Staatsbankrott mehrerer westlicher Staaten wahrscheinlich

(2 Bewertungen) +2 -0

Teil 4 von 4 aus der Serie:
Wirtschaftskrise 2011


Was wird geschehen?

Zuallererst: Jede Prognose, was die nächsten zwei bis fünf Jahre, Monate oder auch nur Wochen geschehen wird, ist Kaffeesatzleserei. Das liegt an mehreren Gründen. Erstens, Krisensituationen haben ihre eigene Dynamik und sind vom Verlauf nicht berechenbar. Es gibt zwar die grundlegenden Konflikt-/Kräftelinien, die durch Kondratieffzyklus und Staatsverschuldung bedingt sind, aber auf diesen Kräftelinien handeln unterschiedlichste Akteure.
 
Ich schrieb weiter oben, dass der Kapitalismus nicht die Ursache des Problems sei. Dennoch ist es möglich, dass die aktuelle Situation mit dem Ende des Kapitalismus - in einigen Ländern - einhergeht. Das liegt schlicht daran, dass die Ursache das eine ist und die gewählten Lösungen (einer kleinen mächtigen Clique oder einer revolutionären Masse oder einer irgendwie gewählten Regierung) das andere. Wenn diese dann handlungsfähige Gruppe *glaubt*, die Ursache läge im Kapitalismus, dann kann sie diesen einschränken oder abschaffen. Auch wenn sie damit das Problem nicht löst. Angesichts der aktuell dominanten gesellschaftlichen Erklärungsmuster, dass die "Reichen" oder die "Spekulanten" dran schuld seien, ist das leider durchaus eine mögliche Entwicklungslinie. 
Aber das ist alles Spekulation. Was wir jedoch wissen können, ist, dass es aufgrund des zugrundeliegenden Kondratieffzyklus eine Machtverschiebung noch weiter zu den Schwellenländern geben wird. Wir wissen auch, dass erst dann wieder weiteres Wachstum möglich ist, wenn die zugrundeliegenden Energie- und Rohstoff-Probleme (inkl. Nahrung) gelöst sind. 

Staatsausgaben reduzieren

Und wir wissen, dass es erst dann wieder zu neuem Wachstum kommen wird, wenn die Staatsausgaben soweit reduziert wurden, dass sie auch der tatsächlichen Wirtschaftskraft entsprechen. Aktuell ist es so, dass weit über 50% der Staatsausgaben in den Bereich des Sozialen, der Rente und der Gesundheit fließen. Bei Staatsausgaben, die (je nach Land) 20-80% über den Steuereinnahmen liegen, ist völlig logisch, dass dieser Bereich so nicht finanzierbar ist. Das wird zwingend kippen. 

Staatsbankrott mehrere westlicher Staaten ist mehr als wahrscheinlich

Sicher ist auch, dass die Mehrheit der westlichen Staaten (inklusive Japan) Bankrott gehen wird. Dass einzelne Staaten Bankrott gehen, gab es schon oft. Das ist hinreichend untersucht. Prinzipiell gibt es für einen Staat zwei Möglichkeiten, an Geld zu kommen: Schulden machen und Steuereinnahmen - genauso wie es für Unternehmen zwei Möglichkeiten gibt, an Geld zu kommen: Durch Geldgeber/Banken und durch Kunden. 
 
Bei einem Staatsbankrott fällt die Möglichkeit, Schulden zu machen, für ein paar Jahre angesichts des Vertrauensverlusts weg. Es bleiben also nur noch die Steuereinnahmen. Das hat zur Konsequenz, dass der Staat in vielen Bereichen als öffentlicher Auftraggeber wegfällt, damit die Wirtschaft weniger Aufträge bekommt, damit weniger Steuereinnahmen fließen usw. Also ein hübscher Negativkreislauf, der sich irgendwann mal auf niedrigerem Niveau einpendelt. (Wir reden hier bei einem Staatsbankrott eines einzelnen Landes von Rückgängen des BIP um mehr als 20%(!), wenn man sich z.B. Argentinien 1998 anschaut – die globale 2008er Krise ging mit einem Rückgang um gerade einmal 5% einher).

Staatsanleihen und Inflation

Zudem werden die Schulden auf irgendeine Art und Weise reduziert - z.B. Schuldenschnitt oder Inflation. Wie auch immer: Diejenigen, die Staatsanleihen halten, sind die Gekniffenen. Und wer ist das zum größten Teil? Einmal andere Staaten wie China. Mal abgesehen von einigen Rüttlern wird das China angesichts des Handelsbilanzüberschusses aber nicht so viel ausmachen. Zum anderen "institutionelle Anleger". Dahinter verbergen sich vor allem Lebensversicherungen und Pensionsfonds. Und wessen Geld haben die? Ouups!!! Noch ein Grund, warum Rentner weniger Geld ausgeben und damit die Wirtschaft noch weiter zurückgehen wird.
 
Das betrifft die Situation, wenn ein einzelner Staat Bankrott geht, aber wenn es eine ganze Gruppe (USA, EU und Japan) betrifft, gibt es kein historisches Beispiel und wir wissen es schlicht nicht. Vielleicht gibt es eine Hyperinflation, vielleicht eine Deflation – das weiß letztlich keiner und vermutlich ist das auch die Geringere unserer Sorgen. Bei aller Unsicherheit: Sicher ist, dass dieser Bankrott kommen wird. Jeder, der die Zahlen kennt, rechnen kann und die politischen "Gegenmaßnahmen" betrachtet, weiß das.

Was heißt das für Unternehmer kleiner und mittlerer Unternehmen?

Im Unternehmercoach-Forum klang bei einigen an, dass sie keine Angst vor der Krise hätten und es wichtig wäre, diese auch in historischer Dimension zu sehen. Das ist auch mein Ausgangspunkt. Dennoch muss man einen Unterschied zwischen einer historischen Betrachtung und dem Erleben derselben Geschichte machen. Mal ein extremes Beispiel: Ich kann mich in der warmen Stube ganz relaxed mit dem 30-jährigen Krieg beschäftigen und die verschiedenen Einflussfaktoren betrachten. Wenn ich mich da aber wirklich rein versetze und mir vorstelle, dass von 3 Menschen, die ich kenne, danach 2 tot waren, dann fühlt sich das anders an. Deshalb: Ja, bitte von oben die großen Linien betrachten, um zu verstehen, was passiert. Aber Nein, das Ganze nicht zu leicht nehmen!

China als weißer Ritter für den Westen?

Bitte, lieber Leser, versteh meinen Beitrag nicht falsch: Ich will keinen Fatalismus verbreiten und es ist durchaus möglich, dass sich das nochmal beruhigt - weil vielleicht der weiße Ritter aus China kommt - und nochmals zwei oder drei Jahre zieht (wenn auch nicht wahrscheinlich und ganz sicher nicht besser). 
Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Ich schrieb 2008: "Die jetzige Bankenkrise ist nur ein kleines Symptom dessen, was noch kommen wird." Die nächsten Jahre werden spannend! Und wenn jemand die Macht hat, diese zu gestalten, dann Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, die Menschen, die Verantwortung übernehmen, die Menschen, die gelernt haben, auch unter Risiko Entscheidungen zu treffen, die Menschen, die auch im schwärzesten Loch noch die Chancen sehen: Unternehmer!
 
Es kann (und wird) den einen oder anderen Unternehmer aus der Kurve tragen (wogegen immer noch meine "Gesammelten Tipps gegen die Krise" (Gratis-Download) aus 2008 helfen). Aber wir wissen unser Handwerkszeug einzusetzen und werden in der Situation Lösungen finden, die wir jetzt noch nicht einmal erahnen.
 
Und der Schlüssel ist auch und gerade in der Krise, nicht dauernd "Ich, ich, ich..." zu denken, sondern zu schauen, wo wir einen Beitrag und einen Nutzen für andere leisten können.

Weitere Informationen:

Link zum Gratisdownload „Gesammelte Tipps gegen die Krise“:
Jetzt handeln und fit machen für die Krise: Coachingbriefe für Unternehmer:
Quelle:
Stefan Merath

Benutzer die diesen Artikel gelesen haben, haben auch folgenden Artikel gelesen:


Artikel verfolgen

Wenn Sie über Änderungen an diesem Artikel benachrichtigt werden möchten, klicken Sie auf Benachrichtigen


Häufig gelesen

Vorlage Abtretungserklärung

Häufig gesucht und nachgefragt wird eine Vorlage zur Abtretungserklärung. Abtretungserklärungen si...

E-Book: Die 10 häufigsten Fragen zum Nebengewerbe und zur Nebentätigkeit

Endlich der eigene Herr sein, das eigene Wissen nutzbringend anwenden oder sein Hobby zum Beruf mache...

Wann muss ich eine Umsatzsteuererklärung abgeben? FAQ 20

Sehr häufig wir im Forum die Frage gestellt: Wann muss ich eine Steuererklärung abgeben? oder Welc...

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung FAQ 16

Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, auch ...

Anlage EÜR für 2009 online

Soeben habe ich die Nachricht erhalten, dass der Vordruck zur Einnahmenüberschussrechnung EÜR 2009...

Zuletzt geschrieben

Fachanwälte beraten Unternehmen Neu

Das Leistungsportfolio niedergelassener Fachanwälte ist sehr umfangreich. Die Rechtsgebiete, die d...

Professionelle Firmenvideos – so wird’s gemacht Neu

Imagefilme, Werbefilme, Produktvorstellungen – die Auswahl an Möglichkeiten, ein Unternehmen in Fo...

GmbH-Haftung – Geschäftsführer in der Wissensfalle Neu

Die Geschäftsführer der GmbH sind nicht annähernd so sicher vor der Haftung mit dem Privatvermögen...

Verschenken Sie zum Richtfest auch noch Gutscheine, Deko und Blumen? Neu

Wenn der Dachstuhl gesetzt ist, atmet der Bauherr erst einmal auf: das ganze Projekt ist endlich a...

Rentenversicherungspflicht: Selbstständige werden geschröpft! Neu

Es ist ja nun nicht so, als wären Selbstständige durch ihr Geschäftsrisiko und den großen Wettbewe...

Wir antworten auf jede Frage

Gratis anmelden und Fragen stellen.
>> Jetzt anmelden und mitmachen

Über den Autor Xing_icon

  • kein Profilbild vorhanden
  • Evelyn Brandies
  • Mein Name ist Evelyn Brandies, ich schreibe als Redakteurin u.a. für das Gründerlexikon. Weiterhin unterstütze ich als gelernte Bilanzbuchhalterin Existenzgründer beim Aufbau ihrer Buchhaltung.