Eine der häufigen Fragen ist die nach Beratung und nach einem geeigneten und zugelassenen Berater zur Existenzgründung.
Welchen Berater kann ich als Existenzgründer nehmen?
Wo komme ich kostenlose Beratung her?
Muss ich einen Steuerberater als Existenzgründer haben?
Diese und ähnliche Fragen möchten wir in diesem FAQ zusammenfassen und darüberhinaus auch einiger Erfahrungen zum Thema Beratung bei der Existenzgründung schildern.
Steuerberater
In Deutschland gibt es bisher kein Gesetz, welches den Existenzgründer oder dem Unternehmer im Allgemeinen verpflichtet, einen Steuerberater zu engagieren. In einigen Fällen ist es jedoch besser, einen steuerlichen Berater zu konsultieren. Nun stellt sich die Frage, wie unterscheidet man die Wichtigkeit, die Fälle und die Anlässe, bei welchen man einen Steuerberater nehmen sollte und wann man darauf verzichten kann. Ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl ist sicherlich der Kostenfaktor.
Steuerberatergebührenverordnung
Steuerberater müssen ihre Leistungen nach der Gebührenverordnung für Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatungsgesellschaften oder kurz der Steuerberatergebührenverordnung abrechnen. Sie können also nicht wie andere Berater einen pauschalen oder gewillkürtem Preis mit dem Kunden festlegen. Jede Tätigkeit ist in dieser Gebührenverordnung verankert und muss in einem bestimmten Spielraum abgerechnet werden. Wie teuer die einzelnen Dienstleistungen, Tätigkeiten und Arbeiten bei einem Steuerberater letztlich sind, ist daher sehr schwer pauschal zu sagen. Dazu gibt es einen regelrechten Katalog mit Leistungen, welche in folgendem Onlinerechner zur Gebührenberechnung eines Steuerberaters verankert ist.
Mehr ist nicht immer weniger
In unserem Artikel Steuerberater für Existenzgründer sind wir bereits darauf eingegangen und haben auch einen mathematischen Beweis erbracht, dass ein Steuerberater auch für einen Existenzgründer besser ist als kein Steuerberater. Das resultiert aus der Tatsache, dass die Kosten für den Steuerberater als Betriebsausgaben abzugsfähig sind und der Steuerberater darüberhinaus noch für seine Tätigkeit haften muss. Ja er sogar eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für seine Tätigkeit abschließen muss.
Fazit
Zur bloßen Existenzgründung, zur Gewerbeanmeldung und zur Kalkulation von Preisen sowie zur Erstellung eines Marketingskonzeptes ist wohl ein Steuerberater überqualifizierte und nicht nötig, vielleicht auch zu teuer. Sofern der Existenzgründer jedoch spezielle Fragen zur Buchführung oder zur steuerlichen Gestaltung seiner Existenzgründung hat, womöglich nicht weiß, welche Rechtsform er aus steuerlicher Sicht nehmen sollte, ist der Gang zum Steuerberater unumgänglich. Dabei kann der Steuerberater auch pauschal für eine Erstberatung abrechnen, das sollte nicht mehr als 150 EUR kosten. Näheres kann der Gründer mit dem Gebührenrechner für Steuerberater nachrechnen.
Onlinesteuerberater
Wer einen Steuerberater unkompliziert und ohne örtliche Bindung sucht, kann auch einen Onlinesteuerberater nutzen. Den kann man per Telefon oder per E-Mail kontaktieren. Die Unterlagen können entweder per Post oder elektronisch zur Bearbeitung übermittelt werden.
Unternehmensberater
Im Gegensatz zum Steuerberater ist der Unternehmensberater nicht verpflichtet, einer Kammer oder Berufsvereinigung beizutreten. Das hat zur Folge, dass jeder beliebige Mensch, welcher denkt, er könne wirtschaftlich handeln und beraten, Unternehmensberater sein und werden kann. Es wird von staatlicher Seite schlichtweg nicht geprüft, wie hoch die Qualität des Unternehmensberaters ist.
Unternehmensberater nicht unterschätzen
Dennoch sollte man Unternehmensberater nicht unterschätzen und sie für bestimmte Aufgaben im Bereich der Existenzgründung einsetzen. Eine Preiskalkulation oder Marktanalyse, auch eine Konkurrenzanalyse oder eine Standortanalyse kann von einem Unternehmensberater ohne Zweifel zuverlässig und qualitativ hochwertig durchgeführt werden. Wie auch beim Steuerberater sollte sich der Existenzgründer vorher zum Ruf, den Referenzen und der fachlichen Qualifikation des Unternehmensberaters erkundigen. Selbstverständlich sollte man auch hier Preise vergleichen, denn der Unternehmensberater unterliegt keiner Gebührenverordnung und kann somit seine Honorare und Stundensätze frei gestalten. Der Existenzgründer kann daher eine Menge Geld sparen, wenn er statt 150 € pro Stunde bei einem Unternehmensberater gerade mal 50 € zahlen muss.
Wo die Freundschaft aufhört
Steuerliche Prüfungen, komplizierte Anlagenverwaltung oder andere Themen aus den Bereichen Rechnungswesen, Bilanzierung oder dem Steuerrecht sollten aus haftungstechnischer Sicht einem Steuerberater überlassen werden, was nicht heißen soll, dass der Unternehmensberater zu diesen Fragen keine Antwort findet. Selbstverständlich wissen viele Unternehmensberater auch bei derartigen Fragen Rat. Aus juristischer Sicht darf der Unternehmensberater jedoch keinen Rat in Sachen Steuerrecht geben, da dies eben nur den steuerberatenden Berufen vorbehalten ist. Diese müssen dazu vor der Steuerberaterkammer und dem zuständigen Finanzamt eine Steuerberaterprüfung ablegen.
Fazit
Unternehmensberater können sehr gut die Existenzgründung vorbereiten und dem Existenzgründer bei allen Fragen rund um die Gründung helfen. Unternehmensberater haben sich in der Regel auf Themenschwerpunkte, vielleicht sogar die Existenzgründung selber, spezialisiert und können somit dem Existenzgründer wesentlich zielgerichteter und individueller helfen als der Steuerberater. Geht es jedoch um steuerrechtliche Optimierungen oder Fragestellungen wie:
"Wie viele Steuern muss sich am Jahresende zahlen?"
"Ist die Kleinunternehmerregelung für mich günstiger als die Regelbesteuerung?"
"Mein Mann hat einen 400 EUR Job und arbeitet nebenbei als Kleinunternehmer. Wenn ich mich nun mache, muss sich dann Gewerbesteuern zahlen?"
sollte man nicht die 50 € scheuen und einen Fachmann in Sachen Steuerrecht bemühen. Der Existenzgründer muss bedenken, dass die Antworten der Nichtsteuerberater, steuerlich gesehen für nicht bindend und daher keine rechtsverbindliche Sicherheit für den Existenzgründer darstellen. Im Falle eines Streites oder einer Steuernachzahlung kann der Ratgeber immer sagen: "Ich bin ja kein Steuerberater." und der Existenzgründer sitzt dann mit seinem Problem wieder allein und muss zahlen.
Übrigens, diese und ähnliche Fragen werden häufig in unserem Existenzgründerforum gestellt, worauf wir regelmäßig auf den dort moderierenden Steuerberater verweisen.
KfW Gründungsberater
Eine Spezialform des Beraters ist der KfW Gründungsberater. Dieser von der KfW Bank (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) zugelassene Berater kann sowohl ein Unternehmensberater als auch ein Steuerberater sein. Die KfW Bank hat unter anderem die Aufgabe, den Mittelstand und die Existenzgründer zu fördern. Weitere Aufgaben der KfW Bank finden sich zusammengefasst auf wikipedia
Gründungsberater wird zuvor geprüft
Der KfW Gründungsberater wird im Vorfeld von der KfW Bank auf seine Fähigkeiten, Referenzen und seine Berufserfahrungen geprüft und erst dann zum Gründungsberater der KfW zugelassen. Ab diesem Zeitpunkt darf der KfW Gründungsberater erst die Produkte und Fördermittel der KfW für seine Mandanten und Klienten beantragen.
KfW Beraterbörse
Sämtliche KfW Gründungsberater sind in der KfW Beraterbörse zusammengefasst. Dort kann man nach Bundesländern, Postleitzahlen, Einsatzgebiet, Beratungsprodukt sowie der Branche des Existenzgründers einen geeigneten KfW Gründungsberater suchen. Das derzeit häufigste Fördermittel, welches KfW Gründungsberater und deren Mandanten in Anspruch nehmen heißt Gründercoaching Deutschland.
Fazit
Wer einen zuverlässigen und geprüften Berater zur Existenzgründung haben, zusätzlich noch Förderungen und Beratungszuschüsse für seine Gründung und sein neues Unternehmen in Anspruch nehmen möchte, der ist mit einem KfW Gründungsberater sehr gut bedient. Dabei besteht zusätzlich die Möglichkeit, einen Steuerberater zu nehmen, der gleichzeitig KfW Gründungsberater ist. Die Honorare werden in diesem Fall mit Sicherheit höher ausfallen als bei einem Unternehmensberater, da jedoch das Gründercoaching Deutschland als Beratungszuschuss und Förderung für Existenzgründer und dessen Beratung beantragt werden kann, belasten die Kosten nur zu einem sehr geringen Prozentsatz direkt das Budget des Existenzgründers.
Rechtsanwalt
Auch der Rechtsanwalt kann in Sachen Existenzgründung helfen, jedoch vorwiegend im juristischen Bereich. Da bei den meisten Gründern deartige Fragen, das Aufsetzen von Verträgen, Gesellschafterverträge, Geschäftsverträge, Mietverträge oder ABGs eher untergeordnet ist, wird der Rechtsanwalt eher weniger von Existenzgründern als Gründungsberater bemüht. Der Anwalt hat darüber hinaus den Nachteil, dass er sich meist nicht mit Buchführung und Steuern auskennt und auch die Kalkulation, Marketing und Unternehmensführung nicht sein Spezialgebit ist.
Fazit
Den Anwalt als Gründungsberater nur dann nutzen, wenn juristische Probleme nicht mehr von einem Steuerberater geklärt werden können oder individuelle vertragliche Beziehung geknüpft werden, was über das Maß des Einzelunternehmers hinaus geht. So zum Beispiel eine GmbH, OHG oder KG Gründung mit entsprechenden Gesellschaftsverträgen. Für die Ausarbeitung von AGBs oder die Gewerbeanmeldung ist in der Regel kein Rechtsanwalt nötig. Wer dennoch einen Rechtsanwalt benötigt und konsultieren möchte, der kann mit unserer Anwaltssuche in seinem Gebiet den passenden Anwalt finden.
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