Plagiatsvorwürfe gegen zu Guttenberg – Wer nimmt denn nun seinen Hut?

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Die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg halten die deutschen Bürger in den letzten Tagen in Atem. Der Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano erhielt den Auftrag, die Doktorarbeit von zu Guttenberg zu rezensieren. Bei dieser Arbeit tippte er wahllos einige kurze Passagen in eine Suchmaschine ein und stellte fest, dass sie teilweise wortwörtlich abgeschrieben waren.

Die Vorwürfe und die Konsequenzen

Guttenberg wird vorgeworfen, dass er Text aus den Werken von acht Autoren wortwörtlich übernommen haben soll, ohne diese als Zitate kenntlich gemacht zu haben. Teilweise soll er sich auch an andere Quellen angelehnt haben. Eher unwichtige Stellen sollen als Zitat gekennzeichnet worden sein, aber die eigentlich wichtigen übernommenen Thesen nicht. Zusätzlich kam inzwischen heraus, dass sich Guttenberg auch an Ausarbeitungen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags bedient hat, ohne diese als Quellen zu nennen.

Fischer-Lescano forderte die Universität auf, die Verleihung des Doktortitels an Guttenberg zu überprüfen. Guttenberg hat sich erst gestern den Fragen seiner Kabinettskollegen gestellt und dabei nicht wirklich eine gute Figur gemacht. Er besteht darauf, nicht bewusst getäuscht zu haben. Allerdings gibt er zu, dass er wohl überlastet war, als er die Doktorarbeit verfasste und es ihm somit durchaus passiert sein könnte, dass er vergessen haben könnte, Zitate zu kennzeichnen.

So nebensächlich, wie Guttenberg tut, scheint es aber nicht zu sein. Das „Guttenplag Wiki“ beschäftigt sich seit Tagen mit rund 30 Helfern damit, die gesamte Doktorarbeit auf Plagiate zu überprüfen. Die folgende Grafik, die wir freundlicherweise vom Guttenplag Wiki zur Verfügung gestellt bekommen haben, zeigt das Ausmaß der Plagiate:

Bis gestern Mittag wurden bereits auf 286 Seiten Plagiate gefunden – dies entspricht fast 73 Prozent der gesamten Arbeit.

Die Universität, an der Guttenberg seine Doktorarbeit eingereicht hat, hat sie inzwischen umfassend geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Guttenberg gegen die wissenschaftlichen Standards verstoßen hat, die natürlich auch für Doktorarbeiten gelten. Deshalb wurde Guttenberg heute der Doktortitel aberkannt.

Wie kann so etwas passieren?

Wir fragen uns, wie so etwas in Zeiten von Google und Plagiatsfindern passieren kann? Haben denn die Prüfer an der Universität die Augen komplett vor der Wahrheit verschlossen? Es ist natürlich logisch, dass Plagiate aus Büchern nicht ohne Weiteres gefunden werden können. Aber wenn die Fundstellen so offensichtlich sind, dass die ursprünglichen Werke schon durch eine einfache Google-Suche aufgestöbert werden können, fragen wir uns schon, ob da wohl Methode dahintersteckt. Wurde vielleicht dank des Adelstitels und der Tatsache, dass die Familie zu Guttenberg finanziell gut gestellt ist, etwas weniger genau hingeschaut?

Plagiate aus dem Internet aufzustöbern ist inzwischen dank Plagiatsfindern wie PlagAware denkbar einfach. Wir fragen uns, warum solche Softwareprodukte nicht an allen Universitäten eingesetzt werden – sie scheinen tatsächlich auch in der heutigen Zeit noch nicht überall zum Standard gehören. Und das, obwohl Experten davon ausgehen, dass rund ein Viertel aller wissenschaftlichen Arbeiten an Universitäten von diesem Problem betroffen sein könnten.

Wo bleiben die Konsequenzen bei der Universität?

Die Universität Bayreuth, bei der Guttenberg seine Doktorwürde erworben hat, hat inzwischen Konsequenzen für Guttenberg gezogen. Allerdings stellt sich uns die Frage, wie die Konsequenzen dort intern aussehen. Wie wird wohl mit den Prüfern verfahren, die die Doktorarbeit für gut genug befunden haben, um Guttenberg den Titel zu verleihen? Bisher ließ man dort nichts von internen Konsequenzen verlauten. Natürlich muss Guttenberg dafür „bestraft“ werden, dass er seine Doktorarbeit nicht alleine angefertigt hat. Aber müssen nicht auch diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die ihm das ermöglicht haben? Wir fordern, dass dafür auch an der Universität Bayreuth jemand seinen Hut nehmen muss! Wie viel ist ein Doktortitel denn noch wert, wenn ihn jeder durch die schlaue Aneinanderreihung von Plagiaten erwerben kann?

Unterstützung von allen Seiten

Bundeskanzlerin Merkel hat bereits mehrmals bekräftigt, dass sie hinter Guttenberg steht. Unabhängig vom Doktortitel mache er seine Arbeit gut, weshalb er ihre volle Unterstützung hat. Lediglich sein Ansehen bei seinen Kabinettskollegen scheint angekratzt zu sein, denn sie werfen ihm vor, dass er es mit der Wahrheit vielleicht nicht ganz so genau nehme und nicht mehr wirklich glaubwürdig ist. Auch seine Vorbildwirkung wird in Frage gestellt.

Umso faszinierender sind dagegen die Reaktionen von Seiten der Bevölkerung. Hier hat sich inzwischen eine wahre Welle der Unterstützung gebildet:

  • Auf Facebook wurde die Seite „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Gutenberg“ gegründet und bereits knapp 280.000 Mitglieder unterstützen Guttenberg auf diese Weise.
  • Eine Umfrage der Bildzeitung ergab, dass rund 87 Prozent der Anrufer dafür sind, dass Guttenberg sein Amt behält – das entspricht stolzen 227.000 Anrufern.
  • Das Institut Emnid hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Auch in dieser Umfrage sprechen sich 68 Prozent der Befragten gegen einen Rücktritt von Guttenberg aus.

Guttenberg ist der beliebteste Minister seit Jahren – und scheinbar kratzt nicht einmal die Affäre um seine Doktorarbeit an seinem guten Image. Die Woge der Sympathien scheint nicht abreißen zu wollen. Sehr viele Bürger gehen davon aus, dass Guttenberg seine Arbeit gut macht und möchten, dass er sie auch weiterhin ausführt.

Quelle Fotos/Grafiken:
Guttenplag Wiki 
http://www.zuguttenberg.de
 

Quellen:
BZ Berlin
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