicher von Google) speichert alle Webseiten, die es wünschen, für einen bestimmten Zeitraum ab und macht diese Version für alle Googlebesucher in diesem Zeitraum sichtbar. So können verwendete Bilder und Texte auf dieser Seite für eine gewisse Zeit nachweisbar dokumentiert werden. Vorhandene Funktionalitäten der Webseiten, wie interne Suche oder Benutzerregistrierung, funktionieren in diesem Google Cache nicht. Sobald sie trotzdem ausgeführt werden, wird der Besucher auf die aktuelle Version im Netz weitergeleitet.

The waybackmaschine - archive.org

Hier habe ich  mir es mal einfach gemacht und nur ein Video mit der Erklärung und Praxisbeispielen erstellt, viel Spaß beim zuschauen:

Einträge zu Webseiten und Personen durch Internetdienste

Diese Möglichkeit ist generell ein etwas größeres Problem als der Google Cache oder Archive.org, denn diverse Internetdienste suchen automatisch das Internet nach zum Beispiel Personennamen oder Internetadressen ab und speichern dazugehörige Fakten automatisch. Die so entstehenden Seiten werden dauerhaft zur Verfügung gestellt und von den Suchmaschinen gefunden und so wiederum den Suchenden zur Verfügung gestellt. Sehen Sie dazu mein Video:

4. Videomaterial

Auch Videomaterial kann automatisiert verbreitet werden. Stellen Sie sich folgenden Fall bildlich vor: Sie veröffentlichen ein Video von einer Firmenfeier oder einer anderen Veranstaltung und laden dieses Video bei YouTube hoch. Durch automatisierte Dienste wird dieses Video kopiert und auf fremden Videoportalen im In- und Ausland gespeichert und zur Verfügung gestellt. Wenn Sie nun merken, dass Video ist doch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und löschen es auf YouTube, sind davon die unzähligen Kopien im Netz nicht betroffen und werden weiterhin zur Verfügung gestellt. Sie müssten also jeden einzelnen Videodienst bitten, dass betreffende Video zu löschen. Dabei treten dieselben Probleme auf, wie ich unter Gliederungspunkt 3 bereits erwähnt habe, Sie beherrschen womöglich die Sprache des Dienstleisters nicht, der Dienstleister möchte gar nicht kontaktiert werden, sodass Ihre Kontaktanfragen ignoriert werden. Der von Ihnen beauftragte Rechtsanwalt möchte nicht mit dieser ausländischen Aufgabe betraut werden. Somit bleibt das Videomaterial im Internet auf Dauer gespeichert.

5. Öffentliche Einträge in sozialen Netzen

Einträge in sozialen Netzwerken werden von Ihnen selbst erzeugt. Bei vielen Netzwerken, so zum Beispiel Xing, kann man als registrierter Benutzer festlegen, ob das angelegte Profil veröffentlicht wird und somit von Suchmaschinen gefunden und gespeichert werden kann. Hier können Sie recht schnell dafür sorgen, dass Ihr Profil nicht bei Google gefunden wird. Ob das jedoch im Sinne der sozialen Medien ist, mag mal dahingestellt bleiben. Wer sich in sozialen Medien engagiert, möchte unter seinem Namen auch gefunden werden, warum sollte da nicht die Suchmaschine Google zusätzlich Interessierte zu Ihrem Namen liefern, wenn diese Suchenden auch auf der sozialen Plattform selbst die Möglichkeit dazu hätten?

Fazit

Sie sehen also, es gibt unzählige Möglichkeiten wie man sich selbst im Internet dauerhaft abspeichern kann, wie man permanent gefunden wird, ohne dass Sie es möchten. Sie sehen auch, dass Sie bei derartigen Dingen vorher überlegen müssen, was Sie veröffentlichen möchten und was nicht. Sobald es erst einmal veröffentlicht, publiziert oder gespeichert wurde, kann es unter Umständen ziemlich schwierig werden, diese Einträge (und auch die Kopien!) auf Dauer zu entfernen. Insofern kann ich die eingangs gestellte Frage beantworten, ob das Netz wirklich nichts vergisst:

passfoto torsten montag
Vergisst das Netz wirklich nichts?

Solange wie Sie es nicht löschen und dafür sorgen, dass es auch nicht wiedergefunden wird, vergisst das Netz auch nichts.

Was sollten Sie noch zum Thema Onlinereputation lesen?

In diesem Sinne:

  • Bleiben Sie sauber,
  • überlegen Sie, was Sie veröffentlichen wollen und müssen,
  • manchmal ist weniger mehr und
  • auch wenn Sie nichts machen, wird etwas über Ihre Webseite im Netz stehen.
Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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