Welche Folgen der Mindestlohn für einen Unternehmer hat
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Teil 1 von 3 aus der Serie:
Mindestlohn
Mindestlohn
- Welche Folgen der Mindestlohn für einen Unternehmer hat
- Mindestlohndebatte: Welche Partei welches Ziel verfolgt
- Mindestlohn ja oder nein – die Argumente
Die Mindestlohndebatte dauert nun schon Jahre an und inzwischen etabliert sich zumindest in der CDU ein klarer Plan: 7 Euro sollen es sein. Viele unterbezahlte Arbeitnehmer atmen auf und freuen sich auf die Lohnerhöhung – aber ganz so einfach ist es halt leider doch nicht.
Kleine Ursache, große Wirkung
In vielen Branchen sind Löhne von unter 7 Euro durchaus noch üblich – denken Sie nur an Frisöre oder Floristen. Und schon beginnen für die Unternehmer die Probleme: Die erste und naheliegendste Folge sind natürlich steigende Personalkosten. Wenn ein Unternehmer seinem Personal plötzlich 50 bis 100 Prozent mehr Lohn zahlen muss, fällt dies wesentlich ins Gewicht. Nun gibt es mehrere mögliche Szenarien:
Szenario 1: Preiserhöhungen
Der Unternehmer muss seine Preise drastisch anheben, um die Kosten zu decken. Stellen Sie sich vor, Ihr Otto-Normalverbraucher-Haarschnitt würde demnächst nicht mehr 20 Euro, sondern stattdessen 40 Euro kosten. Würden Sie das lustig finden? Wahrscheinlich die wenigsten Kunden. Oder wie viele Rosen à 20 Euro das Stück würden Sie Ihrem Partner noch mit nach Hause bringen?
Höchstwahrscheinlich würden die Kunden ausbleiben bzw. nicht mehr so oft erscheinen und dementsprechend die Umsätze sinken. Die gestiegenen Personalkosten könnten wiederum nicht mehr gedeckt werden und es müssten Arbeitsplätze gestrichen werden, um das Unternehmen überhaupt am Leben zu erhalten.
Szenario 2: Produktivitätssteigerung
Wenn die Personalkosten pro Mitarbeiter steigen, muss eben die Produktivität gesteigert werden. Da muss die Frisörin eben zukünftig pro Stunde mehr Haarschnitte schaffen und der Florist mehr Blumenarrangements binden. Hier gibt es zwei mögliche Folgen:
- Der Unternehmer erhöht den Arbeitsdruck und damit die Menge, steigert seinen Umsatz und fängt damit die höheren Personalkosten auf. Aber: Langfristig wird der Arbeitsdruck an den Nerven und an der Gesundheit der Mitarbeiter kratzen.
- Der Unternehmer baut Arbeitsplätze ab und verteilt die übrigen Arbeiten neu auf die verbleibenden Mitarbeiter. Der Umsatz bleibt gleich, aber die Gesamtpersonalkosten sinken. Die Arbeitsmenge steigt jedoch überproportional an. Wiederum wird dies langfristig die Motivation und die Gesundheit der Mitarbeiter negativ beeinflussen.
Szenario 3: Schlechtere Leistung
Der Unternehmer baut wiederum Arbeitsplätze ab, um die gesteigerten Personalkosten auszugleichen. Die verbleibenden Mitarbeiter übernehmen die Arbeit mit und müssen eventuell sogar mehr Stunden ohne Lohnausgleich arbeiten, um diese Zeit hereinzuholen. Die Folge ist in diesem Fall meist eine schlechtere Leistung.
Wir kennen dieses Mysterium aus schlecht laufenden Restaurants und Gaststätten. Um bei sinkenden Umsätzen die Kosten niedrig zu halten, arbeiten weniger Köche und Kellner. Dies wiederum führt jedoch zu einem schlechteren Service, einer schlechteren Qualität und längeren Wartezeiten. Dadurch bleiben die Gäste aber erst recht aus – eine Abwärtsspirale, aus der die meisten Unternehmen nicht mehr entkommen.
Szenario 4: Akzeptanz
Der Unternehmer akzeptiert den Mindestlohn als gegeben, ergreift keinerlei personelle Maßnahmen und macht weiter wie bisher. Die Folge lässt sich leicht ausrechnen:
Gleiche Umsätze - höhere Kosten = niedrigerer Gewinn
Doch ganz ehrlich: Welcher Unternehmer würde schon freiwillig einen wesentlich niedrigeren Gewinn in Kauf nehmen wollen und vor allem können?
Szenario 5: Alle ziehen an einem Strang
Ein zwar eher unwahrscheinliches Szenario, aber durchaus in manchen Branchen möglich: Alle Unternehmer erhöhen die Preise für ihre Dienstleistung, sodass die Kunden mehr oder weniger gezwungen sind, diese als gegeben anzunehmen. Dies hätte einen Gewinn für die Arbeitnehmer und die Kostenneutralität für die Unternehmer zur Folge. Aber:
- Dies würde nur in Branchen funktionieren, die zwingend benötigte Leistungen anbieten – nicht bei Luxusartikeln und -dienstleistungen wie dem Frisör- oder Restaurantbesuch.
- Im Endeffekt hinterlässt dies doch wieder kein Plus im Geldbeutel der Arbeitnehmer, da sie ja wiederum mehr Geld benötigen.
Was dem Selbstständigen der Mindestlohn bringt
Leider ist uns kein Szenario eingefallen, in dem ein Selbstständiger tatsächlich vom Mindestlohn profitieren könnte. Immerhin – Szenario Nr. 5 wäre kostenneutral für ihn, aber das war es dann auch schon. Alle anderen Szenarien enden mehr oder weniger im Ruin des Unternehmers. Damit ein Unternehmen derartig hohe Personalkostensteigerungen vertragen kann, muss es schon sehr gefestigt sein und einen sehr großen Gewinn erwirtschaften. Dies ist jedoch bei den meisten kleineren Betrieben nicht der Fall.
Quelle:
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Über den Autor

- Sabine Hutter
- Mein Name ist Sabine Hutter und ich bin als selbständige Autorin und Webtexterin tätig. Als Staatlich geprüfte Betriebswirtin habe ich mich auf die Themen Existenzgründung, Unternehmen und Personalwesen spezialisiert.
- http://www.content-texte.de
- sabine.hutter@content-texte.de
kommentiert von Dr. Gudrun Wolf am 23. November 2011
Mir fällt nicht nur ein Szenario ein, sondern ich habe praktische Erfahrungen damit. Wenn ich als Unternehmer mit Menschen zusammenarbeite, deren Mindesteinkommen nicht gesichert ist, muß ich mich auf schlechte Laune, Anspannung, Existenzangst und Fluktuation einstellen. Manche können das ganz gut.
Ansonsten gilt für mich, es ist die Herausforderung für jede/n Unternehmer/in, ein Geschäftsmodell (weiter) zu entwickeln, das ihm/ihr und den Kooperationspartnern ein angemessenes Einkommen ermöglicht. Mit Veränderungen fertig zu werden, ist dabei existentiell.
Die Wachstumsmöglichkeiten sind unterschiedlich und hängen von konkreten Bedingungen ab. Allgemein gesagt sind es Qualität und Quantität. Der Kunde beim Frisör, der mit Maschinenschnitt zufrieden ist, zahlt 7 Euro und ist in 5 Minuten wieder draußen. Die Kundin, die eine Farb-/Materialberatung wünscht und erhält, benötigt vielleicht 1 Stunde und zahlt 25 Euro (ohne Schnitt). Parallel sind natürlich noch andere Kunden da, die in der technologisch bedingten Wartezeit bedient werden. Der Kunde, der ein komplexes Programm bestellt bei seinem Exklusiv Stylisten geht nach 2 - 3 Stunden nach Hause und läßt 120 - 160 Euro zurück. Er ist nicht nur äußerlich gestylt, sondern auch innerlich oder/und hat 1 bis 2 andere exklusive Menschen kennengelernt.
Wer 40 Stunden in der Woche ordentlich und zuverlässig arbeitet, soll von diesem Einkommen auch leben können und nicht beim Jobcenter betteln gehen müssen. 7 Euro für einen Arbeitnehmer und 10 Euro für einen Selbständigen sind da durchaus eine angemessene Mindest-Größe.
Ich finde, wir müßten gerade als Unternehmer und Berater in diesen Fragen der Kalkulation und des wirklich sozialen Anspruches von Arbeit viel offensiver und konkreter argumentieren und auftreten. Geschäftsmodelle gehören öffentlich durchgerechnet, zum Beispiel von Kranken- und Pflegeversicherung oder von Bildungsmaßnahmen. Ebenso sollen die Leute sich mal genauer fragen, wie eine ordentliche Putzfrau mit einem Stundenlohn von 5 Euro bitte halbwegs sich ernähren soll. Und natürlich gehört viel klarer wieder die Qualität der Arbeit benannt., mit ihren Stufen.
Die Diskussion um ein Mindesteinkommen ist sehr zeitgemäß - ich kann nur jedem raten sich damit intensiv zu beschäftigen, wenn man nicht Dauerkunde des Jobcenters werden oder bleiben will.
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