Sinn und Zweck der ISO Zertifizierung
(2 Bewertungen)
Von Marketing und Vertriebsprofis wird die ISO Zertifizierung gern gewinnbringend in dieVermarktungsstrategie eingebracht und als Verkaufsinstrument genutzt. Stolz wird darauf hingewiesen, dass das Unternehmen nun dieISO Zertifizierung bspw. nach 9001 erfolgreich bestanden hat.
Was bedeutet ISO Zertifizierung?
Das Kürzel ISO steht für International Organization for Standardization. Diese Organisation koordiniert die internationale Normung mit dem Ziel, eine weltweit einheitliche Norm zu schaffen. Damit soll der umfassende Austausch von Gütern und Dienstleistungen zu unterstützt werden.
Die Zertifizierung hingegen besagt, dass das Unternehmen den Aufbau eines Managementsystems, bzw. eines Qualitätsmanagementsystems im Sinne der ISO-Normenreihe erfolgreich abgeschlossen hat. Mit der Zertifizierung wird durch eine akkreditierte und unabhängige Zertifizierungsgesellschaft bestätigt, dass die geprüften Abläufe konform mit den Normen sind.
Welche Vorteile ergeben sich aus der Zertifizierung?
Von einem unabhängigen Dritten werden die Strukturen, Abläufe und Prozesse im Unternehmen überprüft. Probleme, bspw. mit der Produktqualität, dem Umgang mit Kunden oder anderen Schwachstellen werden so recht schnell aufgedeckt und können verbessert werden. Mit der Erstellung des Qualitätsmanagementhandbuchs sind Aufgaben und Verantwortlichkeiten eindeutig zugeordnet. Die einzelnen Unternehmensabläufe sind standardisiert, dadurch können Verstöße sehr schnell aufgedeckt und behoben werden.
Potenzielle Kunden können sich durch die Zertifizierung überzeugen, dass das Unternehmen eine eindeutige Zuordnung in der Organisation nachweisen und dass eine festgelegte Qualität der Produkte als Standard angesehen werden kann.
Nachteile der ISO Zertifizierung
Fremde Dritte (Auditoren) durchforsten das Unternehmen auf Schwachstellen, interviewen die Mitarbeiter und bringen erst einmal Unruhe ins Unternehmen.
Schwachstellen aufdecken
Die Auditoren haben einen bestimmten Plan im Kopf, wie die Abläufe eines Unternehmens ihrer Meinung nach gesteuert sein müssen. Dieses Soll vergleichen sie mit dem Ist. Stimmt beides nicht überein, sind die Schwachstellen schnell gefunden. Ob diese Nichtübereinstimmungen wirklich Schwachstellen im Unternehmen sind oder einfach nur Kreativität und Mitdenken ausdrücken, ist für den Auditor nicht entscheidend. Wichtig ist nur die Standardisierung der Abläufe.
Befragung der Mitarbeiter
Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen werden genauestens zu ihrer Arbeit, ihrer Arbeitsweise und zu den Abläufen befragt. Der Auditor erfasst alles Gesagte, beobachtet den Angestellten bei der Arbeit, schaut ihm über die Schulter und fragt weiter.
Audit wird nicht umsonst mit Untersuchungsverfahren oder Anhörung übersetzt. Den Eindruck eines Untersuchungsverfahrens gewinnen die Angestellten nach sehr kurzer Zeit. Mitarbeiter, die ein zwei- bis dreistündiges Audit mit einem Auditor hinter sich haben, werden freiwillig keinen eigenen Gedanken mehr zum funktionierendem Unternehmensablauf beisteuern. ISO Zertifizierung wird in den Köpfen der Angestellten oft mit Arbeit nach Schema F gleichgesetzt. Die Auditoren vermitteln nicht nur unterschwellig, dass ab dato jede Tätigkeit streng nach der festgelegten Norm im Qualitätshandbuch durchführt werden muss. Entsprechend schnell sinkt die Motivation der Mitarbeiter. Wenn Mitdenken als Abweichung definiert wird, ist das über kurz oder lang tödlich für das Unternehmen.
Kosten der Zertifizierung
Die Kosten für eine Zertifizierung sollte kein Unternehmer auf die leichte Schulter nehmen. Für kleine Firmen mit bis zu 10 Mitarbeitern, kann eine Zertifizierung ohne weiteres bis zu 6.000 Euro kosten. Diese Summe ist nur für die Auditoren aufzubringen. Darüber hinaus muss sich ein Angestellter um das gesamte Qualitätsmanagement kümmern. Das Qualitätshandbuch muss erstellt werden, die Mitarbeiterschulungen verschlingen ebenfalls Zeit und damit Geld.
Eine anschauliche Preisliste für die Zertifizierung haben wir auf der Seite: www.denkeler-qm.de gefunden und als Download bereitgestellt.
DOWNLOAD: Preisliste Zertifizierungskosten (PDF, 40 KB)
Papier produzieren
Die Zertifizierung produziert Unmengen an Papier. Jeder Schritt, jeder Prozess und jeder Ablauf muss im Rahmen der Zertifizierung genau dokumentiert werden. Das bedeutet Unmengen an ausgedruckten Seiten, die auch noch einer ständigen Aktualisierung unterliegen. Sicherlich gibt es auch Softwarelösungen für die Dokumentation. Die Software verursacht aber wieder weitere Kosten, durch die Anschaffung, die Einarbeitung und die Aktualisierungen.
Fazit
In bestimmten Bereichen, wie bspw. der Medizintechnik, ist die Zertifizierung vorgeschrieben und unabdingbar. In anderen Branchen, bei Familienbetrieben oder kleinen Firmen ist die Zertifizierung muss der Unternehmer eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, um herauszufinden, ob sich die eingesetzten Kosten rentabel sind.
Ein gut durchdachtes und sinnvoll eingeführtes Qualitätsmanagementsystem kommt der Qualität der Produkte oder Dienstleistungen immer entgegen. Ein für seine Firma abgestimmtes Qualitätsmanagementsystem kann der Unternehmer auch ohne die strikten Regularien einer Zertifizierung einführen. Der Kunde will keinen Zettel, kein Logo oder Stempel – er will Qualität.
Im Gründerlexikon TV
Quelle:
Eigene ErfahrungenBenutzer die diesen Artikel gelesen haben, haben auch folgende Artikel gelesen:
-
E-Books
- Qualitätsmanagement und die ISO 9000er Normenfamilie (Download für nur 29,95 €)
-
Lexikon
- Qualitätsmanagement
- Qualität
- Preisliste
-
Magazin
- Die acht Stufen der Kosten-Nutzen-Analyse
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Über den Autor

- Evelyn Brandies
- Mein Name ist Evelyn Brandies, ich schreibe als Redakteurin u.a. für das Gründerlexikon. Weiterhin unterstütze ich als gelernte Bilanzbuchhalterin Existenzgründer beim Aufbau ihrer Buchhaltung.
kommentiert von Michael Thode am 22. Dezember 2011
Sehr geehrte Frau Brandies,
Ihren Beitrag zum Thema "Sinn und Zweck der ISO Zertifizierung" habe ich mit Interesse gelesen. Erlauben Sie mir einige Anmerkungen dazu.
Meiner Meinung nach differenzieren Sie zu wenig zwischen einem Qualitätsmanagementsystem und der Zertifizierung dieses Systems.
Sie schreiben z.B. unter der Überschrift Welche Vorteile ergeben sich aus der Zertifizierungen: "Von einem unabhängigen Dritten werden die Strukturen, Abläufe und Prozesse im Unternehmen überprüft, Probleme, bspw. mit der Produktqualität, dem Umgang mit Kunden oder anderen Schwachstellen werden so recht schnell aufgedeckt und können verbessert werden." Sie haben damit in soweit Recht, als das ein Zertifizierungsauditor die Strukturen, Abläufe und Prozesse überprüft. Aber er überprüft Sie nur auf die Konformität zu Norm und somit werden Schwachstellen nicht zwingend recht schnell aufgedeckt. Bleiben wir einfach mal bei dem von Ihnen genannten Beispiel Umgang mit Kunden. Die Norm schreibt die Überwachung und Messung der Kundenzufriedenheit vor - ein Unternehmen, was in regelmäßigen Abständen Kundenbefragungen durchführt, hat diesen Normpunkt erfüllt und bekommt dafür das Häkchen vom Auditor zu diesem Auditpunkt. Wenn jetzt allerdings dieser Kundenbefragungsbogen (aus welchen Gründen auch immer) extrem viele Seiten und Fragen enthält, so wird Ihn so gut wie kein Kunde beantworten. Die Rücklaufquote ist extrem schwach, die Befragung hat keinerlei Nutzen gebracht und ist somit eine Schwachstelle im System - allerdings bei voller Normkonformität und i.d.R. ohne Beanstandung durch den Zertifizierungsauditor.
Sie schreiben weiter "Die Auditoren haben einen bestimmten Plan im Kopf, wie die Abläufe eines Unternehmens ihrer Meinung nach gesteuert sein müssen." Auch hier gebe ich Ihnen in soweit Recht, dass Auditoren einen bestimmten Plan im Kopf haben. Allerdings ist das nicht ein Plan, der Ihrer eigenen Meinung entspringt, sondern den Normvorgaben der DIN EN ISO 9001.
"Die Zertifizierung produziert Unmengen an Papier" - Die Zertifizierung produziert am wenigsten Papier bei dem Unternehmen selber, der Zertifizierer hat einiges an Papier für das Zertifizierungsaudit und das Zertifikat. Sie meinen hier wohl, dass die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems Papier produziert. Das ist richtig, wobei man wohl nicht außer acht lassen sollte, dass ein gutes Qualitätsmanagementsystem an ein Unternehmen angepasst ist. Ein Automobilzulieferer hat mit Sicherheit eine extrem große Qualitätsdokumentation, schon allein weil die Vorgaben dafür von seinen Kunden kommen. Ein Unternehmen, welches sich auf eigenen Wunsch ein Qualitätsmanagementsystem erstellt, z.B. ein kleiner Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeiter dagegen kann sein Qualitätsmanagement schlank und effizient halten. Denn Qualitätsmanagement bedeutet nicht automatisch, dass man mehr arbeitet. Natürlich kostet die Einführung dieses Systems am Anfang erstmal Arbeitszeit, allerdings wird durch die Definierung von Arbeitsabläufen und Prozessen optimalerweise eine Verbesserung der Produktivität erreicht (Durchlaufzeiten werden gesenkt, Vermeidung von Doppelarbeiten, Fehler werden vermieden...) und somit werden mittel-/langfristig der Arbeitsaufwand und die Kosten gesenkt.
Viele Grüße
Michael Thode
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