Wie sich die Denkweise von Selbständigen und Unternehmern unterscheiden
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Warum manche Selbständige nicht Unternehmer werden
Ich erfahre oft, dass Selbständige auf dem Weg zum Unternehmer den Unterschied zwischen diesen beiden Seinszuständen (vgl. Die zweite Wachstumshürde – Der Übergang vom Selbständigen zum Unternehmer) verstehen. Auch die Bedeutung, dass diese Betrachtungsweise wirklich alles ändert und den Kern des unternehmerischen Selbstbilds prägt, wird klar. Trotzdem bleiben diese Menschen bei der Rolle des Selbständigen haften.
Nun ist das nichts Schlechtes, wenn man sich bewusst für die Rolle des Selbständigen entscheidet. Das Problem beginnt, wenn man sich bewusst für die Rolle des Unternehmers entscheidet und dann den Wechsel doch nicht vollzieht. Sicher gibt es äußere Umstände, die erfordern, dass der Selbständige noch überwiegend Fachkraftarbeit ausführt. Dennoch lassen sich immer Wege finden, diesen Übergang trotzdem zu schaffen.
Findet der Übergang über längere Zeit trotz erklärtem Wunsch nicht statt, kann das Konzept der Glaubenssätze weiter helfen.
Die Unterschiede in der Denkweise
Aus meinen Coachings mit Selbständigen und Unternehmern kenne ich eine ganze Reihe von Glaubenssätzen. Diese sind oftmals ein gutes Indiz dafür, ob der Übergang einfach gelingt oder eher schwer wird. Eine (unvollständige) Übersicht lautet wie folgt:
Themenbereich |
Selbständige |
Unternehmer |
Mitarbeiter |
Ich kann alles selbst am Besten |
Meine Mitarbeiter sind bessere Fachkräfte als ich |
Komplexität |
Je komplexer Dinge sind, desto spannender |
Je einfacher Dinge sind, desto erfolgreicher das Geschäft |
Wert der eigenen Arbeit |
Ich koste weniger als meine Mitarbeiter |
Meine Arbeit ist unbezahlbar |
Zeiteinsatz |
Geld ist wertvoller als Zeit. (Ich setze Zeit ein, um Geld zu sparen) |
Zeit ist wertvoller als Geld. (Ich setze Geld ein, um Zeit zu sparen) |
Geld |
Geld bietet Sicherheit |
Geld bietet Investitionsmöglichkeiten |
Weiterentwicklung |
Meine fachliche Weiterentwicklung ist wichtig |
Meine persönliche Weiterentwicklung ist am Wichtigsten |
Risiken |
Risiken sollten möglichst vermieden werden |
Risiken sind Schritte auf dem Weg zum Erfolg (und es erscheinen ganz andere Dinge als Risiko: Z.B. Angestellt sein ist ein größeres Risiko als ein eigenes Unternehmen) |
Berufung |
Mein Beruf ist meine Berufung (fachlich) |
Meine Berufung ist die Änderung der Zustände durch Schaffung eines bedeutenden (ohne mich funktionsfähigen) Unternehmens |
Komfortzone |
Ich bin da am Besten, wo ich mich am wohlsten fühle |
Der Erfolg und das Wachstum liegen dort, wo ich mich unwohl fühle. |
Aber was sind Glaubenssätze eigentlich?
Glaubenssätze existieren nicht in unserem Gehirn! Was jedoch existiert, sind emotional aufgeladene Referenzerfahrungen – selbst erlebte oder solche, die wir erzählt bekamen. Es existiert also genau genommen kein Glaubenssatz "Ich kann alles selbst am Besten". Was aber existiert, sind Erfahrungen mit Mitarbeitern, die etwas schlechter erledigten als man selbst. Oder Erfahrungen in Schule und Ausbildung, wenn man in einem bestimmten Bereich der Beste war.
Gibt es mehrere Erfahrungen, die sich zusammenfassen lassen zu "ich kann alles selbst am Besten", spricht man von einem Glaubenssatz. Letztlich handelt es sich nur um verdichtete Erfahrungen. Und manchmal reichen wenige einzelne Erfahrungen, um einen allgemeinen Glaubenssatz zu formulieren. Dabei ist die sprachliche Äußerung der verdichteten Erfahrung als "Glaubenssatz" nur sekundär. Primär und entscheidend ist nun, dass bei solchen verdichteten Erfahrungen in konkreten Situationen überhaupt nicht mehr nachgedacht wird – unser Gehirn arbeitet am liebsten auf Auto-Pilot. Sobald nun eine anspruchsvolle Fachkraftaufgabe hereinflattert, übernimmt man diese automatisch selbst. Alles andere wäre vor dem Hintergrund dieses Glaubenssatzes auch dumm.
Genauso ist es auch mit den anderen oben aufgeführten Glaubenssätzen. Glaube ich, dass Geld wertvoller als Zeit ist, so werde ich immer bei jeder neuen Aufgabe Zeit einsetzen und noch mehr arbeiten. Nur um das Geld zu sparen.
Die Änderung der Glaubenssätze
Glaubenssätze sind also gewissermaßen Modelle, die beschreiben, wie bestimmte ähnliche, emotionale Erfahrungen so zusammengefasst werden, dass sie handlungsleitend werden – und zwar ohne dass in der entsprechenden Handlungssituation nochmal separat darüber nachgedacht wird. Das Gehirn arbeitet in dieser Situation einfach mit einem Mustervergleich.
Der erste Schritt besteht nun darin, zu identifizieren, welcher Glaubenssatz Sie davon abhält, den Weg zum Unternehmer zu gehen. Ein schnell gangbarer Weg ist: Suchen Sie sich einfach den Unternehmer-Glaubenssatz oben aus, bei dem Sie die größten Bauchschmerzen haben.
Wenn Sie dann jedoch einfach her gehen und sich den neuen Glaubenssatz einige hundert Male vorsagen, ändert sich – gar nichts. Glaubenssätze sind ja nur Modelle. Es sind die Aussagen, die aus den Erfahrungen resultieren. Sie müssen also an die stützenden Erfahrungen ran. Nach der Auswahl besteht also der nächste Schritt darin, herauszufinden, wie Sie überhaupt dazu kommen, dass der alte Glaubenssatz stimmen könnte. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wer hat Ihnen das gesagt? Finden Sie mindestens 4 bis 6 stützende Erfahrungen.
Nun hinterfragen Sie diese. Gibt es ein Gesetz, das dazu führt, dass diese Erfahrungen allgemein gültig sind? Oder gibt es nicht doch einzelne Ausnahmen davon? War die Person, die Ihnen diesen Glaubenssatz vermittelt hat, da, wo Sie hin wollen? Oder hatte sie vielleicht auch keine Ahnung?
Wenn diese stützenden Erfahrungen in Bildform erinnert werden, können Sie auch z.B. über die NLP-Methode der Änderung der Submodalitäten die Emotionen herunter fahren. Sie können das Bild heller oder dunkler machen. Oder weiter von sich entfernen. Oder unscharf stellen usw.
Das Ziel dieses ersten Schrittes ist, die Grundlage des alten Glaubenssatzes, der ja meist nur auf einigen wenigen Beispielen, die dann verallgemeinert werden, zu erschüttern.
Unterstützende Erfahrungen finden
Der nächste Schritt besteht nun darin, für den neuen Glaubenssatz unterstützende Erfahrungen zu finden. Je emotionaler, desto besser. Je eher in Geschichtenform, desto besser. Und je mehr desto besser. Eine gute Methode, ist z.B. 4 bis 6 Wochen lang jeden Morgen beim Aufwachen eine unterstützende Geschichte zu finden und aufzuschreiben.
Es geht letzten Endes darum, sich Referenzerfahrungen zu erzeugen, die den neuen Glaubenssatz stützen. Das geht nicht nur über Visualisierungen, sondern auch dadurch, dass Sie sich mit Menschen umgeben, die den entsprechenden neuen Glaubenssatz haben. Oder dadurch, dass Sie sich neue Beweise selbst schaffen.
Ein Beispiel
Viele Selbständige bezahlen sich weniger als ihren Mitarbeitern. Die Konsequenz ist der Glaubenssatz, dass sie weniger kosten und es deshalb immer besser ist, alles selbst zu machen. Schaffen Sie sich den Beweis, dass Sie mehr kosten als Ihre Mitarbeiter, indem Sie sich mehr bezahlen. Und für den Fall, dass Sie tatsächlich in bestimmten Bereichen beispielsweise 20 Prozent effektiver als ihre Mitarbeiter sind, dann sollten Sie sich mindestens 40 Prozent mehr bezahlen.
Ich weiß, jetzt kommt der Einwand: Ich habe dafür kein Geld. In Wirklichkeit heißt das jedoch: Das widerspricht meinem finanziellen Sicherheitsbedürfnis. Und wenn Sie nun den Glaubenssatz zum Geld anschauen, sehen Sie den Unterschied. Für einen Unternehmer wäre es eine Investition in die eigene Weiterentwicklung. Er müsste nur dafür sorgen, dass die Aufgaben, die dann billiger von Mitarbeitern übernommen werden können, durch neue, die das zusätzliche Unternehmergehalt einspielen, ersetzt werden. Sie sehen schon: Manche Änderungen von Glaubenssätzen sind nicht einfach. Und diese Änderungen lassen sich besser mit einem Coach vornehmen.
Aus dem Buch von Stefan Merath: "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer"
Anfragen zum Autor: www.onlinemarketingcoach.de
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kommentiert von Gast am 16. April 2010
Die Unterschiede sind sehr gut zusammengefasst. Ich erlebe die Thematik in der Praxis auf ähnliche Art. Auch ist der Ansatz der theoretischen Erklärung zur eigenen Eingliederung über NLP interessant. Die Quell-Literatur sollte ich mal auf die Gute-Nacht-Lektüren-Liste setzen.
kommentiert von Gast am 16. April 2010
Na da bin ich voll der Selbständige und nicht der Unternehmer ;-). ...guter Artikel.