Eine gute Idee und der Rubel rollt. Diesem Irrglauben unterliegen immer noch viele Existenzgründer. Sie überschätzen sich und ihr Geschäftsmodell. Gleichzeitig messen sie einer soliden Vorbereitung, mit Businessplan samt Kalkulation des mittel- und langfristigen Kapitalbedarfs, zu wenig Wert bei.
Die Folge:
Für viele platzt der Traum von der Selbständigkeit, sobald sich erste Schwierigkeiten einstellen und unternehmerisches Handeln gefragt ist. Das belegen die Statistiken. Binnen sechs Jahren geben 50 Prozent der Existenzgründer auf. Laut KfW-Gründerkompass 2008 erwischt es ein Drittel bereits innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre. Besonders häufig von Pleiten betroffen sind Arbeitslose, die eine eigene Firma als Ausweg sehen. Sie scheitern zu 41 Prozent.
Warum scheitern so viele Existenzgründer?
Gründe hierfür gibt es viele. In erster Linie sind es aber finanzielle Schwierigkeiten, die zum Misserfolg führen, gefolgt von mangelhaftem Marketing und persönlichen Defiziten – es fehlt ganz einfach am kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Wissen. Diese Faktoren ergeben einen unheilvollen Mix, insbesondere, wenn sie auch noch von „Größenwahn“ begleitet werden. Bezogen auf die Finanzen gibt es vor allem einen Kritikpunkt, auf den Banken, Industrie- und Handelskammern sowie Wirtschaftsförderer immer wieder hinweisen: Die meisten Existenzgründer gehen mit einer viel zu dünnen Eigenkapitaldecke an den Start und sind somit gezwungen, von Anfang an mit Schulden zu leben. Entwickelt sich das Geschäft nicht wie gewünscht, übersteigen die Belastungen sehr schnell das Budget und führen geradewegs in die Krise.
Ohne Fremdkapital meist nur Nebengewerbe möglich
Ganz ohne Sach- und Finanzmittel von außen kommen nach einer Studie der KfW-Bank lediglich zehn Prozent der Gründer aus. In der Regel betrifft das allerdings nur jene, die einen Nebenerwerb anstreben. Die überwiegende Mehrheit, mit 62,3 Prozent, meldete einen Mittelbedarf an.
Wofür beantragen Existenzgründer einen Kredit?
53,7 Prozent sowohl bei den Sach- (z.B. PC, Auto, Büroräume) als auch bei den Finanzmitteln. Ihr Anteil stieg damit um rund neun Prozent. Immerhin setzen 58 Prozent auf eigene finanzielle Mittel, sprich Rücklagen und Ersparnisse. 44 Prozent nutzen zusätzlich externe Mittel und sieben Prozent starten ganz ohne Eigenkapitel, nur mit Hilfe von Fördermitteln und Krediten.
Welche Finanzierungsmöglichkeiten nutzen Existenzgründer?
Gedeckt wird der externe Finanzierungsbedarf am häufigsten über Bankdarlehen (ausgenommen Kontokorrentkredite) mit 44,9 Prozent. 21,6 Prozent setzen auf den Kontokorrentkredit oder den Kreditrahmen Kreditkarte, also ihrer Master- oder VISA-Card, 38,6 Prozent auf Darlehen und Geschenke von Verwandten und Bekannten, 31,6 Prozent auf Zuschüsse durch die Bundesagentur für Arbeit und 32,0 Prozent auf Beteiligungskapital und Fördermittel der KfW Bank oder der Länder. Volumenmäßig machen die Fördergelder und Beteiligungen mit 55,3 Prozent den Löwenanteil aus, gefolgt vom Bankdarlehen (25,3 %), dem Geld von Freunden und Verwandten (13 %), den Zuschüssen der Bundesagentur für Arbeit (5 %) und dem Kontokorrentkredit bzw. der Kreditkarte (1,4 %).
Wie viel Kredit nehmen Existenzgründer heute?
Schwierigkeiten bei der externen Mittelbeschaffung hatten rund 38 Prozent der Existenzgründer – unabhängig von der benötigten Summe. Dabei bewegte sich der Gesamtmittelbedarf hauptsächlich im Bereich von 1.000 bis rund 25.000 Euro. 47,1 Prozent der Gründungen gingen einher mit einem externen Mittelbedarf von 1.000 bis 5.000 Euro. Über 5.000 bis 10.000 Euro waren es bei 8,2 Prozent, über 10.000 bis 25.000 Euro bei 28,5 Prozent, über 25.000 bis 50.000 Euro und über 50.000 Euro bei jeweils 8,1 Prozent. „Das Gros der Gründungen fällt damit in die Kategorie der Klein- und Kleinstgründungen mit keinem oder nur sehr geringem Mittelbedarf“, heißt es dazu im KfW-Gründerkompass.
Die häufigsten Fehler bei der Finanzierung
Der größte Fehler, den Existenzgründer bei der Finanzierung machen könne, ist, sich zu übernehmen und in vollkommen überzogenen Dimensionen zu denken. Die Devise muss lauten „vom Tellerwäsche zum Millionär“. Das heißt nichts anderes, als dass man sich mit einem kleinen Anfang zufrieden geben und darauf aufbauen sollte. Und genau an diesem Bewusstsein mangelt es häufig. Statt die Garage oder den Kellers zu nutzen werden gleich Räumlichkeiten angemietet – um nur ein Beispiel zu nennen. Zudem sehen viele nur die niedrigen Zinssätze und Fördertöpfe, greifen überall zu, vergessen aber, dass jeder Cent zurückgezahlt werden muss, egal wie günstig der Kredit ist. Man muss sich schon die Mühe machen, das gesamte Spektrum an Möglichkeiten zu studieren und zu vergleichen, von der Starthilfe bis zum Förderkredit. Denn nicht jedes Mittel ist für jeden Existenzgründer auch optimal.
Wer keine Ahnung hat, muss wen haben, der Ahnung hat
Wem das nötige Fachwissen dazu fehlt, dem helfen Kurse oder besser noch Experten, deren Coaching im wahrsten Sinne des Wortes sein Geld wert ist und teilweise auch gefördert wird. Gerade die KfW Bank bietet für Existenzgründer einen Beratungs Zuschuss, der Gründercoaching Deutschland genannt wird. Denn wer schon Schwierigkeiten hat, sich im Dschungel aus Krediten zurechtzufinden, der wird bei Beteiligungen aufgrund der Vorgaben und Regeln erst recht verzweifeln. Bequemlichkeit in der Startphase ist oft schon der Anfang vom Ende. Es gibt viele Anlaufstellen, Broschüren und Hilfen, die über Finanzierungsmodelle informieren. Sie geben das Rüstzeug für weiterreichende Entscheidungen an die Hand und helfen, die Selbständigkeit auf einer soliden Basis fußen zu lassen. Und wenn sich im Laufe der Zeit finanzielle Probleme ergeben, nicht den Kopf in den Sand stecken oder es als Anfangsverluste verniedlichen, sondern aktiv werden.
Dieser Artikel wurde von kreditklick.com zur Verfügung gestellt.
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