Google 2084: So stellt man sich Fortschritt vor – oder: Der Gläserne User
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Wir sind im Netz über die nebenstehende Grafik gestolpert und da kann ich es mir fast nicht verkneifen, ein paar Worte darüber zu verlieren. Im ersten Moment musste ich lachen, im zweiten war ich sogar ein wenig erschrocken, als mir die Tragweite dieses Szenarios bewusst wurde.
Wie praktisch
Stellen Sie sich vor, Sie können sich gerade an etwas nicht erinnern, von mir aus wie doch nochmal der Kumpel von Ihrer Schwester hieß, der das grüne Auto fährt. Wäre es nicht praktisch, wenn Sie einfach in Ihrem Gedächtnis danach googeln könnten? Stellen Sie sich vor, Google würde Ihnen zeigen, was andere Leute gerade machen, was Ihr Exfreund inzwischen macht oder wie die Affäre Ihrer Cousine heißt? Natürlich müssten Sie auch keine Dokumente mehr aufbewahren, denn Google hätte alles für Sie archiviert, sodass Sie es bequem durchsuchen könnten. Ich muss sagen: Das hört sich doch wirklich komfortabel und praktisch an. Was wäre das für eine Zeitersparnis.
Aber wollen wir wirklich so gläsern sein?
Auch wenn sich das gut anhört, dürfen wir die negativen Seiten nicht vergessen. Schließlich hätte dieses Szenario auch zur Folge, dass jeder alles über jeden weiß oder zumindest herausfinden kann. Das bedeutet, dass auch andere alles über Sie weiß. Möchten Sie, dass andere wissen, wie Sie aussehen, wenn Sie sich die Beine rasieren, wie viel Steuern Sie zahlen oder dass Sie kürzlich wegen zu schnellen Fahrens ein Knöllchen bekommen haben? Sicherlich nicht, denn ein wenig Privatsphäre sollte doch jedem von uns vorbehalten bleiben.
Geld regiert die Welt – und Google
Haben Sie schon einmal überlegt, womit Google Geld verdient? Die wichtigsten und am häufigsten genutzten Angebote für die User sind kostenlos. Also müssen die Einnahmen aus einer anderen Quelle fließen – und das tun sie auch, wie das nebenstehende Diagramm zeigt. 2010 hatte das Unternehmen einen Umsatz von über 29 Milliarden Euro. Führen Sie sich diese Zahl einmal vor Augen – sie hat neun Nullen! Der Großteil dieser Einnahmen dürfte aus Werbung stammen.
Und warum ist diese Werbung so erfolgreich? Erstens liegt es daran, dass so viele Menschen Google nutzen – die Masse gibt den Ausschlag. Allerdings ist der Erfolg auch dadurch begründet, dass Google sehr individuell Werbung schalten kann, nämlich perfekt zur jeweiligen Zielgruppe passend. Google sammelt alle möglichen Daten über uns und unser Suchverhalten, analysiert es und blendet dann Werbung ein, die genau zu unseren aktuellen Bedürfnissen passt. Und wie wichtig Google seine Werbeeinnahmen sind, wissen wir spätestens seit ein paar Jahren als bekannt wurde, dass sich die monströse Suchmaschine der Zensur in China unterwirft, um seine Werbekunden dort nicht zu verlieren.
Ach wie gut, dass niemand weiß…
… was Google von uns weiß. Haben Sie sich darüber schon mal Gedanken gemacht? Klar, dass das Durchsuchen des Gehirns immer Zukunftsmusik bleiben wird. Aber schon heute weiß Google mehr über Sie, als Sie vielleicht glauben würden. Ihre IP-Adresse sowie Ihr Suchverhalten sind natürlich ohnehin bekannt, sobald Sie die Suchmaschine verwenden. Doch auch die weiteren Tools von Google sammeln jede Menge Daten über Sie. In Google Streetview kann bereits jeder abrufen, wie Ihr Haus aussieht und in welcher Straße Sie wohnen. Auf Google Earth kann man mit etwas Glück sogar bis in Ihren Garten sehen. In Google Books sind bereits sehr viele Bücher auszugsweise oder ganz eingescannt und veröffentlicht worden. Fotos, die über Picasa verwaltet werden, können in Bezug auf die abgebildeten Personen analysiert und sogar Einträgen im Emailpostfach zugeordnet werden. So bekommt Google sogar Namen und Kontaktdaten Ihrer Freunde und Verwandten. Am schlimmsten finde ich persönlich Gmail, den Maildienst von Google, bei dem der Inhalt aller Mails genau untersucht wird, damit themenrelevante Werbung eingeblendet werden kann.
Das alles ist heute schon möglich. Wer weiß schon, was die Zukunft noch bringen mag. Vielleicht ist das Szenario „Google 2048“ doch gar nicht so abwegig. Die Frage ist nur, ob wir uns das gefallen lassen wollen. Was denken Sie darüber? Ich freue mich über Ihre Kommentare.
Wenn Sie mehr über die Gefahren lesen möchten, die Google heute schon und erst recht in Zukunft mit sich bringen könnte, habe ich hier einen Lesetipp für Sie:
In " Die Google-Falle. Die unkontrollierte Weltmacht im Internet" beschäftigt sich Gerald Reischl unter anderem damit, welche Daten Google über uns erfasst, was der Mediengigant mit DNA-Analysen zu tun hat, mit welchen Tricks gearbeitet wird und wagt einen Ausblick in die Zukunft.
Quellen:
StatistaDie Google Gesellschaft
WDR
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Über den Autor

- Sabine Hutter
- Mein Name ist Sabine Hutter und ich bin als selbständige Autorin und Webtexterin tätig. Als Staatlich geprüfte Betriebswirtin habe ich mich auf die Themen Existenzgründung, Unternehmen und Personalwesen spezialisiert.
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