Dieser Artikel ist Teil 1 von 3 der Serie

Das Magazin Impulse hat im Jahr 2005 in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut forum! mit Sitz in Mainz wieder einmal einen Test der deutschen Finanzämter durchgeführt. In der aufwendigen Studie wurde die Strenge von 575 deutschen, örtlichen Finanzämtern überprüft und ein Ranking erstellt (vgl. Ausgabe 6/2005, S. 36 ff.). Diese brachte interessante Ergebnisse hervor. Veranlassung für diesen Test waren vermehrte Beschwerden der Unternehmer über falsche Steuerbescheide und die Tatsache, dass diese in bestimmten Regionen häufiger auftreten als in anderen.

Welche Finanzämter wurden getestet?

Insgesamt wurden für diesen Test Informationen über 575 deutsche Finanzämter vor Ort erhoben. So wurde nicht nur auf überregionaler Ebene getestet, sondern vor allem die Finanzbeamten vor Ort, mit denen sich Unternehmer und Steuerberater herumschlagen müssen, wurden unter die Lupe genommen.

Aus diesen Einzelwerten ließen sich jedoch viele weitere interessante Größen ablesen. So können dadurch beispielsweise die strengsten Bundesländer ermittelt werden oder Vergleiche zwischen den westdeutschen und den ostdeutschen Finanzämtern angestrengt werden.

Die Kriterien für den Test

Die Finanzämter wurden anhand von fünf verschiedenen Kriterien beurteilt, die die Durchführenden der Studie als maßgeblich für deren Qualität ansah. Hierbei wurde vor allem beurteilt, wie streng und objektiv die jeweilige Behörde in bestimmten Situationen urteilt. Hierzu gehörte unter anderem das Maß der Strenge bei der Prüfung von Steuererklärungen. Ebenso wurde beurteilt, wie streng die Betriebsprüfer bei einer allgemeinen Betriebsprüfung und bei einer Umsatzsteuer-Sonderprüfung vorgehen. Auch die Überprüfung von Kapitalerträgen und die Steuerfahndung wurden auf den Prüfstand gestellt.

Die Strenge bemisst sich dabei vor allem dadurch, wie sehr sich die Beamten der Finanzbehörden an die gesetzlichen Vorgaben halten bzw. wie häufig sie die gesetzlich gegebenen Spielräume zugunsten der Unternehmer oder Privathaushalte ausnutzen.

Im Vergleich zu einer Studie der Stiftung Finanztest (Ausgabe 3/2000, ab S. 59) wurden die Kriterien ganz andres gewählt. Die Stiftung hatte damals die 16 großen Finanzämter getestet. Zum einen wurde die Bewertung anhand des Schwierigkeitsgrades der Steuererklärung gewichtet. Wenn eine einfache Steuererklärung falsch beurteilt wurde, erhielt das entsprechende Finanzamt weniger Punkte. Zudem wurde berücksichtigt, ob die Ergebnisse, zu denen die Finanzbeamten kamen, auch auf Dauer konstant waren und auch bei anderen Steuererklärungen genauso beurteilt wurden. Außerdem wurde auch mit einbezogen, wie lang die Bearbeitung der Bescheide gedauert hat.

Da von der Stiftung Finanztest insgesamt lediglich 95 Steuererklärungen getestet wurden, ist die impulse-Studie wesentlich repräsentativer. Im nächsten Teil dieser Serie werden wir darauf eingehen, wie die Tests durchgeführt wurden und zu welchen Ergebnissen die Studie kam.

Quelle: http://www.manager-magazin.de

Dieser Artikel ist Teil 2 von 3 der Serie

Bereits im ersten Teil dieser Serie berichteten wir Ihnen über die Eckdaten einer Studie des Managermagazins Impulse, das einen umfangreichen Test über die Strenge der deutschen Finanzämter durchgeführt hat. Im nächsten Schritt möchten wir näher beleuchten, wie die Beurteilung überhaupt von statten ging.

Durchführung der Studie

Die Studie basiert auf einem einfachen Prinzip. Zu jedem Finanzamt wurden jeweils mindestens fünf örtliche Steuerberater befragt. Das hört sich zwar eigentlich nicht viel an – doch handelt es sich dabei insgesamt um weit über 2.000 Steuerberater. Diese vertreten in ihrer Gesamtheit etwa 400.000 deutsche Unternehmen.

Die Punktevergabe erfolgte nach folgendem Schema: Jeder Steuerberater erhielt 20 Aussagen zu ihrem Finanzamt. Sie hatten darüber zu entscheiden, ob sie auf ihr Finanzamt überhaupt nicht, mehr oder weniger oder absolut zutrafen. Jede Aussage war dabei bis zu 100 Punkte wert – je nach Einschätzung des jeweiligen Steuerberaters. Insgesamt konnte jede Behörde bis zu 10.000 Strenge-Punkte kassieren (100 Punkte pro Aussage = 2.000 Punkte x 5 befragte Steuerberater). Entsprechend dieser Strenge-Punkte wurde ein Ranking erstellt.

Die Ergebnisse

Dieses differenzierte Bewertungsschema hat dafür gesorgt, dass auch sehr eindeutige und aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden konnten. So wird das Ranking der strengsten Finanzämter Deutschlands von der Finanzbehörde in Annaberg (Sachsen) angeführt – es hatte stolze 7.507 Strenge-Punkte erhalten. Auf dem zweiten und dritten Platz liegen die Finanzämter Schwerin und Mühlhausen in Thüringen.

Überraschend sind diese Ergebnisse eigentlich nur dann, wenn man sich die letzten Ränge ansieht. Auf dem drittletzten Platz liegt Backnang und auf dem vorletzten Rang logiert Hamburg. Das Schlusslicht bildet das Finanzamt Stuttgart III. Es hat gerade einmal 2.199 Strenge-Punkte kassiert und ist somit das nachgiebigste Finanzamt.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Finanzämter der neuen Bundesländer scheinbar wesentlich strenger beurteilen als die der alten Länder. In den Top 15 des Rankings befinden sich zehn ostdeutsche Behörden. Dies liegt vor allem daran, dass dort die Spielräume, die die Steuergesetze den Finanzbeamten lassen, nur selten zugunsten der Steuerpflichtigen ausgenutzt werden. Woran diese Häufung in den ostdeutschen Ländern liegt, ist unklar.

Das Ranking der Bundesländer

Aus den einzelnen Tests der 575 lokalen Finanzbehörden lässt sich auch ein Ranking der strengsten Bundesländer herausfiltern. Hier kommt die Auflistung (von streng nach nachgiebig):

  1. Mecklenburg-Vorpommern
  2. Sachsen
  3. Thüringen
  4. Hessen
  5. Sachsen-Anhalt
  6. Brandenburg
  7. Schleswig-Holstein
  8. Nordrhein-Westfalen
  9. Berlin
  10. Rheinland-Pfalz
  11. Saarland
  12. Niedersachsen
  13. Bremen
  14. Hamburg
  15. Bayern
  16. Baden-Württemberg


Erfahren Sie im nächsten Artikel dieser Serie, wie die Finanzämter auf diese Ergebnisse reagiert haben und was das alles für Sie bedeutet.

Quellen:
http://www.manager-magazin.de
http://www.innovations-report.de
 

Dieser Artikel ist Teil 3 von 3 der Serie

Im großen Finanzämter-Test, der vom Management-Magazin Impulse durchgeführt wurde, wurden 575 deutsche Finanzämter getestet. Vor allem das Maß der Strenge, mit der die Finanzbeamten agieren, wurde dabei beurteilt. In diesem letzten Teil der Serie möchten wir beleuchten, wie die Finanzämter auf ihre jeweilige Ranking-Position reagiert haben.

Die verkehrte Welt

Scheinbar sind sich die Finanzamtchefs selbst nicht wirklich klar, welche Werte nun am erstrebenswertesten sein sollten. Das Finanzamt Annaberg, das in der Studie den ersten Platz belegte und damit als strengste Finanzbehörde Deutschlands gilt, ist beispielsweise mit seiner Platzierung sehr zufrieden. Es interpretiert Strenge mit Gerechtigkeit und auch mit Unbestechlichkeit. Der Finanzminister Sachsens äußerte sich positiv darüber, dass Sachsen im Länder-Ranking den zweiten Platz belegt hatte. Er hätte es eher als schlimm empfunden, wenn „seinen“ Finanzbeamten eine zu geringe Schärfe bescheinigt worden wäre.

Interessant ist dabei, dass auch der Tabellenletzte, das Finanzamt Stuttgart III, mit diesem Ergebnis vollauf zufrieden ist. Der baden-württembergische Finanzminister freute sich darüber, dass seine Finanzämter so bürgernah seien. Baden-Württemberg landete auch im Gesamtranking der Bundesländer auf dem letzten Platz.

Fraglich ist jedoch, welche Position im Ranking denn nun am erstrebenswerten wäre? Am besten wäre wohl eine Position im guten Mittelfeld. Eine zu geringe Härte bei der Beurteilung von Steuererklärungen kann häufig Ungerechtigkeiten bedeuten, weil die Finanzbeamten versuchen, es allen recht zu machen. Ein zu strenges Vorgehen kann jedoch auch dazu führen, dass die Steuerpflichtigen unzufrieden werden, da mögliche Spielräume durch die Finanzbeamten nicht ausgenutzt werden.

Was das alles für Sie bedeutet

Seit der Durchführung der Studie scheint sich nicht allzu viel geändert zu haben. Die Finanzämter scheinen zu versuchen, ihrer ermittelten Position gerecht zu werden. Die strengen Finanzämter sind streng geblieben, die „laschen“ Finanzämter sind auch nicht strenger geblieben.

Vor allem die konstatierten Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Finanzämter geben Anlass zum Nachdenken. Experten sehen diese als nachteilige Standortfaktoren für die ostdeutschen Industrie- und Handelsstandorte. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass sich diese Standorte für potentielle Investoren noch unattraktiver präsentieren als es eh schon der Fall ist.

Unternehmen (und in den meisten Fällen auch Privathaushalten) können die Informationen des Rankings auch für ihre eigenen Zwecke nutzen. Wer seinen Sitz in Regionen hat, in denen eher strenge Finanzämter angesiedelt sind, sollte noch mehr Wert darauf legen, jedes Steuerschlupfloch auszunutzen. Vor allem Gründer sollten sich genau überlegen, wo sie ihr Unternehmen eröffnen möchten. Denn gerade wenn man sich die Unterschiede zwischen den Erst- und Letztplatzierten im Ranking ansieht, wird schnell klar, dass hier der Spielraum der Finanzbeamten bei der Beurteilung der Steuererklärungen sehr groß ist.

Quellen:
http://www.manager-magazin.de
http://www.innovations-report.de