Handwerk hat goldenen Boden – in Zeiten der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise hält auch diese Weisheit der Wirklichkeit nur noch bedingt Stand: Noch trotzen zwar viele der kleinen und mittleren Unternehmen dem Sog der Rezession, doch scheinen Stellenabbau und Insolvenzen kaum vermeidbar. Zeit, das schwierige Verhältnis von Handwerk und Franchising neu zu überdenken?
„Traditionelle Handwerker waren und sind dem Franchising gegenüber wenig aufgeschlossen. Die Dreierstruktur – Lehrling, Geselle, Meister – in Begleitung von Praxis und Berufs- und Meisterschulen bietet gute Voraussetzungen für ein Auskommen als Mitarbeiter oder für die Selbständigkeit“, weiß Unternehmensberater Günter Reimers. „Handwerks-Innungen und -Kammern sehen ihre Aufgabe im erfolgreichen Erhalt dieser Existenzen. Franchising wird eher als eine Konkurrenzform gesehen.“
Im Anblick der globalen Krise und der Bedeutung des Handwerks in der deutschen Wirtschaft scheint diese Sichtweise jedoch nicht mehr angemessen. In Deutschland arbeiten rund 5 Millionen Menschen in handwerklichen Betrieben, das sind mehr als 12 % aller Erwerbstätigen.
Der Anteil der Handwerksbetriebe in der Franchisewirtschaft stagniert schon seit Jahren bei etwa 8 %. Dennoch zeigt sich ein Bewusstseinswandel, insbesondere bei der jüngeren Generation. Reimers dazu: „Besonders die innovativen Kräfte halten wenig von Innungen und Kammern. Sie sind aber sehr anspruchsvoll und finden auf der Franchisegeber-Seite wenig attraktive Systeme.“
Doch auch im Handwerk wurden die Vorteile der Vertriebsmethode erkannt: Franchising bietet in den meisten Fällen stabilere Zukunftsaussichten als die „normale“ Selbständigkeit – insbesondere in Zeiten von Auftragseinbrüchen und Insolvenzen.
Somit könnte der Wandel im Verhältnis von Handwerk und Franchising durch die Krise beschleunigt werden: Gesucht werden vor allem Spezialisten, die ganz bestimmte Nischen besetzen. Dazu gehören beispielsweise Zukunftsmärkte wie Wärmedämmung, Türen- und Fenstermodernisierung oder Schimmelbeseitigung. Franchiseunternehmen aus der Handwerksbranche bieten in der Regel genau diese Spezialisierung.
Nicht zuletzt die seit 2004 geltende Zulassungsbefreiung von 53 Handwerken hat die Existenzgründung in der Branche erleichtert, auch wenn die Handwerks-Verbände diesen Entwicklungen skeptisch gegenüber stehen.
„Die Zukunft gehört dem professionellen Problemlöser und Spezialisten“, erklärt auch Günter Reimers. „Und hier bietet das Franchising vielfach die optimale Form der Selbständigkeit. Franchising ist also zukunftsweisend auch für den deutschen Handwerker.“
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