Unternehmensnachfolge statt Existenzgründung?

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Existenzgründer beschäftigen sich fast ausschließlich mit der Gründung eines neuen Unternehmens. Nur wenige interessieren sich für die Übernahme eines bestehenden Unternehmens, was jedoch viele Vorteile mit sich bringt. Eine Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IFM) hat ergeben, dass gut ein Viertel der Selbstständigen im Mittelstand älter als 55 Jahre sind. Jährlich suchen etwa 71.000 Unternehmen nach einem Nachfolger für die Firma, doch die Quote derer, die einen findet, ist erschreckend gering.

So müssen gut 8,3 Prozent der Unternehmen in die Liquidation geführt werden, weil kein Nachfolger gefunden werden kann, das entspricht gut 5.900 Firmen, die trotz guter Geschäftslage aufgegeben werden. Deshalb sollten sich Existenzgründer über die Vorteile einer Unternehmensnachfolge durchaus einmal Gedanken machen.

Vorteile der Unternehmensnachfolge

Zunächst einmal handelt es sich bei der Übernahme eines bestehenden Betriebs um ein Unternehmen, welches bereits amMarkt eingeführt ist. Die Mitarbeiter sind ein eingespieltes Team, das Hand in Hand arbeiten kann. Die Kunden sind bereits vorhanden und müssen nur auch weiterhin bestens bedient werden. Damit ergibt sich der große Vorteil, dass grundlegende Maßnahmen, wie die Kundengewinnung, die zu Beginn einer Neugründung stehen, entfallen.

Vielmehr kann der Nachfolger auf bestehende Strukturen zurückgreifen und diese weiter ausbauen. Lange Durststrecken, die bei Neugründungen gerade in der Anfangszeit üblich sind, entfallen somit fast vollständig. Zudem erhält der Nachfolger durch eine gewisse Einarbeitungszeit, in der der bisherige Unternehmer noch beratend zur Seite steht, tiefere Einblicke ins Unternehmen.

Nachteile der Unternehmensnachfolge

Allerdings gibt es auch eine zweite Seite der Medaille. Der Faktor Mensch nämlich ist bei Unternehmensnachfolgen entscheidend. Auf der einen Seite steht der ambitionierte Gründer, der unzählige neue Ideen hat, die er natürlich in die Tat umsetzen will. Auf der anderen Seite steht der Unternehmer, der sein Lebenswerk abgeben will. Wird dann zu sehr von Änderungen gesprochen, sieht er sein Unternehmen in Gefahr und der Deal platzt womöglich noch. Gründer sollten bei einem funktionierenden Unternehmen also nicht zu viel verändern wollen.

Auch die Mitarbeiter bangen mitunter um ihre Jobs, doch durch Übernahmeregelungen kann hierbei Abhilfe geschaffen werden. Wichtig ist vor allem die Finanzierung der Unternehmensnachfolge. Aufgrund der bestehenden Kreditklemme im Mittelstand fürchten sich viele Unternehmer davor. Dabei bestätigen Banken, dass ein gut eingeführtes Unternehmen, welches ihnen bereits bekannt ist, noch eher einen Kredit erhält, als Neugründungen.
 

Quelle:
Praxis Aktuell, Das AOK München, 04/2009

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